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Gehalt selbst bestimmen – es funktioniert

Gehalt selbst bestimmen – es funktioniert

Dass Angestellte ihr Gehalt selbst bestimmen, ist kein vorzeitiger Aprilscherz. Tatsächlich gibt es einige Arbeitgeber, zu deren Philosophie es zählt, dass die Arbeitnehmer das Gehalt selbst bestimmen. Sehr erfolgreich praktiziert das seit Jahrzehnten ein Tagungshotel in Nürnberg. Der „Schindlerhof“ zählt dennoch bis heute zur Ausnahme. Fünfzig Angestellte, die im Schindlerhof ihr Gehalt selbst bestimmen und weitere zwanzig Auszubildende lesen dem Gast jeden Wunsch förmlich von den Augen ab. Hier gibt es von im Ryokan-Stil eingerichteten Zimmern, eigens für Japan-Fans bis hin zu Betten mit seitlichen Sportfelgen und einer Frontpartie im Smartstil, in der insbesondere Auto-Freaks gerne schlafen, so ziemlich alles. Der Schindlerhof ist überzeugt, die Motivation sei besonders hoch, wenn Angestellte – hier werden sie Mitunternehmer genannt – ihr Gehalt selbst bestimmen. Vor der Einstellung wird nach dem Wunschgehalt gefragt, das jeder neue Angestellte des Schindlerhofs sensibel und unter Berücksichtigung seines bisherigen Einkommens selbst festlegen soll. Tatsächlich wird dann dieses Gehalt auch gezahlt.

Rechnet sich das für die Unternehmen?

Bereits in den 90er-Jahren hatte Ricardo Semler, ein brasilianischer Unternehmer, die Idee, seine Mitarbeiter das Gehalt selbst bestimmen zu lassen. Mit diesem Konzept wurde er reich und berühmt zugleich. Sein „Semco System“ rief eine wahre Gehaltsrevolution aus. Indem die Angestellten ihr Gehalt selbst bestimmen konnten, wurde eine vorher nicht gekannte Gehaltstransparenz ins Leben gerufen. Bei Semler konnten zudem die Mitarbeiter, sofern sie es wollten, ihr Gehalt selbst bestimmen, in dem sie die Möglichkeit erhielten, ihren Verdienst an den Unternehmensprofit zu koppeln. Kobjoll, Gründer des Schindlerhofs, übernahm später das Modell und ließ ebenfalls seine Mitarbeiter das Gehalt selbst bestimmen. Er erkannte, wie viel motivierter seine Angestellten arbeiteten, was dem Schindlerhof überdurchschnittliche Umsätze bescherte. Bis heute zählen Mitsprache und Transparenz zu den zwei wichtigsten Erfolgsinstrumenten des Tagungshotels. 2012 erhielt der Schindlerhof zum dritten Mal die Auszeichnung des profitabelsten Unternehmens in der Hotelbranche – den Ludwig-Erhard-Preis.

Was, wenn die Gehaltsforderung unrealistisch ist?

Kobjoll und Semler sind mittlerweile keine Einzelfälle mehr. Die Unternehmensberatung Vollmer & Scheffczyk setzt ebenfalls darauf, dass die Angestellten ihr Gehalt selbst bestimmen. Gezahlt werden an die 25 Mitarbeiter Gehälter zwischen 27.000 bis 150.000 Euro. Fühlt sich jemand unterbezahlt, so sollte er das äußern und erhält in aller Regel mehr Geld. Allerdings, so betont der Geschäftsführer Löffler, muss jeder Mitarbeiter sich vor einer Gehaltserhöhung oder -senkung mit mindestens zwei Kollegen austauschen, um Ausreißer zu verhindern. Die Mitarbeiter haben zudem freien Einblick in die Geschäftsbücher, was ihnen eine Idee über die finanziellen Unternehmensgrenzen gibt.

Gehalt selbst bestimmen – nur Vorteile?

Ebenfalls ein Verfechter der Gehaltsdemokratie ist Adi Drotleff, Gründer vom Softwarehaus Mensch und Maschine. Mittlerweile ist sein Unternehmen auf über 600 Mitarbeiter angewachsen. Dennoch möchte er eine gewisse Transparenz beibehalten. „Jeder schaut auf jeden“ beim Gehalt. Einigen gefällt das nicht, aber man kann es nicht allen recht machen. 2013 wird es ein neues Bonussystem geben. Gehalt selbst bestimmen, das ist bei Mensch und Maschine Vergangenheit, die alleinige Beurteilung durch Vorgesetzte lehnt Drotleff jedoch bis heute ab.

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