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Datenschutz und Privatsphäre: Was Chef darf und was nicht

Es ist allgemein bekannt, dass immer mehr Unternehmen und besonders Mitarbeiter der Personalabteilung ihre Bewerber im Internet suchenund sich so versuchen, ein Bild über sie zu machen. Doch selbst wenn sie dabei fündig werden und Fotos vom letzten alkoholreichen Urlaub finden: Es ist nicht erlaubt, einen Bewerber deswegen abzulehnen! Stellt sich jedoch die Frage, wie ein solcher Ablehnungsgrund von Seiten des Abgewiesenen nachgewiesen werden soll.

Auch Informationen über den Interessenten, die nicht im direkten Zusammenhang mit der neuen Firma oder dem Beruf stehen, dürfen nicht ausgewertet oder gar gespeichert werden.

Überprüft werden darf hingegen der Lebenslauf auf seine Richtigkeit. Allerdings nur mit Zustimmung des Besitzers. Studien hierzu haben ergeben, dass gut ein Fünftel der Bewerber, die mit der Bitte um Überprüfung konfrontiert wurden ihre Bewerbung zurückgezogen haben. Teils, weil sie Angst hatten, dass ihnen Betrug nachgewiesen wird und teils, weil sie in einem Unternehmen, welches seine Mitarbeiter kontrolliert und überprüft gar nicht erst arbeiten möchten.

Und nach der Einstellung des neuen Mitarbeiters?

Wichtige Daten dürfen gespeichert werden, beispielsweise Informationen über Konfession, Familienstand bzw. Anzahl der Kinder sowie Berufsausbildung. Allerdings darf kein Buch über gesundheitsbedingte Abwesenheitszeiten geführt werden. Dem Arbeitgeber ist es untersagt, genau zu dokumentieren, wann der Mitarbeiter welche Krankheit hatte und wie lang sie ihn außer Gefecht gesetzt hat. Generell darf nichts gespeichert werden, was in die Kategorie der sensiblen Daten fällt. Dazu zählt auch die politische oder sexuelle Gesinnung oder eine eventuelle Gewerkschaftszugehörigkeit.

In Bezug auf Krankheit liegt der Fall jedoch anders, wenn diese so lang andauert, dass die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall greifen würde. Die Länge der Krankheit darf hier dokumentiert werden. Wenn zudem absehbar ist, dass sich auf Dauer keine Besserung einstellen wird, ist zudem eine Kündigung möglich.

Was das lesen und mithören bei E-Mails und Telefonaten angeht, so gibt es hier Unterschiede. Berufliche E-Mails dürfen gelesen werden. Private jedoch nicht. Hier empfiehlt sich das Nutzen eines eigenen Accounts, vorausgesetzt, die private Internetnutzung ist erlaubt. Telefonate dürfen nicht mitgehört werden, aber es darf anhand der Abrechnungen überprüft werden, ob permanent private Telefonate während der Arbeitszeit geführt werden.

Was die Installation einer Kamera angeht, so ist dies nicht erlaubt, wenn sie der reinen Kontrolle der Mitarbeiter dient oder als Mittel zur Vorbeugung von Straftaten eingesetzt wird. Erst wenn es einen konkreten Verdacht gibt, der jedoch nicht bewiesen werden kann, ist der Einsatz einer Kamera gestattet. Aber nur so lange, bis der Fall aufgeklärt wurde. Anders sieht das aus, wenn das Arbeitsumfeld an sich bereits „gefährdet“ ist, wie in einem Warenhaus oder einem Juwelierladen. Hier darf das Material allerdings ebenfalls nur zur Auswertung genutzt werden.

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