In fast allen Bewerbungsratgebern wird darauf hingewiesen, wie wichtig die Körpersprache beim Bewerbungsgespräch ist. Das ist zweifellos richtig, aber leider führt das dazu, dass Bewerber unnötig nervös werden und Angst haben, sich durch eine harmlose Geste die berufliche Zukunft zu verbauen.
Bestimmt achtet Ihr Gesprächspartner beim Vorstellungsgespräch darauf, ob Ihre Körpersprache mit Ihren Aussagen übereinstimmt. Manche Bewegungen sind typisch für Lügen oder Übertreibungen; der geübte Beobachter kann also beurteilen, ob Sie Ihre Qualifikationen etwas aufhübschen, ob Sie sich komplett verstellen oder ob Sie die Wahrheit sprechen.
Die meisten Personalchefs verlassen sich dabei aber eher auf ihre Erfahrung und ihre Menschenkenntnis als auf einen bestimmten Katalog an "Körpersprache"-Aussagen. Sie brauchen also nicht befürchten, dass jede Bewegung, jedes Zurechtrücken der Brille oder ein Übereinanderschlagen der Beine auf die Goldwaage gelegt wird. Ihr Gesprächspartner wird sehr gut wissen, dass eine Brille im Eifer des Gefechts mal von der Nase zu rutschen droht und, dass man bei Nervosität zu bestimmten Gesten neigt und etwa das Haar aus dem Gesicht zurückstreicht. Sehr auffälliges Spielen mit dem Kugelschreiber oder fahriges Gestikulieren allerdings untergräbt Ihren kompetenten Auftritt.
Sehr wichtig ist allerdings Ihr Auftreten im Allgemeinen. Machen Sie beim Hereinkommen einen zuversichtlichen oder verängstigten Eindruck? Suchen Sie bei der Begrüßung den direkten Augenkontakt? Neigen Sie sich Ihrem Gesprächspartner zu oder von ihm weg? Verschließen Sie sich durch verkreuzte Arme vor dem Personalchef oder öffnen Sie sich ihm durch eine offene Körperhaltung?
Wenn Sie sich bewusst machen, dass Sie bestimmte Bewegungsmuster haben, können Sie abwägen, wie diese im Bewerbungsgespräch wirken können. Falls nötig, können Sie auch bewusst dagegen ankämpfen, also etwa eine abweisende Haltung im Gespräch vermeiden, um so Ihr Gegenüber nicht vor den Kopf zu stoßen.
Schlechte Körpersprache: Wirklich arrogant und unsympathisch kann es beispielsweise wirken, wenn Sie zu breitbeinig auf dem Stuhl sitzen, vor allem bei Männern. Das macht schnell den Eindruck, als beanspruchten Sie mehr als Ihnen zusteht. Bei Frauen wirkt es meist nur unelegant und unweiblich, was aber ebenfalls ungünstig ausgelegt wird.
Wenn Sie Ihre Haltung und Ihr Verhalten korrigieren, kann das zudem dazu führen, dass Sie Ihre gesamte Einstellung mitkorrigieren, denn es zeigt sich nicht nur das Innere im Äußeren, das Äußere kann auch auf das Innere einwirken. Immer gut: Lächeln Sie. Das wirkt positiv auf Ihren Gesprächspartner und es entspannt auch Sie.
Vermeiden Sie aber vor allem, sich bei jeder Bewegung zu fragen: "Welchen Eindruck macht meine Körpersprache jetzt?" So werden Sie nur noch nervöser und legen sich selbst Steine in den Weg. Vielleicht werden Sie auch viel zu starr und steif. Wie für so vieles im Bewerbungsprozess gilt auch hier: Bleiben Sie Sie selbst, so brauchen Sie sich auch gar nicht verstellen und werden als authentische, sichere Persönlichkeit wahrgenommen.