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Hochbegabte Kollegen – Nervensägen oder sympathische Überflieger?

Hochbegabte Kollegen – Nervensägen oder sympathische Überflieger?

Hochbegabte bringen hervorragendes Fachwissen sowie weitere Fähigkeiten mit, die eigentlich große Vorteile für ein Unternehmen darstellen könnten. Mit ihrem schnellen Auffassungs- und Denkvermögen machen sie sich jedoch bei Chefs und Kollegen nicht besonders beliebt, zumal die sozialen Kompetenzen der Hochintelligenten häufig zu wünschen übrig lässt. Sie scheinen alles besser zu wissen und zu können, mischen sich zu schnell ein und lassen den Kollegen kaum Raum für eigene Lösungsfindungen – Teamwork ist mit diesen überschlauen Personen kaum möglich, oder doch?

Wer gilt als hochbegabt?

Bei Hochbegabten liegt der Intelligenzquotient über 130, während er bei Normalbegabten zwischen 85 und 115 liegt. Um den IQ herauszufinden, wurden Intelligenztests entwickelt.
Oft wird die Hochbegabung erst sehr spät erkannt und viele Erwachsene mit einem IQ von über 130 wissen nichts von ihrer Begabung. Man geht davon aus, dass die Hochbegabung zum Teil von den Genen abhängt und zum Teil erworben wird. Kinder mit Hochbegabung sollten frühzeitig gefördert werden und gerade das bleibt den meisten hochbegabten Kindern verwährt. So sitzen sie gelangweilt im Schulunterricht und haben mit sozialen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie sind Außenseiter und wissen gar nicht, warum sie an den Rand gedrängt werden. Oft sind auch die Eltern dieser Kinder überfordert und häufig bekommen diese Kinder den Stempel von ADHS oder schwererziehbar aufgedrückt.

Dabei fällt die Hochbegabung in der Regel bereits im Kleinkindalter auf: Sie sind in der Entwicklung schneller, fangen früher an zu sprechen und das mit einem größeren Wortschatz als der anderer Gleichaltriger. Häufig sind es sehr sensible Kinder, die viele Fragen stellen und Antworten hinterfragen. Sie scheinen einen enormen Wissensdurst zu haben sowie eine ungewöhnlich gute Wahrnehmungsfähigkeit. Da sich hochbegabte Kinder an Ältere orientieren, haben sie wenig Kontakt zu gleichaltrigen Kindern oder Jugendlichen.

Wird die Hochbegabung nicht erkannt und deshalb auch nicht gefördert, ziehen sich die Kinder oder Jugendlichen zurück oder passen sich zu sehr an. Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten verkümmern und können sich nicht entfalten. Zudem bleiben die sozialen Schwierigkeiten bestehen und die Kinder lernen nicht den Umgang mit Mitmenschen, da sie von Schulkameraden und anderen Gleichaltrigen abgelehnt werden.

Die Probleme für Hochbegabte in Unternehmen

Hochbegabte lieben Herausforderungen und neue Aufgabenbereiche. Hier beginnt schon das erste Problem, denn schnell wird ihnen die Arbeit langweilig und sie suchen förmlich nach anderen Aufgaben, die wieder eine Herausforderung darstellen.
Bei einer Studie von 2012 der Ruhr-Universität in Bochum wurden 500 Mitglieder des Hochbegabten-Netzwerkes „Deutscher Mensaclub“ befragt. Bei der Umfrage ging es um berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale aus Bereichen wie Arbeitsverhalten, psychische Konstitution, berufliche Ortientierung und soziale Kompetenzen.
Die Angaben wurden mit denen von Normalbegabten verglichen. Dabei unterschieden sich die Merkmale bei 99 Prozent der Hochbegabten zum Teil sehr gravierend von denen der Normalbegabten.

Vor allem die sozialen Kompetenzen waren bei Normalbegabten wesentlich stärker ausgeprägt, als bei den Hochbegabten. Es fällt ihnen schwer, sich in ein Team einzufügen und als echter Teamplayer zu arbeiten. Zudem sind sie meistens emotional nicht stabil.

