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Geld und Partnerschaft: Wer hat die Hosen an?

Geld und Partnerschaft: Wer hat die Hosen an?

In einer Partnerschaft gibt es immer wieder Prüfsteine für die Beziehung. Das liebe Geld ist dabei ein doch recht häufiger Grund für Konflikte, die oftmals schwer zu lösen sind. Schon beim ersten Date kann Geld zum Problem werden, nämlich dann, wenn beide unterschiedliche Ansichten über Abhängigkeit und Selbstständigkeit haben.

Geld – ein Thema, das bereits beim ersten Date eine Rolle spielt

Schwebten Frau und Mann beim ersten Date noch auf einer rosa Wolke, kann sich der Liebeshimmel sehr schnell verdunkeln wenn es darum geht, wer die Getränke und das Essen dieses gemeinsamen Treffens zahlt.

War es früher noch selbstverständlich, dass der Mann für die Frau bezahlt, fühlen sich heute viele Frauen nicht ernst genommen, wenn der Mann beim ersten Date die Bezahlung der Rechnung übernimmt.

Laut Umfragen hält es jeder zweite deutsche Mann für selbstverständlich, dass er die Rechnung bezahlt. Der Großteil der Frauen möchte aber lieber selbst zahlen oder zumindest die Rechnung teilen. Eine Studie aus Amerika fand aber heraus, dass zwar rund fünfzig Prozent der Frauen anbieten, die Kosten für einen schönen Abend mitzutragen, doch viele wünschen sich trotzdem, dass sie an einen Kavalier geraten sind. Was ist nun richtig – mögen sich Männer fragen. Man könnte den Tipp geben, generell beim ersten Date getrennt zu zahlen. Bei einer Frau, die Wert auf Selbstständigkeit legt und dies mit Geld in Verbindung setzt, kommt das auch gut an. Andere Frauen könnten aber den Mann als Geizhals werten, bei dem man später um jeden Cent kämpfen muss.

Es kommt darauf an, wie ein Mensch über Geld denkt und der Umgang mit Geld, zu dem die inneren Überzeugungen zum Thema Finanzen gehören, lernt man in der Familie. Allerdings ist das, was man als Kind und von den Verwandten gelernt hat, nicht unumstößlich. Jeder Erwachsene hat die Option darüber nachzudenken, ob die inneren Überzeugungen übernommen und bisher nicht hinterfragt wurden oder ob sie tatsächlich eigene Meinungen sind. Von daher kann sich jeder Mensch im Laufe des Lebens ändern und das betrifft ebenso den Umgang mit Geld. Das bedeutet, das Mann einfach beim ersten Date ausprobieren muss, wie die Frau zum Thema Rechnung bezahlen steht. Wenn Geld bereits beim ersten Treffen einen Konflikt auslöst, wird sich das wahrscheinlich auch im Laufe der Partnerschaft nicht ändern. Auf der anderen Seite können beim ersten Date die rosa Wolken so schwer wiegen, sodass bei diesem Treffen das Bezahlen völlig unproblematisch verläuft. Lösen sich die rosa Wolken aber mit der Zeit auf, wird zum Vorschein kommen, wie beide zum Thema Geld stehen.

„Bei Geld hört die Freundschaft aus“

Schon der Volksmund sagt: Bei Geld hört die Freundschaft auf. Das ist auch in Liebesbeziehungen nicht viel anders, denn laut einer Umfrage vom Forsa-Institut ist Geld bei 39 Prozent der Paare ein Thema, über das am häufigsten gestritten wird.

Hinter diesem Streitthema stecken jedoch Grundsatzfragen einer Beziehung. Werden diese Dinge nicht geklärt, wird Geld ewig ein Thema bleiben, über das gestritten wird. Die finanziellen Belange sind mit wichtigen Grundlagen verbunden, die für eine Beziehung relevant sind. Dazu gehören unter anderem Vertrauen, Gerechtigkeit und Großzügigkeit. Außerdem nimmt Geld für jeden Menschen ein Symbol ein, beispielsweise für Freiheit, Unabhängigkeit, Anerkennung, Status, Sicherheit oder Luxus.

