News

Arbeiten in der Rente: Die einen müssen, den anderen bringt's einfach nur Spaß

Wenn das Geld nicht reicht

Er gibt sicherlich unterschiedliche Gründe, warum Menschen auch nach dem Eintritt in die wohlverdiente Rente noch erwerbstätig sind.
Für viele aber gilt schon jetzt: Wer im Berufsleben steht, kann mit der Sorglos-Rente nicht mehr rechnen. Steigende Kosten, Phasen von Arbeitslosigkeit oder Weiterbildung und auch die neuen Regelungen zu Unterhalt, Rente und privater Vorsorge tragen dazu bei, dass schon jetzt immer mehr Rentner aus finanziellen Gründen arbeiten müssen. Die Altersvorsorge ist in Deutschland zu einem echten Sorgenkind geworden.

Kaum einer nimmt zur Kenntnis, dass auch die Verwitwung ein zusätzliches Armutsrisiko für viele Frauen darstellt. Wer als Ehefrau nur Teilzeit gearbeitet hat und mit längeren Erwerbsunterbrechungen aufgrund von Kindererziehung/Pflege Angehöriger nur wenig für die eigene Vorsorge leistete, steht mitunter nach dem Tod des Ehepartners nach 2 Jahren ohne Hinterbliebenenrente da. Wer nicht geerbt hat, kann im letzten Drittel seines Lebens durchaus von Existenzsorgen betroffen sein, die auf diese Art vorher nicht bekannt waren. So beträgt die Durchschnittsrente einer Bundesbürgerin zurzeit 583 €, wahrlich kein Betrag von dem sich leben lässt. Auch in der privaten Altersvorsorge wird – gerade von Frauen – sehr verhalten und viel zu spät Geld angelegt. Zudem scheinen die Rentenversicherungen nicht wirklich zu einer guten Informationslage beizutragen, sind doch die vorläufigen Rentenbescheide nicht für jedermann verständlich. Die Einführung der Riesterrente und andere private Rentenpakete haben auch dazu geführt, dass viele Versicherungen und Banken ganz schnöde einfach Geld verdienen wollen mit ihren Produkten und der Verbraucher ratlos bleibt. Denn wer beschäftigt sich schon ausführlich mit der Klärung der verschiedenen Beitrags- und Anlagearten sowie des eigenen Rentenkontos, wenn die Not weit weg scheint?

Wenn das günstige Ausland lockt

Wer den Gang zum Sozialamt für das Aufbessern der Rente auf ein Existenzminimum scheut, muss erfinderisch werden. Immer mehr deutsche Rentner entscheiden sich darum ihren Lebensabend in Ländern mit geringeren Lebenshaltungskosten zu verbringen. Eigens für diesen Zweck haben sich Vermittlungsagenturen gegründet, die das Auswandern in sogenannte Schwellenländer organisieren oder Seniorenresidenzen gar selbst vor Ort betreiben. Während es in den 70er Jahren noch Ziele wie Mallorca, die Toskana oder Kanarische Inseln waren, sind es nun Thailand und Ungarn, welche aktuell bei deutschen auswanderungswilligen Pensionären hoch im Kurs stehen.

Wenn´s langweilig wird

Sind finanzielle Gründe weniger maßgeblich für eine Beschäftigung im Alter, dann werden Argumente angeführt, die mit Selbstverwirklichung und Sich-Nützlich-Machen-Wollen im Einklang stehen. Diese Rentner wollen einfach weiter aktiv bleiben und sich einbringen, ihr Wissen teilen und Jüngere unterstützen. Das freiwillige Ehrenamt ist eine Möglichkeit sich im Alter zu engagieren und wird von Krankenhäusern, Kindergärten oder anderen gemeinnützigen Organisationen gern in Anspruch genommen. Ob Leihoma oder-opa, Nachhilfe nach der Schule oder die historische Stadtführung, den Einsatzgebieten sind wenig Grenzen gesetzt.
Aber auch vergütete Tätigkeiten sind immer gefragter. Oft werden sogenannte Mini-Jobs gewählt, wobei die über 65-Jährigen keine Einschnitte zu erwarten haben, denn die Zuverdienstgrenzen greifen beim Erreichen des Regeleintrittsalters nicht mehr. Aber Achtung: Ein Zuverdienst von mehr als 450 € (schon ab einem Plus von 1 Cent) kann die Rentenbezüge bei unter 65-Jährigen um ein Drittel verringern und dann bleibt am Ende weniger als ohne Mini-Job. Es gilt also gut informiert zu sein, damit unangenehme Überraschungen ausbleiben.

Wenn der Chef die Reserve ruft

Ein weiterer Punkt stellt der vielzitierte Fachkräftemangel dar, welcher bei einigen Firmen Planungssicherheit unmöglich macht und ganze Branchen zwingt kreativ umzudenken. So geschehen bei dem Unternehmen Bosch. Dr. Alfred Odendahl - ebenfalls in Rente – geht mit gutem Vorbild voran und baute die Bosch Management Support GmbH (ein Pool für Ingenieure) auf, die aus Bosch-Rentnern im Alter von 63-70 Jahren besteht, welche zeitlich befristet in weltweiten Projekten zum Einsatz kommen. In Deutschland gehen jährlich geschätzt 20.000 Ingenieure dem innländischen Arbeitsmarkt altersbedingt verloren und der Nachwuchs, der diese Lücke füllen soll, ist noch nicht in Sicht. Hier und in vielen anderen Branchen besteht ein klarer Handlungsbedarf. In diesem Fall haben Firmen eindeutig ein Interesse daran die erfahrenen Spezialisten nicht mit dem Renteneintritt zu verlieren. Die Erfahrungen sind so positiv, dass die Bosch-Initiative Schule machen könnte. Einen Senior-Experten im Team zu haben ist aus vielen Gründen sinnvoll, wirklich überraschend ist allerdings die Erfahrung, dass teaminterne Machtkämpfe zugunsten einer klaren Problemlösungskompetenz in den Hintergrund rücken. Während sich Festangestellte noch mit den Fehlern von Kollegen beschäftigen und aufhalten, sind die Senior-Experten weniger an Schuldzuweisungen interessiert. Sie müssen sich im Berufsalltag ganz einfach nicht mehr beweisen und für die nächste Beförderung „ins gute Licht“ rücken.

Weiterführende Infos zum Thema:

Altersteilzeit – Glücklich in Frührente oder nur den Gürtel enger schnallen?

Älter werden im Job: Von Vorurteilen und Mythen