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Multitasking schadet mehr, als es nutzt

Multitasking schadet mehr, als es nutzt

Es ist eine der Eigenschaften und Fähigkeiten, für die Männer Frauen beneiden. Doch das völlig grundlos, denn Studien haben in den letzten Jahren mehr als einmal nachgewiesen, dass Multitasking nicht effektiv ist und sogar schädlich sein kann.

Wie kann das sein?

Einerseits haben wir den Eindruck, wenn wir mehrere Dinge auf einmal erledigen, würden wir mehr Arbeit in kürzerer Zeit erledigen. Doch das ist ein Trugschluss, denn wird eine zweite Tätigkeit parallel ausgeübt, steigt die Bearbeitungszeit insgesamt rapide an.

Alles, was zusätzlich zur eigentlichen Tätigkeit ausgeführt wird, stört die Konzentration. Ein Beispiel, wo diese Tatsache gefährlich zu tragen kommt, ist das Telefonieren beim Auto fahren. Zudem ist es uns nur noch eingeschränkt möglich, unwichtige Informationen wegzufiltern. Das heißt auch, dass wir uns noch schneller ablenken lassen, weil es natürlich schwer fällt, sich auf alles gleichzeitig zu konzentrieren. Jemand, der konzentriert an einer Sache sitzt, lässt sich Studien zufolge weniger schnell ablenken.
Jedoch konnte nicht klar belegt werden, dass das Multitasking schuld an verminderter Konzentrationsfähigkeit ist. Es kann ebenso möglich sein, dass Menschen, die sich generell schwerer konzentrieren können, eher zum Multitasking neigen.

Klar ist jedoch, dass sich mehrere Aufgaben oder Tätigkeiten zugleich gegenseitig behindern und somit die einzelne Bearbeitungszeit steigt! Wirklich gleichzeitig machen wir dabei gar nichts. Das Gehirn verhält sich dabei ähnlich dem Zapping-Vorgang beim Fernsehschauen: Wir schalten von einer Tätigkeit zur anderen und fällen die Entscheidungen demzufogle nacheinander. Denn: zu echtem Multitasking ist unser Gehirn laut Neurowissenschaftlern auch gar nicht fähig. Das Ergebnis ist, dass es im Schnitt 20 Minuten oder länger dauern kann, bis eine Aufgabe oder Tätigkeit nach einer Unterbrechung wieder hundertprozentig weiter ausgeführt werden kann.

Das „alles-gleichzeitig-machen“ ist jedoch ein Grund dafür, weswegen wir abends gestresst und körperlich platt sind. Körper und Geist sind mit all diesen Aufgaben einfach überfordert. Und Stress ist bekanntlich etwas, was dauerhaft zu Krankheit, Depression oder sonstigem führen kann. Um Stress zu entgehen einfach mal eine To-Do-Liste schreiben und die Dinge nach und nach abarbeiten. Und: Wenn das Telefon klingelt, die Arbeit einfach mal kurz unterbrechen.

In einer Studie der University of London wurden die Auswirkungen von Multitasking noch weiter erforscht. Die Versuche mit begabten und sogar einigen hochbegabten Studierende als Probanden zeigten, dass ihre Gedächtnisleistung teilweise auf die von achtjährigen Kindern hinab fiel, wenn sie verschiedene Aufgaben gleichzeitig erledigten. Manche Forscher nehmen daher an, dass Multitasking nicht nur den Arbeitsprozess verlangsame, sondern sogar den IQ senken würde.

Arbeitsunterbrechungen und Multitasking - eine Studie

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte bereits 2010 die Ergebnisse einer Studie zu den Themen „Arbeitsunterbrechungen und Multitasking“. In dieser Studie werden beide Phänomene vorgestellt und letztlich mit dem Thema "Stress" in Bezug gesetzt.
„Arbeitsunterbrechungen“ meinen hier keine regulären Pausen, sondern Phasen zwischen zwei Aufgaben oder Teilaufgaben, die nicht produktiv sind. Diese Phasen können Minuten, aber auch Sekunden betragen.

