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Die Berufseinstieg Serie: Das Praktikum

Die Berufseinstieg Serie: Das Praktikum

Mit einem Praktikum bekommt man einen ersten Eindruck von einem Beruf und dem Arbeitsalltag. Es bietet sich an, um Praxiserfahrungen zu sammeln und seine theoretischen Kenntnisse praktisch anzuwenden. Es gibt verschiedene Praktika, die wir hier vorstellen. Zudem wird die Bezahlung eines Praktikums unterschiedlich geregelt. Erfahre ebenso, wann ein Praktikum sinnvoll ist und wann eher nicht.

Verschiedene Praktika-Arten

Manche Praktika sind für die Berufsorientierung gedacht und andere müssen absolviert werden, um praktische Erfahrungen zu erlangen:

Schnupperpraktikum

Die Bezeichnung dieses Praktikums sagt schon aus, worum es geht: Man schnuppert ein paar Tage lang in einen Beruf hinein. Meistens wird diese Möglichkeit von Schülern während der Ferienzeit genutzt, um sich eine Vorstellung davon zu machen, ob der Wunschberuf tatsächlich den eigenen Fähigkeiten und Wünschen entspricht.

Schülerpraktikum

Das Schülerpraktikum dient der Berufsorientierung und wird meistens von Schülern der achten bis elften Klasse absolviert. Das Praktikum dauert zwischen zwei und drei Wochen und muss von allen Schülern durchgeführt werden. Es ist also kein freiwilliges Praktikum. In dieser Zeit findet kein Unterricht statt und die Schüler arbeiten in der Firma ihrer Wahl. Der Praktikumsplatz wird vom Schüler gesucht.

Freiwilliges Praktikum

Beim freiwilligen Praktikum geht es darum, Berufserfahrungen zu sammeln. Oft wird dieses Praktikum während der Ferien von Schülern oder Studenten absolviert. Andere nutzen diese Option zur Überbrückung eines Zeitraumes. Zum Beispiel lässt sich damit die Zeit zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn oder Beginn des Studiums sinnvoll nutzen. Auch während der Arbeitslosigkeit kann ein freiwilliges Praktikum absolviert werden, um neue Berufserfahrungen zu sammeln und dies bei den Bewerbungen mit anzugeben. Die Dauer des freiwilligen Praktikums ist unterschiedlich. Manche absolvieren ein solches Praktikum einige Wochen und andere ein komplettes Jahr.

Pflichtpraktikum

Ein Pflichtpraktikum ist Teil einiger Studienfächer und findet entweder während des Studiums oder vorher statt. Die Prüfungs- und Studienverordnung gibt dabei die Dauer und den Inhalt des Praktikums vor. Studierende sollen mit diesem Praktikum ihre theoretischen Kenntnisse in der Praxis umsetzen und vertiefen.

Vorpraktikum

Das Vorpraktikum ist das Pflichtpraktikum, das vor dem Beginn des Studiums absolviert werden muss. Ohne dieses Praktikum können die Studiengänge nicht angefangen werden, bei denen ein Vorpraktikum Pflicht ist. In der Regel dauert das Vorpraktikum einige Wochen. Die genaue Dauer hängt von den Vorschriften der Verordnung ab.

Anerkennungspraktikum

Mit dem Anerkennungspraktikum erhalten Studenten für ihr Studium die staatliche Anerkennung. Häufig ist das für Studenten eine Pflicht, die Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik studieren. Dieses Praktikum findet nach dem Studium statt.

Fachpraktikum

Das Fachpraktikum ist meistens verpflichtend und Teil von dualen Ausbildungen oder eines Studiums. Die Ausbildungs- oder Studienordnung schreibt dieses Pflichtpraktikum vor und prüft, ob es zum Inhalt der Ausbildung beziehungsweise zum Studienfach passt. Die Hochschule schreibt ebenfalls vor, wie lange und wann das Praktikum stattfindet.

Praktikum nach Studium

Viele Absolventen nutzen ein freiwilliges Praktikum nach dem Studium, um in das Berufsleben einzusteigen oder Berufserfahrungen zu sammeln. Andere möchten damit für sich feststellen, welche berufliche Richtung sie einschlagen wollen. Generell sollten maximal zwei Praktika absolviert werden, um nicht von einem Praktikum ins nächste zu geraten.

Bezahlung des Praktikums

Nicht jedes Praktikum wird vergütet. Ob Praktikanten eine Vergütung erhalten, hängt unter anderem von der Praktikumsart ab. Bei einem freiwilligen Praktikum gilt der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, wenn die Praktikanten mehr als drei Monate im Unternehmen beschäftigt sind. Das heißt, in dem Fall sind die freiwilligen Praktikanten vom Gesetz her Arbeitnehmer und somit steht ihnen der Mindestlohn zu.

Anders sieht es aus, wenn:

  • das Praktikum keine drei Monate dauert und
  • der Orientierung für die Wahl des Berufes oder des Studiums dient oder
  • zum Studien begleitend durchgeführt wird.

In diesen Fällen muss der Praktikant keine Vergütung in Höhe des Mindestlohns erhalten. Das gilt auch für ein Praktikum während eines dualen Studiums.

Beim Pflichtpraktikum besteht generell kein Anspruch auf eine Vergütung und somit auch nicht auf den gesetzlichen Mindestlohn. Der Grund dafür hängt damit zusammen, dass ein Pflichtpraktikum in erster Linie dazu dient, praktische Erfahrungen und Kenntnisse zu erlangen. Ob der Praktikant eine Vergütung erhält, entscheidet das Unternehmen. Die Firma kann freiwillig eine Vergütung zahlen, die sich auf ungefähr 400 Euro bis 1.200 Euro monatlich beläuft.

