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Linkshänder: Nachteile im Job?

Die Computermaus, das Werkzeug, das Messgerät: In Büro und Werkstatt sind viele Dinge für Rechtshänder ausgelegt. Zwar haben sich Linkshänder an diese Tatsache bereits gewöhnt. Unangenehm ist es dennoch für sie.

Unabhängig von der Berufsgruppe und der Frage, ob Hand- oder Kopfarbeiter, ob Chirurg /-in, Tischler /-in, Verkäufer /-in, Sekretär /-in oder Gärtner /-in - alle sind davon betroffen. Wer Linkshänder ist, hat am Arbeitsplatz oft gar keine andere Wahl, als mit den Maschinen und Werkzeugen zu arbeiten, die eigentlich für Rechtshänder vorgesehen wurden. Linkshänder-Therapeuten, Berater und Psychologen sind schon lange der Meinung, dass dies ungerecht sei, und fordern Chancengleichheit.

Werkzeuge und Maschinen - eine große Herausforderung für Linkshänder

Vor allem Werkzeuge stellen für viele Linkshänder ein Problem dar. Ein Beispiel im Handwerk sind Feilen. Rechtshänder können diese zu ihrem Vorteil einsetzen und einen Gegenstand schneller bearbeiten. Doch Linkshänder brauchen viel mehr Zeit, um einen Gegenstand fertigzustellen. Knöpfe an Maschinen sind oft so angebracht, dass die Linkshänder sie nicht erreichen können. Aber auch im Büro gibt es viele Hürden, die Linkshänder überwinden müssen. So sind die meisten Computermäuse nur für Rechtshänder geeignet und auch zahlreiche weitere Kleingeräte (Tacker, Locher etc.) sind nur für die rechte Hand geeignet.

Einige Großbetriebe stellen ihren Mitarbeitern bereits für Linkshänder konzipierte Werkzeuge und Materialien zur Verfügung. Die meisten Kleinbetriebe tun dies jedoch nicht. Hier wird allerdings eindeutig am falschen Ende gespart. Denn mit den richtigen Materialien könnten die Linkshänder viel schneller arbeiten und mit den Rechtshändern mithalten. Viele offene Lehrstellen könnten besetzt werden, wenn sich die Betriebe auch auf die Bedürfnisse von Linkshändern einstellen und die Arbeitsplätze entsprechend gestalten würden.

Arbeit ist für Linkshänder stressiger

Ohne geeignete Materialien gestaltet sich der Arbeitsalltag für Linkshänder also anstrengender als für Rechtshänder. Denn selbst wenn sie sich mit den Geräten für Rechtshänder arrangieren, erfordert die Arbeit eine höhere Konzentration. Sie arbeiten langsamer und brauchen länger, um eine Arbeit fertigzustellen. Damit steigt für die Linkshänder auch das Risiko, am „Burnout“-Syndrom zu erkranken, da sie ständig unter Stress stehen und vermeintlich mehr leisten müssen als ihre Rechtshänder-Kollegen.

Gemeinsam Lösungen finden

Damit sich auch Arbeitnehmer im Job wohlfühlen, die die meisten oder alle Tätigkeiten mit der linken Hand ausführen, sollten Unternehmen gemeinsam mit Linkshänder-Therapeuten und den Betroffenen nach diplomatischen Lösungen suchen. Es gilt herauszufinden, wie man die Handgriffe und Abläufe am Arbeitsplatz so gestalten kann, dass es für alle Mitarbeiter passt. Oft ist das ganz einfach. Wenn zum Beispiel eine Steckdose am Arbeitstisch nicht an der rechten Seite angebracht wird, sondern mittig, wird jeder damit zurechtkommen. Darüber hinaus gibt es mittlerweile zahlreiche Materialien und Werkzeuge, die für Linkshänder geeignet sind.

Heute mehr Linkshänder als früher

Etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung sind Linkshänder. Einige davon können auch beide Hände für die Ausübung ihrer Tätigkeiten nutzen. Dabei kann die linke Hand mehr zum Einsatz kommen als die rechte oder umgekehrt. Dass es heute scheinbar mehr Linkshänder gibt als früher, liegt daran, dass Kinder nicht mehr so häufig zu Rechtshändern umerzogen werden. Inzwischen dürfen Linkshänder auch Linkshänder bleiben. Deshalb wird es in Betrieben künftig mehr Linkshänder geben. Und diese sollten das Recht haben, entsprechende Geräte für sich einzufordern.

Linkshänder haben auch Vorteile im Job

Linkshänder zu sein bedeutet aber nicht nur Nachteile zu haben. So gibt es zum Beispiel Jobs, die besonders gut für Linkshänder geeignet sind, wie die Zahnarzthelferin. Wenn diese mit einem rechtshändigen Zahnarzt „Hand in Hand“ arbeitet, hat er sogar einen Vorteil, weil sie mit der linken Hand viel sicherer arbeiten kann.

Auch einige Sportarten sind für Linkshänder sehr gut geeignet. Viele Profisportler sind tatsächlich Linkshänder. Beliebt sind vor allem Tischtennis und Fechten. Die Vorteile ergeben sich daraus, dass sich der Gegner bei einem linkshändigen Kontrahenten oft umstellen muss. Das gilt aber auch, wenn sich zwei Linkshänder gegenüberstehen. Nur wenige können vorausahnen, wie ein Linkshänder als nächstes agieren wird. Da hilft nur ein ausgiebiges Training mit den linkshändigen Mitspielern.

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