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Karrierefalle Kind: Als Mutter im Job ausgebremst?

Karrierefalle Kind: Als Mutter im Job ausgebremst?

Obwohl die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Artikel 3, Absatz 1 des Grundgesetzes verankert ist, sieht die berufliche Realität für viele Frauen leider anders aus. Der Artikel besagt: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Dieser sogenannte allgemeine Gleichsatz legt einige Merkmale fest, wegen derer ein Mensch auf gar keinen Fall benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Diese Merkmale sind: Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat, Herkunft, Glaube, religiöse oder politische Anschauung – und das Geschlecht. Der Staat fördere die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, heißt es im selben Artikel. Dann wird doch sicher alles gut, oder nicht?

So schnell löst sich das Problem nicht: Aktuellen Studien zufolge bilden Frauen in Führungspositionen immer noch eine Ausnahme. Kaum ein Thema wird daher in der Geschäftswelt so heiß diskutiert wie die Frauenquote, ohne dass sich wirkliche Verbesserungen bemerken ließen. Laut einer aktuellen OECD-Studie wurden seit 2012 nur geringe Fortschritte hinsichtlich des Anteils von weiblichen Führungskräften erzielt. Die Zahl stagniert in Deutschland weiterhin bei 11,7 Prozent.

2016 wurde deshalb die Bundesregierung aktiv und legte eine gesetzliche Regelung der Frauenquote fest. Diese besagt, dass 101 börsennotierte, voll mitbestimmungsfähige Firmen verpflichtet sind, bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat dafür Sorge zu tragen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Doch aktuellen Zahlen zufolge ist 2017 der Anteil an weiblichen Führungskräften nur minimal gestiegen. Während Anfang 2016 der Frauenanteil bei 6,5 Prozent lag, konnte im Januar 2018 eine Quote von 7,3 Prozent festgestellt werden. Überträgt man diese Zahlen auf reale Verhältnisse zeigt sich, dass in den Vorständen deutscher börsennotierter Unternehmen durchschnittlich eine Frau auf dreizehn Männer kommt.

Dieser ernüchternde Stand ist umso verwunderlicher, wenn man bedenkt, dass ein erhöhter Anteil von Frauen in Führungspositionen nachweislich positive Effekte hat. Wissenschaftler der Norwegian Business School kommen in einer Untersuchung von 2.900 Führungskräften hinsichtlich Stressresistenz, Initiative, Innovationen, Team-Unterstützung und Zielerreichung zu dem Schluss: Frauen sind die besseren Chefs. Wo liegen also die Ursachen für diese ungleiche Verteilung? Größtenteils in der Familienplanung. Der schwierige Spagat zwischen einem anspruchsvollen Beruf und der Erfüllung des Kinderwunsches wird für viele Frauen problematisch.

Karriere und Familie – für Frauen immer noch unvereinbar?

Studien belegen, dass die Geburt eines Kindes die Karriere der Mutter häufig stark beeinträchtigt. Von den wenigen Chefinnen, die es gibt, sind 72 Prozent kinderlos. Auch haben weibliche Führungskräfte so selten Kinder unter drei Jahren, dass diese Gruppe statistisch gar nicht erfasst werden kann. Das Problem ist, dass die Mutter für die Geburt und die Elternzeit ihre Tätigkeit unterbrechen muss und dann nur hoffen kann, dass sie ihren vorherigen Arbeitsplatz zurückerhält bzw. eine neue Stelle für sie geschaffen wird. Umso länger die Auszeit ist, desto gefährlicher wird es für die Karriere.

Natürlich haben auch Männer die Möglichkeit, Elternzeit zu nehmen und sich um die Betreuung des Kindes zu kümmern. 2007 wurde das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) eingeführt, das unter anderem den Anspruch auf Elternzeit regelt. Gemäß dem Gesetz können sich sowohl Mütter als auch Väter von der Arbeit freistellen lassen, um sich bei rund zwei Dritteln des vorherigen Nettoeinkommens der Betreuung des Nachwuchses zu widmen.

