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Diebstahl im Job – nie nur ein Kavaliersdelikt

Diebstahl im Job – nie nur ein Kavaliersdelikt

Schnell wandert der Kugelschreiber in die Tasche des Arbeitnehmers oder die Verkäuferin nimmt abgelaufene Nahrungsmittel mit nach Hause – solche Kleinigkeiten sind doch kein Diebstahl, denken viele Beschäftigte. In Wahrheit kann schon beim Klauen eines Kugelschreibers die fristlose Kündigung erfolgen, denn Diebstahl ist niemals nur ein Kavaliersdelikt.

Diebstahl in Deutschlands Unternehmen

Laut Schätzung der KPMG (Internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft AG) kann von einem Schaden durch Diebstahl in den letzten zwei Jahren von etwa sieben Milliarden Euro ausgegangen werden, die Unternehmen in Deutschland mit über fünfzig Beschäftigten betreffen. Experten behaupten, dass es sich bei den Tätern meistens um langjährige Mitarbeiter handelt, die sich mit den Betriebsstrukturen auskennen und denen Vertrauen entgegengebracht wird.

Im Handel kommt Diebstahl sehr häufig vor und dort sind die Dinge für die Beschäftigten interessant, die sich leicht weiterverkaufen lassen. Kleidung, Elektronikartikel und andere Produkte, die dem Unternehmen gehören, werden in die private Tasche gesteckt und in der Freizeit zu Geld gemacht.
Oft ist den Mitarbeitern aber nicht klar, dass sie die Firma bestehlen. So beispielsweise in Lebensmitteldiscountern, wenn Angestellte die abgelaufenen Lebensmittel entsorgen, indem sie diese mit nach Hause nehmen.
Ob abgelaufener Joghurt, Kugelschreiber oder andere Dinge – wer klaut muss mit der Kündigung rechnen. Die fristlose Kündigung kann rechtmäßig für einen Mitarbeiter mit einer Firmenzugehörigkeit von weniger als einem Jahr schon erfolgen, wenn er einen Gegenstand gestohlen hat, der höchstens fünf Euro wert ist.

Wann darf gekündigt, wann muss abgemahnt werden?

Wenn ein Arbeitnehmer den Arbeitgeber bestiehlt, handelt es sich um eine erhebliche Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflicht. Damit hat der Chef einen Grund für eine fristlose Kündigung. Grundsätzlich reicht für eine fristlose Kündigung bereits der Diebstahl eines Wertes von wenigen Euros aus und sogar bei einem Wert von einigen Cents kann dem Arbeitnehmer fristlos gekündigt werden.
Rechtlich stützt sich die fristlose Kündigung auf den Paragrafen 626 des Bürgerlichen Gesetzbuches:

„(1) Das Dienstverhältnis kann von jedem Vertragsteil aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn Tatsachen vorliegen, auf Grund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet werden kann.

(2) Die Kündigung kann nur innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Kündigungsberechtigte von den für die Kündigung maßgebenden Tatsachen Kenntnis erlangt. Der Kündigende muss dem anderen Teil auf Verlangen den Kündigungsgrund unverzüglich schriftlich mitteilen.“

Bis zum Jahre 2010 galt bei den Arbeitsgerichten Deutschlands, dass derjenige fristlos rausfliegt, der geklaut hat. Eine Interessenabwägung fiel somit in den meisten Fällen zugunsten des Chefs aus. Im Juni 2010 wurde der Fall der Kassiererin behandelt, die seit 1977 bei Kaiser´s arbeitete und 2008 die fristlose Kündigung wegen Diebstahls erhielt. Ihr wurde vorgeworfen, zwei Leergutbons eingelöst zu haben und das Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Bons hatten Kunden verloren und der Gesamtwert dieser Leergutbons betrug 1,30 Euro. In diesem Fall gewann die Kassiererin, die auch wieder als Kassiererin in diesem Supermarkt arbeitet (BAG, 2 AZR 541/09).
Bei der Interessenabwägung entschied das Bundesarbeitsgericht, dass es sich in diesem Fall um einen Bagatellschaden handelt. Zudem bestand das Arbeitsverhältnis bereits lange und es gab bis zu diesem Zeitpunkt keine Beanstandungen. Der Diebstahl konnte also für die Kassiererin untypisch und einmalig angesehen werden.

Im Fall der Kassiererin wurde die fristlose Kündigung als unverhältnismäßig bewertet und somit war die Kündigung nicht zulässig. Seit diesem Urteil ist bei einem Diebstahl eine fristlose Kündigung unzulässig und der Arbeitgeber darf lediglich einen Abmahnung erteilen, wenn:

  • es sich um einen Diebstahl im Bagatellbereich handelt;
  • der Arbeitnehmer schon viele Jahre im Unternehmen arbeitet und es bisher keine wesentlichen Beanstandungen gab;
  • man diesen Diebstahl als für den Arbeitnehmer untypischen und einmaligen Ausrutscher ansehen kann.

Vorbeugungsstrategien gegen Diebstahl im Unternehmen

Durch Diebstähle können für das Unternehmen erhebliche wirtschaftliche Schäden entstehen. Außerdem kann der Betriebsablauf gestört oder im schlimmsten Fall lahmgelegt werden, beispielsweise wenn Materialien, Ersatzteile oder Werkzeug gestohlen und erst wieder neu angeschafft werden muss.
Nun könnten Taschenkontrollen Diebstähle verhindern, doch diese Maßnahme würde gleichzeitig zeigen, dass die Führungsetage kein Vertrauen in ihre Mitarbeiter hat. Das ist keine gute Basis für eine gute Arbeitsatmosphäre.
Besser ist die Aufklärung: Den Mitarbeitern muss klar sein, dass der Unternehmenserfolg unter anderem von ihrem Mitwirken abhängt. Die eventuell negativen Konsequenzen durch Diebstahl haben dann alle Beschäftigten mitzutragen, zum Beispiel bei Produktionsausfall oder Kundenunzufriedenheit.

Auf der anderen Seite sollten Firmen dafür sorgen, dass für Langfinger erst gar keine Gelegenheit entsteht. Werkzeuge und anderes Firmeneigentum sollte gekennzeichnet werden. Diese Gegenstände lassen sich nicht weiterverkaufen, wenn die Inventarnummer oder das Firmenlogo aufgedruckt wurde. Eine andere Maßnahme ist das Einschließen von Werkzeugen und ähnlichem, wobei die Gegenstände von einem Vorgesetzten ausgehändigt werden und das nur gegen eine Quittung. Im Lager lässt sich Diebstahl oft nur mittels Videoüberwachung vorbeugen, die dann aber kommuniziert werden sollte.

Eine sehr wirksame Maßnahme ist die Optimierung des Arbeitsklimas. Es ist ein Fakt, dass zufriedene Mitarbeiter dem Unternehmen gegenüber loyal sind. Somit ist die Hemmschwelle größer und zudem achten die Beschäftigten auch aufmerksamer auf Kollegen, die gerne mal etwas mitnehmen würden. Firmen mit zufriedenen Beschäftigten haben seltener mit dem Problem des Diebstahls zu tun.

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