Kollegen sind von Hochbegabten oft genervt

Kollegen können nur selten über die Hochbegabung ihres Kollegen bewundernd staunen, da sie vom Verhalten genervt und verärgert sind. In Besprechungen fühlen sie sich übergangen, da der hochintelligente Kollege innerhalb weniger Minuten die Problemlösung serviert. Sie haben das Gefühl, der Kollege will schnell die Karriereleiter nach oben klettern und das ohne Rücksicht auf die anderen Teammitglieder. Dabei liegt den meisten Hochbegabten wenig an Führungspositionen. Sie denken einfach schneller und erkennen nicht, warum ihre Kollegen verärgert und genervt reagieren.

Auch für Chefs stellen solche Überflieger oftmals eine Bedrohung dar und bremsen die Leistungen dieser Mitarbeiter aus. Wer möchte schon von seinen Angestellten überholt werden? Firmen mit flacher Hierarchie sind eher bereit, die Fähigkeiten und das Können Hochbegabter als Vorteil für die Entwicklung des Unternehmens zu sehen.

Mit Überfliegern im Team – so kann es funktionieren

Eine echte Teamarbeit zwischen Hochbegabten und Normalbegabten kann nur dann funktionieren, wenn beide Verständnis füreinander aufbringen. Überflieger sehen die komplexen Zusammenhänge in der Regel schneller und finden deshalb auch schneller eine Lösung für Probleme. Die meisten Hochbegabten wollen sich damit nicht in den Vorgrund drängeln und ihre Kollegen oder bisherige Strukturen abwerten. Ihr Denken ist anders und das Lösen von Problemen ist für sie ähnlich interessant, wie für andere Menschen das Lösen von Rätseln.
Das Selbstbewusstsein von Hochbegabten wirkt nach außen sehr groß, aber im Innern fühlen sich die Überflieger oftmals nicht sehr selbstbewusst. Die sozialen Probleme erleben sie nicht erst im Berufsleben, sondern haben schon vorher damit zu tun gehabt. Die meisten von ihnen waren Außenseiter und wurden in der Schule und im privaten Bereich von Mitmenschen abgelehnt. So können sie in der Regel nicht gut mit Kritik umgehen und reagieren sehr empfindlich darauf.

Die hochbegabten Mitarbeiter sollten sich aber auch in die Lage ihrer Kollegen versetzen. Dann würden sie verstehen, warum genervt und verärgert reagiert wird. Smalltalk zum Beispiel ist für Hochbegabte fast ein No-go. Sie empfinden es als völlig unsinnig, sich über Belangloses zu unterhalten. Wer jedoch auf diese kurzen Gespräche mit Kollegen verzichtet, wird selbst kein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln können und die Mitmenschen sehen in diesem Kollegen einen unhöflichen und merkwürdigen Zeitgenossen, zu dem man keinen Bezug bekommt.

Um mehr Sozialkompetenzen zu bekommen, ist es zunächst wichtig, dass sich Hochbegabte ihre Defizite bewusst machen. Viele hochbegabte Arbeitnehmer gehen den Umgang mit ihren Defiziten aus dem Weg und machen sich selbstständig. Jetzt sind sie ihr eigener Chef, müssen sich nicht in ein Team einfügen und können immer wieder nach neuen Herausforderungen suchen. Allerdings bleiben die emotionalen und sozialen Probleme bestehen, denn die Sozialkompetenzen werden auch gebraucht, wenn man mit Kunden, Geschäftspartnern oder Mitarbeitern zu tun hat.
Hochbegabte müssen nicht, wie vielleicht zu Schulzeiten, ihre Fähigkeiten zurücknehmen und sie verkümmern lassen. Sie sollten jedoch ihren Kollegen die Möglichkeit geben, eigene Ideen zur Umsetzung von Veränderungen zu entwickeln und einbringen zu können.

Hilfreich für Hochbegabte wäre ein Coaching, in dem sie die zwischenmenschlichen Fähigkeiten erlernen können. Und für die normalbegabten Kollegen könnte der Ratschlag hilfreich sein, nicht alles persönlich zu nehmen und sein eigenes Selbstwertgefühl zu erhöhen. Ein hohes Selbstwertgefühl lässt es kaum zu, dass man sich durch Mitmenschen herabgesetzt fühlt.

Ideal wäre es, wenn Hochbegabte offen über ihre Begabung und die damit verbundenen Probleme reden. Das könnte das gegenseitige Verständnis fördern, sodass alle Teammitglieder voneinandern profitieren und lernen können.

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