Doch von dieser Chance machen nicht einmal die Hälfte der Männer Gebrauch – und selbst dann meist nur im kleinstmöglichen Umfang, um die finanziellen Einbußen gering zu halten. Schließlich verdienen Männer im Schnitt nach wie vor mehr als Frauen. Wenn der schlechter verdienende Partner Elternzeit nimmt, bedeutet dies geringere Einschnitte beim Haushaltseinkommen. Dementsprechend herrscht also hier noch kein Gleichgewicht und alte Rollenbilder bestehen weiterhin.

Dass die Familiengründung heute oft ausgerechnet in einer Lebensphase stattfindet, wo auch im Job die Weichen gestellt werden, macht es jungen Eltern nicht leichter. Es zeigt sich nämlich, dass die Zeit des Kinderkriegens zumeist genau in den Zeitraum fällt, in dem Unternehmen ihre High Potentials identifizieren – zwischen 30 und 38. Da das parallele Vorantreiben zweier Laufbahnen für viele nicht machbar ist, steckt die Frau oft für die Familie zurück und muss so ihre Karrierepläne aufgeben.

Wenn Frauen scheuen, ihren Arbeitgeber über die Schwangerschaft zu informieren

Gut ausgebildete Frauen, die erfolgreich im Beruf stehen, haben vielfach Scheu, ihren Vorgesetzen über die geplante oder außerplanmäßige Schwangerschaft zu informieren. Diese Zurückhaltung kommt nicht von ungefähr. Einige Frauen machen die unerfreuliche Erfahrung, dass sie nach der Mitteilung ihrer Schwangerschaft keine herausfordernden und eigenständigen Projekte mehr zugeteilt bekommen. Aufgaben werden schon während der Anwesenheit umverteilt und die Geschäftsführung strukturiert neu. Eine Handhabe für Gegenmaßnahmen fehlt den Frauen meist, denn der Verdacht, dass sie womöglich nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren werden, lässt sich nur schwer vollständig ausräumen. Die Geburt eines Kindes birgt immer ein Risiko für die Gesundheit von Frau und Baby. Unvorhergesehene Ereignisse können letztlich dazu führen, dass eine Mutter wider Erwarten und Wunsch ihren Job nicht wieder wie zuvor übernehmen kann.

Wie gestaltet sich die Rückkehr einer Mutter in den Beruf?

Im Idealfall wird der Arbeitsplatz einer werdenden Mutter komplett frei gehalten, bis sie ihre Tätigkeit wieder aufnimmt. Falls die Versorgung des Kindes geregelt ist, sind das beste Voraussetzungen für die Frau, um wieder voll in das Berufsleben einzusteigen. Im Regelfall besetzt der Arbeitgeber jedoch den frei werdenden Job durch einen vorübergehenden oder dauerhaften Nachfolger. Einige Unternehmen nutzen die Situation, um eine Stelle komplett zu streichen und überhaupt nicht neu zu vergeben. Der Verzicht oder die Kürzung der Elternzeit ist aber für zahlreiche Frauen keine Option. Oft sind es auch die Arbeitgeber selbst, die dazu raten, die volle Zeit der Abwesenheit für die Betreuung des Kindes auszunutzen. Hier müssen Mütter, die frühzeitig wieder arbeiten möchten, standhaft bleiben und auf ihrem Rückkehrwunsch bestehen.

Ist der Arbeitsplatz nach der Rückkehr nicht länger vorhanden, ist der Arbeitgeber in der Pflicht, einen vergleichbaren Posten anzubieten. Einige Frauen sind mit dieser Lösung einverstanden und kommen mit neuen Kollegen und Aufgaben gut zurecht. Andere Mütter fühlen sich bevormundet oder benachteiligt. Schwierig ist die Überbrückung einer Abwesenheit in kleinen Unternehmen. Wer hingegen in einem großen Konzern arbeitet, kommt vielleicht in den Genuss einer betrieblichen Kinderbetreuung. Firmen, die sich einen solchen Service für Mütter leisten können, bereiten kaum Probleme bei der Rückkehr in den früheren Beruf. Der Betrieb wirkt in diesem Fall positiv auf die Belange und Bedürfnisse von Familie und Arbeitnehmerin ein.

