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Achtung, Chef liest mit! Risiko Karriereknick, wenn peinliche Fotos im Netz unterwegs sind

In sozialen Netzwerken wird geteilt und gepostet was das Zeug hält. Jeder erzählt seinen Freunden, was er gerade kocht, welches neue Modeteil „erobert“ wurde oder wer gerade mal wieder nervt. Es war nie einfacher, die Welt am eigenen Leben teilhaben zu lassen als heute. Solange es die Freunde aus der Freundesliste sind, die diese Informationen erhalten, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Doch allzu oft vergessen die Nutzer, ihre Beiträge auf einen bestimmten Personenkreis einzuschränken, und teilen private Dinge mit der Öffentlichkeit.

Aber nicht nur wildfremde Menschen, die mit dem eigenen Privatleben eigentlich nichts zu tun haben, können so ganz einfach an Informationen kommen. Besonders verheerend kann sich eine solche „Offenheit“ auch bei der Ausbildungs- oder Arbeitssuche auswirken, zum Beispiel wenn sich ein Unternehmen über einen Bewerber mit Hilfe des World Wide Web genauer informiert.

Hierzu ein kleines Beispiel aus der Praxis:

Die 20-jährige Lisa hat sich bei einem namhaften Unternehmen als Bürokauffrau beworben und ist auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch. Unterwegs geht sie noch einmal alles durch, was sie über sich, ihre Noten und die erworbenen Kenntnisse sagen möchte. Sie schaut, ob ihre Kleidung gut sitzt und frischt das Make-up noch einmal auf. Der Personalleiter erwartet sie bereits. Nach einer förmlichen Begrüßung, und bevor Lisa überhaupt etwas sagen kann, stellt ihr der Personaler die Frage, wie denn die gestrige Party bei Kevin gewesen sei? Lisas Gedanken kreisen. „Kevin?, Party? ...“ Der Personalleiter erwidert: „Ja, der Kevin, mit dem Sie anscheinend häufiger kräftig feiern.“ Lisa ist sprachlos. Der Personaler dreht sein Notebook zu ihr um und zeigt mit kritischem Gesichtsausdruck auf die Fotos, auf denen eindeutig Lisa in aussagekräftigen Posen und mit alkoholischen Getränken in der Hand zu sehen ist …

Immer häufiger prüfen Unternehmen ihre Bewerber

So oder ähnlich spielt es sich recht häufig in den Personalbüros vieler Unternehmen ab. Immer mehr Firmen holen im Vorfeld Informationen über Stelleninteressenten ein und stellen diese quasi auf den Prüfstand. Und das ist oft nicht schwer. Denn jeder, der das Internet nutzt, hinterlässt dort Spuren. Wer hier vergisst, einschränkende Einstellungen vorzunehmen, gibt der Öffentlichkeit und so auch Unternehmen kräftig Futter. Dann droht das schnelle Aus im Bewerbungsverfahren oder gar das Risiko eines Karriereknickes, wenn es sich gar um problematische Äußerungen handelt, die mit den Unternehmenszielen nicht konform gehen. Vor allem große Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor und dem Industriebereich schauen oft, was sie im Internet über einen Kandidaten so finden.

Arbeitsrechtler kritisieren eine solche Vorgehensweise zwar, sagen aber auch, dass diese nicht grundsätzlich verboten ist. Allerdings heißt es im § 32 (1) - Datenerhebung, -verarbeitung und -nutzung für Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses - des Bundesdatenschutzgesetzes: „Personenbezogene Daten eines Beschäftigten dürfen für Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses erhoben, verarbeitet oder genutzt werden, wenn dies für die Entscheidung über die Begründung eines Beschäftigungsverhältnisses oder nach Begründung des Beschäftigungsverhältnisses für dessen Durchführung oder Beendigung erforderlich ist. ...“. Ob die Unternehmen hier die Erforderlichkeit solcher Internet-Recherchen nachweisen können, ist zweifelhaft. Natürlich müssen sie sich ein Bild von ihrem Bewerber machen. Doch um herauszufinden, ob jemand persönlich und fachlich ins Unternehmen passt, ist immer noch das Gespräch von Angesicht zu Angesicht die beste Methode.

Posten, Teilen und Kommentieren mit Bedacht

Nicht jedes Unternehmen beschafft sich auf diesem Weg zusätzliche Informationen über potenzielle Mitarbeiter. So viel steht fest. Verboten ist es aber nicht und nachweisen lässt es sich schon gar nicht. Wer hier keine böse Überraschung beim Vorstellungsgespräch erleben möchte, sollte von Vornherein mit privaten Informationen und Fotos sparen beziehungsweise diese nur mit den engsten Freunden teilen.

Wer ein Hobby, soziales Engagement oder bestimmte Interessen gern mit der Welt teilen möchte, kann dies natürlich tun. Denn handelt es sich dabei um Dinge, die jemanden positiv beschreiben, können diese bei einem Vorstellungsgespräch sogar Pluspunkte bringen, wenn etwa der Personalleiter bei seiner Internet-Recherche darauf gestoßen ist. Aber Vorsicht! Nirgendwo wird mehr gelogen als im Internet. So werden gern einmal Begabungen und Abschlüsse angegeben, die es gar nicht gibt. Meist rächen sich solche Lügen aber, spätestens wenn sie im Bewerbungsgespräch angesprochen und entsprechende Nachweise verlangt werden.

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