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Karriere-Aus? Jobmöglichkeiten für das Leben nach dem Spitzensport

Die Karriere eines Profisportlers ist begrenzt, denn das Alter entscheidet darüber, wie lange der Sport im Hochleistungsbereich ausgeführt werden kann. Wie die Karriere nach der Sportkarriere aussehen soll, ist für die meisten Sportler unklar. Wie eine Studie der Deutschen Sporthilfe ergab, haben 91 Prozent der Top-Athleten das Gefühl, kaum auf das Berufsleben nach der sportlichen Karriere vorbereitet zu sein.

Sportler sind es gewohnt, dass ihr Tag von Wettkämpfen und Trainingseinheiten strukturiert ist. Fällt dies weg, muss eine große Lücke gefüllt werden. Wie sie ihre Erfahrungen, die sie durch den Sport sammeln konnte, in einen Job einbringen könnten, wissen sie häufig nicht. Wirtschaftsprofessor Sascha Schmidt ist davon überzeugt, dass Unternehmen ein wahres Talente-Pool im Spitzensport entdecken könnten. Schmidt und Thomas Saller sind die Autoren der Studie „Kollege Spitzensportler. Chancen für Wirtschaft und Athleten“, die vom ISBS (Institute for Sports, Business & Society) durchgeführt wurde.

Leistungssportler bringen die besten Voraussetzungen für Führungspositionen mit

Laut Professor Schmidt bringen Leistungssportler alle Eigenschaften mit, die Führungskräfte benötigen. Er sieht es als Versäumnis an, dass die Wirtschaft dies noch nicht erkannt hat. Für seine Studie befragte er rund tausend Spitzenathleten und ebenso Personalverantwortliche und Headhunter. Wie die Resultate der Befragung zeigten, lohne es sich für die Personaler, den Fokus auf Spitzensportler zu richten. Zum Beispiel sind die meisten Profisportler intrinsisch motiviert und diese Fähigkeit hilft ebenso bei Führungspositionen. Auch sind viele Sportler auf der Suche nach langfristigen Kooperationen. Dies ist ebenfalls ein Punkt, der für Unternehmen positiv sein kann, denn mittlerweile bleiben die wenigsten Mitarbeiter über lange Zeit in einer Firma.

Jobmöglichkeiten für Spitzensportler

Welche Möglichkeiten Spitzensportler nach ihrer Sportkarriere haben, ist im Grunde nicht anders als bei allen anderen Menschen. Thorsten Schaar, ein Sportjournalist aus Düsseldorf, ging der Sache nach und spürte mit seinem Twitter-Projekt mehr als 700 Fußballprofis vergangener Zeiten auf. Was machen die ehemaligen Fußballhelden heute? Laut Schaar ist die Quote der privatinsolventen Ex-Fußballprofis sehr hoch. Zumindest haben nur wenige Fußballer der 80er Jahre bis heute ausgesorgt. Die meisten waren nicht auf die Karriere nach der Karriere vorbereitet. Wie Thorsten Schaar aussagt, sehen die Chancen bei den heutigen Fußballprofis wesentlich besser aus, denn zum einen stehen ihnen gute Berater zur Verfügung und zum anderen ist der Verdienst in der Profiliga sehr viel höher, als noch vor Jahren.

Anhand seines Twitter-Projekts konnte er auch Jobtrends der Ex-Fußballer ausmachen:

  • In den 70er Jahren gehörte die Lotto-Toto-Annahmestelle zum klassischen Arbeitsplatz der Ex-Fußballprofis nach der Sportkarriere
  • In den 80er Jahren eröffneten viele Ex-Profis ein Sportgeschäft
  • In den 2000er Jahren war es die Soccerhalle, die zu den klassischen Berufsfeldern von Ex-Fußballern gehörte
  • Heute geht der Trend Richtung Spielerberater oder Versicherungsmakler

Ulf Baranowsky von VDV (Vereinigung der Vertragsfußballspieler) berichtet, dass lediglich jeder vierte aktive Spieler am Ende seiner Sportkarriere eine berufliche Qualifikation vorweisen kann und die meisten Fußballprofis keinen Plan B haben. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Schaar einen sozialen Abstieg bei vielen Ex-Profis feststellen konnte. Dennoch besteht eine Vielfalt an Möglichkeiten für die Karriere nach der Karriere. So fanden sich unter den Ex-Fußballprofis Rechtsanwälte, Zahnärzte, Lehrer, Gastronome, Kioskbesitzer, Estrichleger und Bauleiter – um nur einige Beispiele zu nennen.

Typische Eigenschaften von Sportlern – vor- oder nachteilig für die Karriere?

Spitzensportler haben während ihrer Sportlaufbahn in der Regel einiges gelernt, das sich ebenfalls für das spätere Berufsleben nutzen lässt. So können sie mit Druck umgehen, sind sehr diszipliniert und beweisen Ausdauer. Aufgrund der Wettkämpfe in unterschiedlichen Ländern konnten viele auch Erfahrungen mit verschiedenen Kulturen sammeln.

Anhand der Studie des ISBS konnten die Sportler in vier Typen unterschieden werden, die bestimmte Persönlichkeitsmerkmale umfassen:


• Einzelgänger

Hohe Strebsamkeit und Disziplin, jedoch wenige Sozialkompetenzen. Die mangelnde Teamfähigkeit könnte durch die konzentrierte Arbeit auf ein bestimmtes Thema entstanden sein. Dies könnte sich jedoch für Jobs als Spezialist oder Fachexperte als positiv erweisen.

• Kämpfer

Boxer oder Gewichtheber zählen oft zu den Kämpfern, die sich durch eine größere Disziplin und mehr Engagement im Vergleich zu den Einzelgängern auszeichnen. Besonders ausgeprägt ist die Dominanz, doch die Persönlichkeit ist nicht so stabil wie die der Einzelgänger. In der Studie wird der Beruf des Interims-Managers für Kämpfer vorgeschlagen.

• Teamplayer

Mannschaftssportler sind die echten Teamplayer, die sehr kooperationsfähig, dafür weniger leistungsmotiviert sind.

• Meister aller Klassen

Dieser Typ war oftmals bei den Mannschaftskapitänen vorzufinden, der sehr verantwortungsbewusst und diszipliniert ist. Es gibt somit viele positive Eigenschaften, die sich für die spätere Berufskarriere als Vorteile nutzen lassen. Doch es bestehen ebenso Nachteile, die durch den Leistungssport entstanden sind.
Bei Sportlern, die zu viel Ehrgeiz besitzen, besteht die Gefahr, dass sie als Führungskräfte zu viel Druck bei den Mitarbeitern aufbauen. Zudem mussten Sportler in Erfolg und Misserfolg denken und dieses Denken schließt die Zwischentöne aus, die jedoch im Beruf wichtig sind. So könnten manche Sportler in Führungspositionen die Sozialkompetenzen der Mitarbeiter übersehen, weil der Fokus zu sehr auf Leistung gerichtet ist.

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