Wo die Wiederaufnahme der Beschäftigung nach der Schwangerschaft problemlos gelungen ist, sind die Spannungsfelder immer noch nicht erschöpft. Kinder werden schließlich gelegentlich krank und benötigen besondere Fürsorge und Pflege. Auch wenn ein Krippenplatz oder eine entsprechende Beaufsichtigung gewährleistet ist, werden im Zweifels- oder Notfall die Mütter gebraucht. Ausfälle am Arbeitsplatz, insbesondere kurzfristige, sind demnach unvermeidlich.

Allerdings bringen immer noch zu wenig Unternehmen Verständnis für die schwierige Situation der Mütter auf. Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben stehen Betriebe in der Pflicht, solche Vorfälle nicht zu problematisieren und der Mutter die Möglichkeit einzuräumen, sich ausreichend um ihr Kind kümmern zu können. Es wäre auch im Interesse der Unternehmen, ein Arbeitsklima zu schaffen, wo Eltern ohne schlechtes Gewissen arbeiten und dennoch für ihre Kinder da sein können.

Der schwierige Spagat zwischen Karriere und dem Dasein als Mutter

Möglichkeiten für die (Wieder-)Aufnahme einer Karriere nach der Geburt eines Kindes sind vielschichtig, hängen allerdings stark davon ab, welchen Raum der Arbeitgeber dafür schafft. Neben der Rückkehr in den vorherigen Job, in vielen Fällen zunächst in Teilzeit, bieten sich neue Optionen wie die Selbstständigkeit, mit der Mütter vor allem von zu Hause aus tätig werden können. Allerdings funktioniert nicht jedes Rückkehr-Modell in jedem Berufsfeld: Heimarbeit schließt sich in Jobs wie Ärztin, Lehrerin oder Köchin nahezu aus. Die physische und psychische Belastung ist außerdem für arbeitende Mütter meistens sehr hoch. Sie befürchten weder dem Kind noch dem Arbeitsleben voll gerecht werden zu können.

Viele karriereinteressierte Frauen schieben den Kinderwunsch auch erst mal auf, um sich ganz dem Beruf widmen zu können. Statistiken bestätigen, dass der aktuelle Trend tatsächlich zur späten Mutterschaft geht: Die Geburtenrate der 35- bis 39-Jährigen nimmt seit einigen Jahren deutlich zu. Denn wer erst mit der Familiengründung beginnt, wenn die Karriere schon ins Rollen gekommen und damit das Einkommen höher ist, hat es oft leichter. Bei einer gutbezahlten Managerin fällt zum Beispiel eine private Kinderbetreuung finanziell weniger stark ins Gewicht. Auch der Verdienstausfall in einem Teilzeitmodell lässt sich leichter verkraften als bei Arbeitnehmerinnen am Existenzminimum, was für Wohlhabende natürlich den erneuten Berufseinstieg nach dem Mutterschutz erleichtert.

Der Nachteil dabei ist, dass mit zunehmendem Alter die gesundheitlichen Risiken einer Schwangerschaft steigen bzw. es mit der Erfüllung des Kinderwunschs dann schlimmstenfalls gar nicht mehr klappt. Einige Frauen beginnen deshalb mit der Familienplanung auch schon während des Studiums. Allerdings sind diverse Praktika, mögliche Auslandssemester und wenig Geld auch keine idealen Voraussetzungen, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen.

Welche Prioritäten Frauen auch setzen: Nach wie vor haben viele das Gefühl, sich zwischen Familiengründung und Karriere entscheiden zu müssen. Während es bei der Vereinbarkeit dieser beiden Lebensziele in Deutschland noch viel Verbesserungspotenzial gibt, gelten die skandinavischen Länder, insbesondere Schweden, als Vorzeigemodell in Sachen Familienpolitik. Gerade die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein wichtiges Anliegen der schwedischen Politik – hier hat Deutschland noch eine Menge Nachholbedarf.

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Quellen:

Arbeitsrechte.de
Experteer.de
Karriere.de
Spiegel Online