Es liegt also im Ermessen der Firma, ob sie Pflichtpraktikanten bezahlt oder nicht. Wenn eine Vergütung gezahlt wird, hängt die Höhe von der Firmengröße, dem Studienfach, der Qualifikationen des Praktikanten und von der Dauer ab. Auch der Sitz des Unternehmens entscheidet über die Vergütungshöhe. Firmen in Städten zahlen in der Regel mehr, als ein Unternehmen auf dem Land.

Arbeitszeit- und Pausenregelung

Wie lange ein Praktikant täglich arbeiten muss, hängt von der betrieblich geregelten Arbeitszeit ab. Dabei muss aber das Arbeitszeitgesetz beachtet werden. Dies sagt aus, dass maximal acht Stunden pro Tag gearbeitet werden dürfen. Wurden im Durchschnitt acht Stunden pro Werktag innerhalb 24 Wochen oder sechs Kalendermonaten eingehalten, darf die Arbeitszeit auch einmal auf zehn Stunden verlängert werden. In der Regel wird an Feiertagen und Sonntagen nicht gearbeitet. Von dieser Regelung schließt das Arbeitszeitgesetz einige Arbeitsfelder aus: Rundfunk, Sportpresse, Tagespresse, Nachrichtenagenturen und weitere Tätigkeiten zwecks Presseerzeugnissen der Tagesaktualität.

Bei Praktikanten, die nicht volljährig sind, gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz:

„(1) Jugendliche dürfen nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden.

(2) Wenn in Verbindung mit Feiertagen an Werktagen nicht gearbeitet wird, damit die Beschäftigten eine längere zusammenhängende Freizeit haben, so darf die ausfallende Arbeitszeit auf die Werktage von fünf zusammenhängenden, die Ausfalltage einschließenden Wochen nur dergestalt verteilt werden, dass die Wochenarbeitszeit im Durchschnitt dieser fünf Wochen 40 Stunden nicht überschreitet. Die tägliche Arbeitszeit darf hierbei achteinhalb Stunden nicht überschreiten.
Jugendliche dürfen nur an fünf Tagen in der Woche beschäftigt werden. Die beiden wöchentlichen Ruhetage sollen nach Möglichkeit aufeinander folgen.“

Ruhepausenregelung

Das Arbeitszeitgesetz regelt ebenfalls die Ruhepausen, die eingehalten werden müssen und auch für Praktikanten gelten:

  • Bei sechs bis neun Stunden Arbeitszeit müssen Arbeitnehmer die Möglichkeit erhalten, dreißig Minuten Ruhepause einzulegen
  • Bei einer Arbeitszeit von über neun Stunden gilt eine gesamte Ruhepause von 45 Minuten

Die Pausen müssen nicht an einem Stück einhalten werden, sondern können in Pausen von je fünfzehn Minuten eingeteilt werden. Arbeitnehmer und Praktikanten dürfen nicht länger als sechs Stunden ohne Pause arbeiten.

Für Praktikanten unter achtzehn Jahren greift wieder das Jugendarbeitsschutzgesetz:

„ (1) Jugendlichen müssen im Voraus feststehende Ruhepausen von angemessener Dauer gewährt werden. Die Ruhepausen müssen mindestens betragen
30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als viereinhalb bis zu sechs Stunden,
60 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden.
Als Ruhepause gilt nur eine Arbeitsunterbrechung von mindestens 15 Minuten.

(2) Die Ruhepausen müssen in angemessener zeitlicher Lage gewährt werden, frühestens eine Stunde nach Beginn und spätestens eine Stunde vor Ende der Arbeitszeit. Länger als viereinhalb Stunden hintereinander dürfen Jugendliche nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden.

(3) Der Aufenthalt während der Ruhepausen in Arbeitsräumen darf den Jugendlichen nur gestattet werden, wenn die Arbeit in diesen Räumen während dieser Zeit eingestellt ist und auch sonst die notwendige Erholung nicht beeinträchtigt wird.“

Wann ist ein Praktikum sinnvoll und wann nicht?

Für Schüler ist ein Praktikum sinnvoll, da ihnen dadurch die Wahl des Berufes oder Studiums leichter fallen kann. Auch um erste Berufserfahrungen zu sammeln oder seine theoretischen Kenntnisse zu vertiefen und umzusetzen, bietet sich ein Praktikum an. Wer mit Praktika eine Zeit überbrücken möchte, sollte darauf achten, dass das Praktikum zum Ausbildungsberuf oder zum Studium passt.
Wer nach dem Studium ein Praktikum absolvieren möchte oder muss, sollte schon bei der Bewerbung um einen Praktikumsplatz nach der Vergütung fragen. Es werden immer noch zu viele Praktikanten ausgebeutet. Einige Unternehmen zahlen für eine qualifizierte Kraft, die als Praktikant beschäftigt wird, keine oder lediglich eine sehr geringe Vergütung. Wer dann bereits laufende Kosten wie Miete, Versicherung und ähnliches zu zahlen hat, sollte solche Praktikumsstellen ablehnen.

Als sinnlos ist ein Praktikum auch dann zu bezeichnen, wenn der Aufgabenbereich lediglich aus Tätigkeiten wie Botengänge, Kaffeekochen oder ähnliches besteht. Praktika sollen der Berufsorientierung oder der Erwerbung von praktischer Berufserfahrung dienen. Der Großteil der Aufgaben sollte also dem Beruf entsprechen, der angestrebt wird.

Weiterführende Infos zum Thema:

Die Berufseinstieg Serie: Der Direkteinstieg

Die Berufseinstieg Serie: Young Professional