Jeder hat unterschiedliche Bedürfnisse und jeder möchte diese Bedürfnisse erfüllen. Nun kommen zwei Individuen zusammen, mit verschiedenen Wünschen und Prioritäten. Er ist der „Vernünftige“, der nur für sinnvolle Dinge Geld ausgeben möchte und sie die Genießerin, die sich gerne mal etwas gönnt. Oder sie braucht gewisse Sicherheiten und deshalb immer genug Geld auf dem Sparbuch und er gibt jeden Euro, den er in der Hand hält, direkt wieder aus. Solange beide getrennte Kassen haben, mag das Paar noch über diese Unterschiede hinwegsehen. Sobald aber eine gemeinsame Wohnung bezogen wird und später das Geld in eine gemeinsame Kasse geworfen wird, führen diese Unterschiede unweigerlich zum Streit und oft auch in eine ernste Krise.

Laut der Finanzgruppe Sparkasse haben 25 Prozent der ledigen Paare getrennte Kassen und 44 Prozent eine gemeinsame Kasse. Bei Ehepaaren sind es nur 5 Prozent, die getrennte Kassen haben, aber 81 Prozent der Eheleute werfen ihr Geld zusammen. 54 Prozent der Frauen gaben an, von ihrem Partner finanziell unabhängig zu sein. 34 Prozent der Frauen sind von ihrem Mann finanziell abhängig und bei den Männern sind es 5 Prozent, die finanziell von der Frau abhängig sind.

Allgemein gesehen verbinden Männer mit Geld Macht und Erfolg und für Frauen ist Geld ein Zeichen für Selbstständigkeit und Sicherheit. Wie oben beschrieben geht es um unterschiedliche Bedürfnisse. Die meisten deutschen Paare sind nicht gerade dafür bekannt, dass sie täglich viel miteinander reden. Das heißt, es wird auch nicht viel über die finanziellen Probleme gesprochen, beziehungsweise über die Themen die hinter dem vordergründigen Geldthema stehen. Also schwelt ein Konflikt im Hintergrund, der bei jeder Ausgabe des Einzelnen explodieren kann.

Wer bestimmt über Geld und Ausgaben?

Meistens bestimmt derjenige über die Ausgaben, der das höhere Einkommen hat und das ist in den überwiegenden Fällen der Mann. Laut Ergebnisse einer Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hat zwar bei 44 Prozent der Paare die Frau ihr eigenes Einkommen, aber ein niedriges als der Mann. Lediglich bei jedem vierten Paar verdienen beide ein gleich hohes Einkommen. Bei jeder zehnten Beziehung ist die Frau diejenige mit dem höheren Gehalt.

Das Konfliktpotential ist umso höher, desto unterschiedlich hoch die Gehälter der Partner sind und auch je höher das gesamte Einkommen des Paares ist. Würde nun jeder der beiden abhängig vom Einkommen eine bestimmte Summe im Monat als Art Taschengeld bekommen und über diese Geldsumme selbst entscheiden können, wofür sie ausgegeben wird, wäre auch das wieder ein Problem: Abhängig vom Einkommen. Der Partner mit höherem Einkommen hat also mehr Geld, über das er selbstbestimmen kann. Der Partner mit niedrigem Einkommen kann sich also weniger Bedürfnisse erfüllen, als der andere.

Studien ergaben, dass tatsächlich derjenige meint, über die Verwendung des Geldes bestimmen zu können, der mehr verdient. Geld ist also ein Machtmittel und für Männer ist es häufig sehr viel schwieriger, diese Macht an ihre Frauen abzugeben.

Meistens haben Männer kein Problem damit, wenn ihre Frauen das Geld verwalten, das für den ganz normalen Lebensstandard ausgegeben wird. Sobald Frau aber für etwas Geld ausgeben möchte, von dem in erster Linie oder nur sie einen Vorteil hat, geht der Streit los. Bei Streit über Geld geht es aber immer um andere Dinge, wie beispielsweise um Anerkennung, Gerechtigkeit oder Respekt. Das Problem ist, dass diese Dinge nicht zur Sprache kommen. Im Streit kommen lediglich die Ausgaben zur Sprache oder der Wunsch, Geld für etwas Bestimmtes ausgeben zu wollen. Es geht um Bedürfnisse, die der andere nicht respektiert und es geht um eigene Bedürfnisse, die dann einen höheren Stellenwert haben als die des Partners.

Frau als Hauptverdiener – klappt das?

