Viele Bewerber vergessen, dass das Bewerbungsgespräch dazu da ist, dass nicht nur sie sich beim Arbeitgeber vorstellen, sondern der Arbeitgeber sich auch beim Bewerber vorstellt. Darum haben sie auch das Recht, sich ebenso gründlich über den Arbeitgeber und das Unternehmen zu informieren wie andersherum. Beim Bewerbungsgespräch selbst sollten Sie daran denken, auch Ihrerseits einige Fragen an den Arbeitgeber zu stellen und sich so nicht nur zu informieren, sondern auch echtes Interesse zu zeigen.
Die erste Informationsquelle ist meistens die Stellenanzeige, in der das Unternehmen sich oft kurz vorstellt. So kann ein Bewerber schon entscheiden, ob die angebotene Stelle interessant für ihn ist. Dies ist gerade bei kleineren Unternehmen wichtig, die nicht sehr bekannt sind.
Auf jeden Fall sollte eine interessante Stellenanzeige Anlass geben, sich genauer über das Unternehmen informieren. Heute geschieht das meistens über das Internet, dabei vor allem über die Firmenseite. Man sollte sich aber nicht nur von dem Unternehmen selbst informieren lassen, auch unabhängige Quellen liefern wichtige Informationen.
Schon jetzt sollten Sie sich, wenn Sie sich bei dem Unternehmen bewerben wollen, ein paar Fragen fürs Vorstellungsgespräch aufschreiben. Das kann eine Frage zur voraussichtlichen Personalentwicklung sein, zur internationalen Expansion oder zur Umweltschutzpolitik im Konzern.
Während des Vorstellungsgesprächs können Sie immer gleich dann Fragen stellen, wenn es sich ergibt. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass Sie durch Ihre Fragen ein bisschen mehr aktive Kontrolle über das Gespräch haben als wenn Sie nur antworten. Falls es den Gesprächsfluss sehr stören würde, können Sie sich auf dem von Ihnen immer parat gehaltenen Papier eine kurze Notiz machen und am Ende des Gesprächs nachfragen.
Viele Ihrer vorbereiteten Fragen werden von Ihrem Gesprächspartner sowieso während des Gesprächs beantwortet werden, die brauchen Sie also danach nicht mehr stellen. Falls tatsächlich alle Ihre Fragen schon im Gespräch beantwortet werden und sich auch keine neuen Fragen ergeben, können Sie dem Personalchef auch ein kleines Kompliment für seine geübte Gesprächsführung machen.
Sie können auch zugeben, dass Sie im Moment von den Informationen und der Situation vollkommen erschlagen sind und Ihnen keine Fragen einfallen - "Darf ich mich telefonisch oder per E-Mail an Sie wenden, wenn ich noch Fragen haben sollte?" macht Ihr prinzipielles Interesse klar.
Haben Sie auch keine Scheu, eine Frage zu wiederholen, auch wenn das Thema schon einmal zur Frage kam. Haken Sie immer dann nach, wenn die Antwort Ihnen nicht ausreicht. Das soll nicht heißen, dass Sie unverschämt sein müssen, aber wenn Sie etwas wissen wollen, führt der einfachste Weg zur Antwort immer über eine Frage.
Machen Sie aber mit Ihren Fragen auf jeden Fall deutlich, dass Sie sich schon gewissermaßen eine Zukunft mit diesem Arbeitgeber vorstellen.
Gute Fragen sind beispielsweise:
Wie groß ist das Team/die Abteilung, in dem/der ich eingesetzt würde?
Wie würde sich meine Einarbeitungsphase gestalten?
Gibt es im Unternehmen Möglichkeiten zur Fortbildung?
Wie stehen meine Chancen für einen Auslandseinsatz? (nur sinnvoll bei international agierenden Firmen)
Machen Sie mit Ihren Fragen deutlich, dass Sie sich mit dem Unternehmen und der angebotenen Stelle auseinandergesetzt haben.
Wichtig: Stellen Sie auf keinen Fall Fragen, deren Antworten Sie etwa durch den Besuch der Firmenwebsite hätten beantworten können. Fakten wie die Unternehmensgröße, dem Einsatzbereich und die allgemeine geschäftliche Entwicklung finden Sie schnell in leicht zugänglichen Medien. Wenn Sie diese Grundlagen nicht kennen, macht das schnell den Eindruck, als sei es mit Ihrem Interesse an dem Arbeitgeber vielleicht doch nicht so weit her.