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Lohnlücke zwischen Männern und Frauen wächst mit dem Alter

Lohnlücke zwischen Männern und Frauen wächst mit dem Alter

Der Equal Pay Day 2016 am 19.03.2016 zeigt uns, dass Frauen statistisch gesehen bis zum 19.03. dieses Jahres „umsonst“ arbeiten, da Männer im Durchschnitt rund ein Viertel mehr an Gehalt nach Hause tragen.

Business and Professional Women (BPW) Germany rief die Initiative 2009 ins Leben, um darauf aufmerksam zu machen, dass Männer und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen und Stellenprofilen unterschiedlich hoch bezahlt werden. So findet der Equal Pay Day immer an einem errechneten Tag statt, der den Gehaltsunterschied in Arbeitstagen verdeutlichen soll. Die Initiative wird zudem vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Jugend und Senioren (BMFSFJ) gefördert.

Da häufig Stimmen laut werden, die Frauen als Lösung des Problems empfehlen, einfach andere Berufe zu wählen, widmet sich der diesjährige Equal Pay Day dem Thema „Berufe mit Zukunft“ - „Was ist meine Arbeit wert?“. Dabei geht es um die Aufwertung von frauentypischen Berufen. Zwar sind Erziehung und Pflege zukunftsorientierte Arbeitsbereiche, sie sind aber vergleichsweise schlecht bezahlt. Und auch im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich bilden sich häufig Barrieren aus Rollenbildern.

Die Lohnlücke - Was ist dran an den Vorwürfen?

Tatsächlich findet man verschiedene Angaben zur Entgeltlücke (auch "gender pay gap" genannt), wenn man sich diesem Thema widmet. Zunächst einmal gibt es einen Unterschied zwischen der unbereinigten und bereinigten Entgeltlücke. Die unbereinigte Lohnlücke entsteht, wenn man die durchschnittlichen Bruttostundenlöhne aller erwerbstätigen Männer und Frauen miteinander vergleicht. Sie liegt in den Untersuchungen für Deutschland regelmäßig zwischen 21 und 27 Prozent (Statistisches Bundesamt: 22%).
Für die bereinigte Entgeltlücke werden Faktoren rausgerechnet, die bekannt dafür sind, Einfluss auf das Gehalt zu haben, wie Ausbildungsgrade, Berufe, Qualifikation u. ä. von Männern und Frauen. Diese Faktoren erklären logischerweise Gehaltsunterschiede zwischen Arbeitnehmern, sodass sich die bereinigte Lohnlücke auf den Lohnabstand zwischen Männern und Frauen bezieht, der nicht anhand von Einflussfaktoren erklärt werden kann. Je nach Berechnung beträgt die bereinigte Lohnlücke immer noch bis zu acht Prozent.

Ergebnisse unserer Studie „Entgeltlücke 2016“

Unsere Vergütungsberatung Compensation Online hat für die aktuelle Studie zur Entgeltlücke 2016 rund 245.000 Gehaltsdatensätze analysiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich der unbereinigte Gehaltsunterschied um 2,6% reduziert hat und in diesem Jahr bei 24,8% liegt. Einer Bereinigung der Gehaltsdaten wurde sich angenähert, indem verschiedene Gehaltslücken zwischen Männern und Frauen auf Basis von vergleichbaren Berufsprofilen („Zwillingspaaren“) rausgestellt wurden. Diese waren teilweise kleiner als 10% und können als Indikator gesehen werden.

1. Die Lücke zwischen Männern und Frauen wächst mit dem Alter

Diagramm Entgeltlücke 2016 nach Alter

Männer und Frauen werden bereits beim Berufseinstieg zu unterschiedlichen Konditionen eingestellt. Auch, wenn die Lücke hier noch am kleinsten ist, ist sie mit 12,7% deutlich erkennbar. Im Laufe des Berufslebens wächst die Lohnlücke. Ein Berufseinstieg liegt bei vielen Arbeitnehmern auch zwischen 20 und 29 Jahren, wenn man beispielsweise an Akademiker denkt. Männer steigen dann mit gut einem Fünftel mehr Gehalt als Frauen ein.
Dieser Lohnunterschied kann sich in den folgenden 10 Jahren teilweise auf einen 25% höheren Bruttostundenlohn ausbauen. Aber auch ab 40 Jahren wächst die Entgeltlücke noch weiter, bis Männer mit 50 Jahren auf gut ein Drittel mehr Verdienst blicken können. Dieser Unterschied bleibt bis zur Rente so bestehen.

2. Die Lücke ist größer, wenn Frauen keine Personalverantwortung ausüben

Dabei zeigen sich im Laufe des Berufslebens unterschiedliche Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, je nachdem, ob Frauen als Fachkräfte oder als Führungskräfte arbeiten. Bis Ende 40 ist die Entgeltlücke zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften wesentlich geringer, als zwischen Fachkräften. Gerade zwischen 40 und 49 Jahren verdienen Frauen ohne Führungsverantwortung nochmal etwa 10% weniger im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen (31,0% Lohnabstand), als Frauen in führenden Positionen (21,2% Lohnabstand).
Erst ab 50 Jahren ist die Entgeltlücke bei Frauen mit und ohne Führungsverantwortung ungefähr gleich groß. Lediglich mit über 60 Jahren wächst sie bei weiblichen Führungskräften nochmal leicht (34,4%), während sie bei Fachkräften schon wieder leicht abfällt (31,6%).

3. Je größer das Unternehmen, desto unterschiedlicher die Bezahlung

Diagramm Entgeltlücke 2016 nach Firmengröße

Möglicherweise entgegen der Vermutung, dass Frauen und Männer in kleinen Unternehmen unterschiedlicher bezahlt werden, wächst die Lohnlücke mit der Größe von Unternehmen. Dabei ist es bereits entscheidend, ob ein Unternehmen mehr oder weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigt. Im Vergleich zu den kleinsten Unternehmen mit 1-5 Arbeitnehmern (10,1%) verdoppelt sich die Entgeltlücke ab 50 Arbeitnehmern (20,2%). Die Differenz zwischen Männern und Frauen wächst dann auf bis zu rund 25% in Unternehmen mit 1.001 bis 5.000 Mitarbeiter, ab 5.001 Mitarbeitern wird die Lücke geringfällig kleiner (23,8%).

Zusammenfassend lässt sich also sagen:

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen nimmt zu,

  • 1. je älter die Fach- und Führungskräfte werden,
  • 2. wenn Frauen keine Personalverantwortung übernehmen,
  • 3. je größer das Unternehmen ist.

Weiterführende Infos zum Thema:

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Mehr für sich rausholen bei Gehaltsverhandlungen

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