Noch ist es so, dass in den meisten Partnerschaften der Mann der Hauptverdiener ist. Es gibt aber Paare, bei denen die Frau mehr Geld nach Hause bringt. Wie wird mit diesen vertauschten Rollen umgegangen? Man könnte annehmen, dass vor allem die junge Generation keine Probleme mehr mit diesem Rollentausch hat, schließlich ist Gleichberechtigung ein großes Wort, das für die Jungen selbstverständlich ist...

Die Wirklichkeit sieht aber anders aus, denn die Rollenverteilung hat sich scheinbar in den Köpfen der Menschen gar nicht verändert. Shell führte eine Studie mit etwa 2.500 jungen Leute durch, die 12 bis 25 Jahre jung waren. Der Großteil der männlichen Teilnehmer sieht immer noch den Mann als Alleinverdiener und die Frau in erster Linie als Hausfrau und Mutter. Die Männer der vorigen Generation stehen dem Thema Gleichberechtigung und Rollentausch wesentlich aufgeschlossener gegenüber. Die junge Generation scheint demnach konservativer zu sein als ihre Eltern.

Bei den befragten weiblichen Teilnehmerinnen möchten 80 Prozent nicht nur Hausfrau und Mutter sein, sondern neben ihrer Rolle als Mutter auch berufstätig sein.

In Partnerschaften, in denen die Frau Alleinverdienerin ist, übernimmt sie dennoch den Hauptteil der Hausarbeit. Das traditionelle Rollenklischee ist also weiterhin vorhanden und wenn sich der Mann als Ernährer sieht, wird er ein Problem damit haben, wenn seine Frau die Familie ernährt. Da für Männer Geld ein Machtinstrument und Statussymbol ist – auch wenn dass Männern nicht immer bewusst ist – kommt es häufig zu Konflikten, wenn die Frau die Hauptverdienerin ist. Nun ist sie die Bestimmerin über die Verwendung des Geldes. Sie möchte vielleicht das verdiente Geld für Sicherheit nutzen oder für einen entspannten Urlaub, aber nicht für ein tolles Auto oder um die Werkzeugsammlung ihres Mannes aufzufüllen.

Wie ist nun das Geldproblem zu lösen?

Da das Finanzproblem ein vordergründiges Problem ist, lässt sich dieser Konflikt nur lösen, indem die dahinter stehenden Gründe zur Sprache kommen und neu geregelt werden. Hier ist also in erster Linie die falsche oder fehlende Kommunikation das Problem und nicht das Geld.

Respektieren beide die Bedürfnisse und Wünsche des anderen? Oder stellt jeder seine Bedürfnisse auf eine höhere Stufe? Vertrauen sich beide Partner voll und ganz oder fehlt es an Vertrauen, sodass mit Geld Kontrolle ausgeübt wird? Wie sieht es mit der Anerkennung aus? Und hier muss jeder erst einmal auf sich selbst schauen: Wann erkenne ich mich selbst an? Wenn ich gewisse Leistungen erbringe? Gibt es Wertschätzung und Anerkennung vom Partner oder vermisse ich dies und bringe das – unbewusst – mit dem Thema Geld zur Sprache?

Wie wird Partnerschaft definiert? Ein Paar besteht immer noch aus zwei Individuen und es ist unmöglich, dass beide vollständig zu einer Person verschmelzen. Das ist aber die Vorstellung von vielen Paaren: Wir sind eine Einheit. Ein Paar bildet zwar eine Einheit und trotzdem sind unterschiedliche Bedürfnisse vorhanden.

Paare, die das offene und ehrliche Gespräch suchen, haben gute Chancen, das Geldproblem aus der Welt zu schaffen. Unterstützend wirkt es sich aus, wenn ein gemeinsames Konto vorhanden ist, von dem alle laufenden Kosten bezahlt werden. Das restliche Geld wird durch zwei geteilt und jeder bekommt seinen Teil auf ein eigenes Konto überwiesen. Über die Verwendung dieses Geldes muss keine Rechenschaft abgelegt werden, sondern jeder darf selbst entscheiden, was er mit dieser Art Taschengeld macht.

Bei Paaren, die grundsätzlich respektvoll und verständnisvoll miteinander umgehen, spielt das Thema Finanzen eher eine Nebenrolle. Geld führt bei diesen Paaren selten zum Konflikt.

Weiterführende Infos zum Thema:

Ergebnis der Umfrage 2015: Frauen verdienen 27 % weniger als Männer – "Was würdest Du tun, wenn das auch auf Dich zutrifft?"