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Bewerbungsabsage: So habe ich den tatsächlichen Grund herausbekommen

Bewerbungsabsage: So habe ich den tatsächlichen Grund herausbekommen

Ein Erfahrungsbericht

Mein Name ist Nicole und meine Erfahrungen mit Bewerbungen kennt Ihr sicher: Man schreibt Bewerbungen, gibt sich Mühe und wird dann mit einem Standard-Schreiben abgelehnt. Ein Grund für die Absage wird nicht genannt, aber genau das wollte ich mir nicht mehr gefallen lassen. Ich habe den Grund herausbekommen, allerdings zog mich das Feedback erst einmal runter.

Warum bekam ich eine Absage?

Ich war auf der Suche nach einer Stelle als Social Media Managerin. In meine Bewerbungen habe ich richtig viel Zeit gesteckt und keine 08/15-Bewerbung abgeschickt. Ich stellte mich online vor und hatte dafür extra ein eigenes Blog errichtet. Trotz dieser Mühe und obwohl sich die Personaler anhand der Blog-Artikel ein Bild von meinem Wissen machen konnten, erhielt ich eine Absage nach der anderen. Echtes Feedback bekam ich mit keiner Absage. Es waren immer die gleichen Standard-Schreiben, mit den üblichen Floskeln. Wenn mir niemand den Grund für die Absage nennt und mir noch nicht einmal die Chance gegeben wird, mich persönlich vorzustellen, habe ich auch keine Möglichkeit etwas zu ändern. Ich tappte im Dunkeln und wusste nicht, was an meiner Bewerbung falsch war.

Persönlich nachhaken ist immer besser...

Ich wollte unbedingt herausfinden, was der Grund für die Absagen war. Zuerst rief ich in den Firmen an und wollte den Personaler sprechen. Entweder stellte man mich gar nicht erst durch oder der Personaler gab mir lediglich die Antwort, sie hätten sich für einen anderen Bewerber entschieden, da sein Profil besser zur Stelle passte. Schlauer bin ich durch die Anrufe und Nachfragen nicht geworden. Nachdem ich wieder eine Absage bekam und erneut kein Grund genannt wurde, versuchte ich einen anderen Weg, um Feedback zu bekommen. Ich stellte im Internet Recherchen an und fand den Personaler bei XING. Anhand des Profilfotos wusste ich nun, wie der Mann aussah, der Standard-Absagen verschickte. Dann recherchierte ich die Öffnungszeiten der Firma und machte mich am nächsten Tag auf den Weg zum Unternehmen.

Vor Arbeitsbeginn stand ich auf dem Firmenparkplatz und schaute mir die Gesichter der ankommenden Mitarbeiter an. Als ich den betreffenden Personaler erblickte, stieg ich aus, begrüßte ihn freundlich und stellte mich vor.

Peinlichkeit auf beiden Seiten

Der Personalchef war natürlich überrascht und als ich ihn ganz direkt um Feedback bat, war er doch etwas peinlich berührt. Er wusste, wer ich war und konnte sich auch an meine Bewerbung erinnern. Er druckste etwas herum und als er merkte, dass ich nicht lockerlassen werde, nannte er mir den Grund für die Absage: „Sie sind zu alt“. Jetzt war auch ich peinlich berührt, denn ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit. Zu alt? Mit 35 Jahren? Ich konnte es kaum glauben, denn ich konnte Berufserfahrungen und einen Studiumabschluss vorweisen. Ich habe Medien- und Kommunikationsmanagement studiert und bin in der Medienbranche tätig. Der Grund für meinen Arbeitsplatzwechsel ist ein Umzug, der nun immer näher rückte.

Ich wollte den Grund unbedingt wissen und jetzt wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte. Wenn ich mit 35 Jahren bereits zu alt für diesen Job bin, kann ich mir jegliche Bewerbungen sparen. Ich war wütend und in meinem Kopf formten sich Gedanken über das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Ich könnte den Personalchef wegen Diskriminierung anzeigen. Dazu müsste ich aber Beweise bringen, dass ich aufgrund des Alters abgelehnt wurde. Ganz ehrlich? Selbst wenn ich das beweisen könnte, wollte ich dafür keine Energie verschwenden. Eine neue Strategie musste her, damit ich bei den nächsten Bewerbungen zumindest die Chance auf ein Vorstellungsgespräch bekomme.

Mut zur Lücke

Eigentlich gehört das Weglassen von Foto und Altersangabe zu den Patzern, die man sich bei Bewerbungen nicht erlauben sollte. Aber, eigentlich sollte auch kein Bewerber aufgrund seines Alters, seiner Hautfarbe oder ähnlichem eine Absage bekommen. Da die Personaler die Regeln nicht beachten, sah ich mich auch nicht mehr gezwungen, die üblichen Bewerbungsregeln einzuhalten. Mutig war das oder auch dumm oder naiv –egal wie Ihr das nennen wollt: Ich musste mir etwas einfallen lassen.

Zu meinen Bewerbungsunterlagen gehörte dann ein Video, das eine Infografik in Form eines Puzzles von meinem Werdegang, den Qualifikationen und anderen für den Beruf relevanten Informationen zeigte. Ganz zum Schluss erschien der freundliche Hinweis: In meinem Beruf sind persönliche Beziehungen das A und O. Deshalb lege ich Wert darauf, mich persönlich vorstellen zu können und Ihnen auf diese Weise das fehlende Puzzleteil zu liefern.

Es war eine gewagte Bewerbungsstrategie und ich bekam weitere Standard-Absagen. Aber ein Unternehmen war neugierig und wollte das Puzzle vollständig sehen. Diesmal hatte sich die Zeit und Mühe für diese Bewerbung gelohnt und ich bekam den Job. Meinem Chef gefiel es, dass ich eine ein wenig freche und andersartige Bewerbung einreichte. Für ihn war das ein Zeichen für Kreativität und Ideenreichtum – zwei Faktoren, die in meinem Beruf von Bedeutung sind.

Dass mein Bewerbungsweg nun empfehlenswert und nachahmenswert ist, möchte ich nicht behaupten. Alles fing damit an, dass ich den Grund für die Absagen herausfinden wollte und herausfand. Wären fehlende Qualifikationen der Grund gewesen, hätte ich daran etwas ändern können. An meinem Alter kann ich nichts ändern und deshalb musste ich mir etwas Neues einfallen lassen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Personalentscheider ihre eigenen Vorurteile Zuhause lassen würden, statt sie bei der Auswahl der Kandidaten ins Spiel zu bringen. Zudem sollten Bewerber den Grund für Absagen erfahren, statt die Kandidaten im Dunkeln tappen zu lassen. Wer Ehrlichkeit und Offenheit fordert, sollte mit bestem Beispiel vorangehen.