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Medikamentenmissbrauch im Job – höher, schneller, besser?

Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit, Dauerstress und daraus resultierende Konzentrationsprobleme und nachlassende Leistungsfähigkeit lässt immer mehr Berufstätige zur Pille greifen. Work-Life-Balance mittels Medikamenten? Medikamentenmissbrauch im Job: Eine ziemlich kurzfristige Lösung mit langfristigen Nebenwirkungen.

Medikamente – die moderne Methode der Problembewältigung?

Unsere Leistungsgesellschaft ist für menschliche Probleme etwas unempfänglich geworden. Jemand, der nicht mehr mithalten kann, muss halt zusehen, dass er wieder leistungsfähig wird. Zeit, um nach Innen zu schauen und dort nach Lösungen zu suchen, die gibts nicht. Also muss eine schnelle Lösung her, eine, die möglichst direkt wirkt und für die nicht viel getan werden muss. Da scheinen leistungssteigernde Pillen die beste Alternative zu sein. Die können heimlich genommen werden und niemand merkt, dass man eigentlich in einem Leistungstief steckt.
Sind Medikamente eine moderne Methode, um Probleme zu bewälten, Stress zu schmälern und leistungsbereit zu bleiben? Erschreckend ist zudem, zu welchen Medikamenten gegriffen wird, denn eigentlich sind dies verschreibungspflichtige Arzneimittel, wie Antidepressiva, Betablocker oder Medikamente, die bei der Alzheimer-Erkrankung eingesetzt werden. Es ist schon bedenklich, dass es genügend Bezugsquellen gibt, um diese Medikamente ohne Rezept kaufen zu können.

Dass die Einnahme solcher Arzneimittel nicht ohne Folgen bleibt, kann sich im Grunde jeder Mensch denken. Schneller, höher, besser – das ist mit diesen Mitteln nur kurzfristig möglich. Allerdings wird diese Form von Problembewältigung um so vertretbarer empfunden, je höher der innere oder äußere Druck ist. Eine langfristige Lösung liegt nicht im Außen, sondern in der eigenen, inneren Gedankenwelt.

Stressbewältigung ohne Pillen und Co.

Heute haben bereits Schulkinder mit Stresssymptomen zu kämpfen, beispielsweise mit Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Müdigkeit. Der zunehmende Leistungsdruck ist also auch schon vor dem Berufsleben spürbar. Doch, wer bringt einem bei, wie Stress zu bewältigen ist? Und wer sagt einem, wie es gar nicht erst dazu kommen müsste? Stress, was ist das überhaupt? Stress ist eine Reaktion des Körpers auf eine Anforderung. Es gibt aber nicht nur den negativen Stress, sondern ebenso den Eustress: Positiver Stress, bei dem genügend Glückshormone im Spiel sind. Wenn es sowohl negativen als auch positiven Stress gibt, bedeutet dies: Es liegt an der inneren Einstellung zu den Anforderungen und Situationen. Warum nehme ich Medikamente ein? Was ist der wirkliche Grund dafür? Was lässt mich seelisch und körperlich anspannen?

Ursachen herausfinden

Das sind Fragen, die man sich stellen kann, um den Ursachen für das Stressempfinden auf die Spur zu kommen. Natürlich kann Stress im Job durch Arbeitsklima, Chef, direkte Vorgesetzte, Kollegen oder zu hohes Arbeitspensum ausgelöst werden. Dennoch gehören immer Zwei dazu: Derjenige, der stressige Situationen herbeiführt und derjenige, der sich fremdbestimmen lässt. Genau da liegt der Knackpunkt, denn fühlt man sich gestresst, ist die Selbstbestimmung weit entfernt. Wer sich fremdbestimmt fühlt, möchte das Ruder wieder in die eigene Hand nehmen. Der eine nimmt beruhigende Medikamente ein und der andere nimmt Pillen, die eine Müdigkeit oder Erschöpfung zum Verschwinden bringen.

Stress wird reduziert, sobald man das Gefühl hat, selbst entscheiden zu können. Dazu gehören aber ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Was bin ich mir selbst wert? Warum setze ich mich Tag für Tag der Stresssituation aus, ohne etwas daran zu ändern? Wem möchte ich beweisen, dass ich jederzeit leistungsfähig bin? Warum möchte ich dies unter Beweis stellen? Und: Was würde passieren, wenn ich ab sofort dafür sorge, dass es mir gut geht und somit Veränderungen herbeiführe, die eventuell bei dem ein oder anderen auf Widerspruch stoßen?
Es gibt verschiedene Entspannungsmethoden, mit denen Stress besser bewältigt werden kann. Auch Sport oder andere körperliche Bewegung hilft dabei, Stress abzubauen. Langfristig ist es empfehlenswert, die eigenen Gedankenmuster zu hinterfragen und umzuformen. Dabei kann ein Coach behilflich sein, mit dem gemeinsam eingefahrene Muster aufgedeckt und verändert werden, sowie Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl erhöht werden. Dies mag ein längerer Prozess sein, der sich jedoch nachhaltig und mit gesunden Nebenwirkungen auswirkt.

Mit Medikamenten wird lediglich das Symptom bekämpft, während die Ursache, die oft tiefer liegt, bestehen bleibt – zumal solche Pillen oftmals in die Abhängigkeit führen. Es lohnt sich, die wirklichen Gründe aufzudecken und einmal tiefer zu schauen, warum es für den Einzelnen schwierig ist, Stress zu bewältigen und warum man mit allen möglichen Mitteln versuchen möchte, in diesem Hamsterrad zu bleiben.

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