Üblicherweise ist aus einer Stellenanzeige klar ersichtlich, welches Unternehmen einen Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin sucht. Für die meisten Unternehmen ist ihr guter Name und ihr guter Ruf auch bei der Suche nach neuem Personal ein echtes "Werbeargument". Anders bei Chiffreanzeigen.
Grund für einen Chiffre-Stellenanzeige kann beispielsweise sein, dass das Unternehmen befürchtet, bei der offenen Namensnennung wenige oder wenig qualifizierte Bewerbungen zu bekommen. Das mag am schlechteren Ruf der Firma liegen, wenn sie vielleicht in der letzten Zeit in einem schlechten Licht in den Medien erschienen ist, oder vielleicht kann die Branche negativ wirken – Schlachthöfe, Pelzfarmen, Pornoproduktionen.
Es gibt aber auch weitaus harmlosere Gründe für eine Firma, Bewerbungen an eine Chiffre-Adresse schicken zu lassen. Es kann nämlich auch beispielsweise darum gehen, den Markt oder die Konkurrenz nicht erfahren zu lassen, was für die Zukunft geplant ist. Auch dann ist eine Chiffre-Anzeige gut, weil auch der beste Profi daraus meist nicht ersehen kann, um welche Firma es sich handelt.
Ein weiterer möglicher Grund für eine Chiffre-Anzeige: Es ist im Unternehmen intern noch nicht geklärt, wie man den Mitarbeiter, der die Stelle aktuell besetzt, "los wird". In diesem Fall versucht die Firma sich zu schützen, indem der Kollege einfach nicht erfährt, dass man sich bereits nach einem Nachfolger umsieht.
Für den Bewerber stellen sich bei einer Bewerbung auf eine Chiffre-Anzeige zwei Fragen: Wie kann man es vermeiden, dass man sich unter Umständen bei der eigenen Firma bewirbt? Und wie gestaltet man das Anschreiben, dass man ja üblicherweise speziell auf die jeweilige Firma und das Stellenangebot zuschneidet?
Die erste Frage ist relativ einfach zu beantworten. Die Chiffre der Stellenanzeige bezieht sich auf ein Postfach beim Verlag bzw. dem Medium, in dem die Anzeige erschienen ist. Um nun zu vermeiden, dass der Verlag Ihre Bewerbung an Ihren aktuellen Arbeitsgeber weiterreicht - falls der hinter der Anzeige stecken sollte - legen Sie Ihrer Bewerbung ein Schreiben bei, in dem Sie speziell darum bitten, Ihre Unterlagen nicht an die Firma XY weiterzureichen. Vermutlich möchten Sie in diesem Fall die Unterlagen zurück, legen Sie also am besten einen adressierten und frankierten Rückumschlag bei.
Dazu stecken Sie Ihre Bewerbungsunterlagen in einen Umschlag, den Sie mit der Chiffre-Nummer beschriften. Diesen Umschlag und Ihr Schreiben an den Verlag kommen in einen weiteren Umschlag, den Sie dann an die in der Anzeige angegebene Adresse senden. Das mag umständlich klingen, kann Ihnen aber große Peinlichkeiten ersparen.
Diesen "Sperrvermerk" können Sie selbstverständlich auch online verwenden, indem Sie in Ihrer E-Mail an das Stellenportal auf Ihren Wunsch hinweisen.
Wenn in der Chiffre-Stellenanzeige keine oder nur wenige Details genannt werden, sollten Sie vorsichtig sein. Es kann nämlich durchaus sein, dass die Anzeige von einem nicht ganz seriösen Unternehmen aufgegeben wurde. Auch bei einer Chiffre-Anzeige sollte die Tätigkeiten und das Einsatzgebiet soweit umrissen sein, dass Sie wissen für welche Art von Stelle Sie sich bewerben. Übertriebene Versprechungen wie "3.000 Euro monatlich - von zu Hause aus" in Kombination mit der Heimlichtuerei sollten bei Ihnen alle Alarmglocken läuten lassen.
Bei einer Chiffre-Anzeige können Sie entweder Ihre komplette Bewerbungsmappe verschicken oder aber eine Kurz-Bewerbung. Dabei schicken Sie dem Unternehmen nur ein kurzes Anschreiben, in dem Sie auf die in der Anzeige erwähnten Anforderungen oder Tätigkeiten eingehen und Ihren Lebenslauf. Im Anschreiben bieten Sie an, bei Interesse Ihre kompletten Unterlagen zuzusenden.
Falls das Unternehmen die Geheimhaltung weiterführen will, schickt es Ihre Unterlagen eventuell nicht zurück. Bei einer Kurz-Bewerbung haben Sie so zumindest keine ganze Bewerbungsmappe "verloren".