Beide Konzepte treten immer häufiger im Berufsleben auf, da die Aufgaben einzelner immer komplexer werden. Daher werden sie miteinander verglichen – auch wenn sie zunächst im Gegensatz zueinander zu stehen scheinen. Doch ist der Mensch eben nur mit einem „Prozessor“ ausgestattet, so dass er zu „echtem Multitasking“ gar nicht fähig ist. Viel mehr handelt es sich beim Multitasking um einen permanenten und schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben – und somit eben auch um viele kleine Arbeitsunterbrechungen.

Doch das allein ist nicht Gegenstand der Studie. Zusätzlich werden beide Phänomene in Bezug zum Alter bzw. dem Altern gesetzt. Der Altersdurchschnitt der arbeitenden Bevölkerung steigt zunehmend an. Und so wird die Frage nach der Leistungsfähigkeit im Alter aufgeworfen. Neue Studien zeigen, dass es allerdings keinesfalls so ist, dass die Generation 50+ insgesamt weniger leistungsfähig ist. Denn das, was durch die etwas verlangsamte Arbeit und abnehmenden kognitiven Fähigkeiten eingebüßt wird, wird durch Erfahrung wett gemacht. So fällt es Älteren zum Beispiel sogar leichter, sich mit neuen Aufgaben, die aber alten ähneln oder thematisch verwandt sind, vertraut zu machen. Echte Nachteile zeigen sich nur, wenn es um komplett neue Aufgaben- und Themengebiete geht.

Doch was ist, wenn eben eine Vielzahl von Aufgaben gleichzeitig erledigt werden muss? Auch hier zeigt sich, dass die kognitiven Einbußen sich zwar deutlich auf die gleichzeitige Erledigung mehrerer Aufgaben auswirken, aber auch hier die Erfahrung einiges wett machen kann.

Je nachdem, wie freiwillig oder unfreiwillig Beschäftige mit mehreren Aufgaben und mit Unterbrechungen zu tun haben, desto unterschiedlicher ist sowohl ein leistungsbedingtes, aber auch ein emotionales Stresspotential. Je nach Berufsgruppe und Art der Arbeitsorganisation in einer Firma können diese Faktoren zu echten Stressoren werden, ohne dass tatsächlicher Druck ausgeübt wird.

Was also tun?

Das kann die Studie uns leider auch nicht sagen. Sie gibt die Empfehlung, Handlungsempfehlungen zu eruieren.

Jeder einzelne kann sich aber selbst helfen. Hier drei Tipps:

  • Nicht permanent E-Mails checken und binnen 5 Minuten-Frist beantworten! Checken Sie ihr Postfach zu festen Zeiten. Und zwar ausschließlich zu diesen Zeiten. Nehmen Sie sich dann Zeit, die Mails zu beantworten. So stellen Sie auch sicher, dass ihnen wichtige Informationen nicht verloren gehen, weil sie eine Mail „zwischen Tür und Angel“ gelesen oder beantwortet haben.
  • Sich wichtige Aufgaben ausschließlich widmen und nicht stören lassen, versuchen Sie es gar nicht erst mit Multitasking. Bitten Sie notfalls auch Kollegen sie für eine Stunde in Ruhe zu lassen bzw. vielleicht sogar den Rücken freizuhalten
  • Zeitpuffer einplanen (Zeitmanagement). Planen Sie immer mit 20% mehr Zeit, als nötig. „Zeitfresser“, die sie aufhalten lauern immer und überall.

Weiterführende Infos zum Thema:

Mit mir nicht! Kollegen und Chefs gezielt Grenzen setzen

Ort und Zeit selbst bestimmen – deutsche Arbeitsplätze im Wandel?

Warum der 8-Stunden-Arbeitstag nicht unbedingt schlecht für Dich ist

Ein perfekter Arbeitsplatz – der ewige Wunschtraum?



Quellen:
Multitasking Damages Your Brain and Your Career, New Studies Suggest (http://www.talentsmart.com/articles/Multitasking-Damages-Your-Brain-and-Your-Career%2C-New-Studies-Suggest-2102500909-p-1.html)
Multitasking is Killing Your Brain (https://medium.com/life-learning/multitasking-is-killing-your-brain-79104e62e930#.wqqokjg8r
E-mails 'hurt IQ more than pot' (http://edition.cnn.com/2005/WORLD/europe/04/22/text.iq/)
http://www.spiegel.de/

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