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Führungsqualitäten - ein Praxisbeispiel

Führungsqualitäten - ein Praxisbeispiel

Herr Schäfer beobachtete in der Kantine missgünstig seinen Kollegen Herrn Krust.

Herr Krust war – ähnlich wie Herr Schäfer Abteilungsleiter in der Firma Neidko. Doch im Gegensatz zu ihm selbst, das fiel Herrn Schäfer immer wieder auf, wurde Herr Krust von seinen Mitarbeitern nicht nur gegrüßt, sondern richtig begrüßt. Mit einem Lächeln, das Vertrauen und Zuneigung ausdrückte.
Und seine eigenen Mitarbeiter? Die murmelten ihren Gruß mit gesenktem Blick, vermieden Augenkontakt und ein Lächeln.... nein, Schäfer konnte sich nicht erinnern, jemals eins gesehen zu haben.

Auch schien Kollege Krusts Abteilung deutlich besser zu laufen, als seine. Lag es vielleicht daran, dass Krusts Mitarbeiter zu Dauergrinsern wurden? Kaum. Außerdem war das alles ohnehin nicht zu erklären. Er – Schäfer - war schließlich das geistige Leuchtfeuer der Firma. Er war derjenige, der sein Studium mit Auszeichnung abgeschlossen hatte und für einen Großteil der Innovationen in der Firma verantwortlich war. Er war gut und hatte seine Mitarbeiter sorgfältig nach deren Qualifikationen ausgewählt.
Und Krust? Der führte Vorstellungsgespräche, in denen sogar gelacht wurde, Privates erzählt wurde und schlimmer: Er stellte nicht diejenigen ein, die die besten Abschlüsse hatten... im Gegenteil, es waren immer wieder Personen dabei, die keine oder wenig Erfahrung hatten, nur durchschnittliche Noten vorzuweisen hatten.

Und dennoch... der Erfolg sprach für Krust. Doch was machte diesen Mann so besonders? Warum schaffte er es, seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu führen? Gerade kam Krust an einem Tisch vorbei, an dem eine seiner Mitarbeiterinnen saß. „Na Frau B., wie geht es ihrer Tochter? Ist Steffi wieder fit?“ Die Frau nickt und schenkt ihrem Chef ein strahlendes Lächeln. „Das ist super.“ – „Ja, ich habe den Kopf jetzt für die Präsentation frei. Morgen haben Sie sie.“ Krust nickt und geht weiter, während Schäfer sich noch denkt: „Wen interessiert, was mit ihrer Tochter ist? Sie soll Ergebnisse liefern...“

Was macht einen Menschen zu einer guten Führungskraft? „Führen“ heißt eben nicht, andere wie Vieh anzutreiben und Arbeitsaufträge zu delegieren. Menschlichkeit zeichnet eine gute Führungskraft aus – die Fähigkeit zur Empathie – und das sind nur einige Softskills, die ein „Chef“ mitbringen sollte. Natürlich muss ein Vorgesetzter seine Mitarbeiter auch auf Fehler hinweisen und kritisieren können – doch die Frage ist: Wann, wo und wie? Kritik muss und darf nicht vernichtend sein, sie darf nicht verletzen und muss sachlich bleiben. Wenn Kritik konstruktiv ist und mit Feingefühl vorgetragen wird, kann sie auch motivierend wirken.

Öffentliche und emotionale „Zurechtweisung“ zeigt große Defizite im Führungsverhalten. Wenn ein Vorgesetzter mit einem Mitarbeiter Fehler zu besprechen hat, sollte er dies immer in einem Vier-Augen-Gespräch tun. Davon abgesehen: Nach außen (z.B. vor Kunden) sollte ein Vorgesetzter stets VOR seinen Mitarbeitern stehen und ihnen keinesfalls von hinten in die Beine treten, wenn sie in eine falsche Richtung laufen. Im besten Fall ist eine Führungskraft sowohl eine Pespektsperson, als auch eine Vertrauensperson, vor der man keine Angst hat.

Wer sich auf Führungspositionen bewirbt, der sollte sich deutlich vor Augen führen, dass es nicht mehr seine guten Noten sind, sein exzellentes Studium oder sein enormes Fachwissen sind, die ihn weiterbringen. Natürlich – ohne diese Dinge wäre man vielleicht nie so weit gekommen – aber ab hier sind sie nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal, das zum Erfolg führt. Vielmehr geht es darum, ob man ein Team führen und motivieren kann, sprich: mit Menschen umgehen kann. „Softskills“ ist das Zauberwort, das aus einer Führungskraft eine gute Führungskraft macht.

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