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Keine Gehaltserhöhung, aber trotzdem mehr in der Tasche

Keine Gehaltserhöhung, aber trotzdem mehr in der Tasche

Mehr als die Hälfte der Firmen in Deutschland bessern die Gehälter ihrer Mitarbeiter mit geldwerten Leistungen statt mit einer Lohnerhöhung auf. Bei dieser Vergütungsform profitieren beide Seiten.

Steuerfreie Leistungen – Freigrenzen beachten

Geldwerte Leistungen werden zunehmend beliebter. Der Grund dafür sind die Steuern, die bei einer Lohnerhöhung für beide Seiten höher ausfallen. Andere Leistungen sind entweder steuerfrei oder müssen pauschal besteuert werden. Sachleistungen, wie Notebook oder Handy, sind steuerfrei, wenn diese Dinge nicht als Eigentum an den Arbeitnehmer übergehen, sondern Eigentum des Arbeitgebers bleiben. Ist der Arbeitnehmer Eigentümer, muss er die Leistung versteuern, wenn die Freigrenze überschritten ist.

Auch bei Warengutscheinen besteht eine Freigrenze, die beachtet werden sollte und bei 44 Euro pro Monat liegt. Würde der Chef nun einen Gutschein in Höhe von 50 Euro geben, müssen für den Gesamtbetrag Steuern gezahlt werden. Er hält man einen Restaurantcheck oder Essensmarken, darf diese Leistung bei maximal 6,03 Euro pro Tag liegen, wenn sie steuerfrei bleiben soll.
Beliebt sind ebenfalls Zuschüsse für die Gesundheitsförderung. Hier liegt der jährliche Freibetrag bei 500 Euro. Allerdings müssen die Leitfäden der Krankenkassen beachtet werden, denn nur die Gesundheitsförderungen, die dort enthalten sind, werden vom Finanzamt anerkannt.

Für Weiterbildungsmaßnahmen muss der Arbeitnehmer keine Steuern zahlen, wenn der Vertrag vom Arbeitgeber abgeschlossen wurde. Hat der Arbeitnehmer den Vertrag abgeschlossen, muss in der Personalakte schriftlich vermerkt sein, dass der Arbeitgeber die Kosten für die Fortbildungsmaßnahme übernimmt.
Zuschüsse für die Kinderbetreuung müssen als Extra gezahlt werden. Wird ein Teil des Gehalts für die Gebühren der Kindertagesstätte genutzt, handelt es sich nicht um eine steuerfreie Leistung.

Bei den geldwerten Leistungen müssen somit lediglich die Regeln beachtet werden, damit sie für den Arbeitnehmer eine steuerfreie Zusatzleistung sind. Zudem bieten sich damit besonders für kleinere Firmen Optionen an, ihren Mitarbeitern eine Gehaltsaufbesserung zu ermöglichen, denn Lohnerhöhungen übersteigen in kleinen Unternehmen oftmals das finanzielle Budget.

Möglichkeiten von geldwerten Leistungen

Es stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, Mitarbeitern statt einer Gehaltserhöhung steuerfreie Extras anzubieten:

  • Notebook, Handy oder andere Arbeitsmittel, die dem Mitarbeiter für berufliche Nutzung überlassen werden. Auch die private Nutzung von Geräten für Telekommunikation und Datenverarbeitung ist steuerfrei, solange das Gerät Eigentum des Arbeitgebers bleibt.
  • Beteiligung an den Handykosten
  • Mitarbeiterdarlehen zu günstigen Konditionen
  • Restaurantchecks oder Essensmarken für die Mittagsmahlzeit
  • Ermäßigung auf die Unternehmensprodukte (entweder eine Freimenge oder einen Rabatt)
  • Zuschuss für die Kinderbetreuung
  • Sachwerte wie Tankgutscheine, Jobticket oder Einkaufsgutscheine - der Freibetrag liegt bei 44 Euro monatlich
  • Bonuspunkte privat nutzen (z.B. die Bonuspunkte von Miles & More, die auf einer Dienstreise gesammelt wurden) – Bei diesen Leistungen liegt der steuerfreie Betrag bei 1080 Euro pro Jahr
  • Firmenwagen – steuerfrei ist der Wagen dann, wenn dem Arbeitnehmer der Wagen für Fahrten überlassen wird, bei denen Reisekosten entstehen
  • Fortbildungsmaßnahmen - wird mit der Weiterbildungsmaßnahme die Einsatzfähigkeit des Mitarbeiters erhöht, ist die Maßnahme steuerfrei. Würde der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter mit der Kostenübernahme der Fortbildungsmaßnahme lediglich belohnen, müssten Steuern bezahlt werden. Das überwiegende Interesse der Maßnahme muss also beim Arbeitgeber liegen.
  • Zuschuss für gesundheitsfördernde Maßnahmen - Bis 500 Euro pro Jahr sind steuerfrei. Hier geht es nicht um die Übernahme von Mitgliedsbeiträgen von Fitnessstudios oder Sportvereinen. Diese müssten versteuert werden. Sollte aber ein Verein oder Fitnessstudio gesundheitsvorbeugende Maßnahmen anbieten, die den Leitfäden der Krankenkassen entsprechen, gilt der jährliche Freibetrag von 500 Euro. Die Präventionsmaßnahmen, die von den Krankenkassen zugelassen sind, sollen den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern. Dazu gehören Maßnahmen zur Stressbewältigung, zur Entspannung, zur Reduzierung vom Suchtmittelkonsum (Nikotion, Alkohol u.a.) sowie Maßnahmen zur Ernährungsumstellung und Programme, die den Bewegungsmangel reduzieren.
  • Übernahme der Umzugskosten – Alle tatsächlich anfallenden Umzugskosten kann der Arbeitgeber übernehmen. Dies wird häufig angeboten, wenn der Mitarbeiter berufsbedingt umziehen muss.
  • Kostenbeteiligung an den Wohnungsmietkosten – Hier gilt die Freigrenze für Sachbezüge, also 44 Euro pro Monat. Beteiligt sich der Arbeitgeber an der Wohnungsmiete mit einem Monatsbetrag über 44 Euro, muss der gesamte Betrag versteuert werden.

Nachteile der geldwerten Leistungen

Mit geldwerten Leistungen können Steuern gespart werden. Der Nachteil ist, dass sich das Gehalt nicht erhöht und dies könnte sich negativ auswirken, wenn der Fall der Arbeitslosigkeit eintritt oder Elterngeld beantragt wird. Solche und andere Sozialleistungen werden anhand des Gehalts berechnet. Wird ein Mitarbeiter arbeitslos, fällt das Arbeitslosengeld niedriger aus, als mit einer vorigen Gehaltserhöhung. Zudem fallen natürlich auch die geldwerten Leistungen weg, da diese selbstverständlich an das Unternehmen gebunden sind. Langfristig sollten Arbeitnehmer ebenfalls an die Rente denken, denn auch die berechnet sich nach der Gehaltshöhe. Geldwerte Leistungen sind gut, sollten jedoch langfristig gesehen das Einkommen nicht zu stark schmälern.

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