News

Pech, wer spät geboren wurde: “Generational Pay Gap”

Pech, wer spät geboren wurde: “Generational Pay Gap”

Dass Frauen allgemein schlechter verdienen als Männer, ist hinreichend bekannt. Es gibt aber zudem ein Verdienstunterschied zwischen der älteren und jüngeren Generation: Spätgeborene verdienen weniger und werden nicht so viel sparen können, wie die ältere Generation. Die Stiftung Generationengerechtigkeit arbeitete die Situation der Jungen detailliert heraus.

Die Folgen von Generational Pay Gap

Wer zu spät geboren ist, wird sich keine große Summe sparen können, so wie das die ältere Generation noch konnte. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung berechnete das Einkommen von Arbeitnehmern der Jahrgänge 1935 bis 1972 über das komplette Erwerbsleben. Im niedrigen Einkommensbereich verdienen die Arbeitnehmer, die nach 1955 geboren wurden, weniger als die vor 1955 Gebürtigen. Im mittleren Einkommenssegment verdienen diejenigen weniger, die nach 1967 geboren wurden. Innerhalb von vierzig Jahren hat sich die Lohnungleichheit fast verdoppelt.

Der Grund für diese Einkommenslücke ist die schlechter werdende Bezahlung. Nur im oberen Einkommensbereich haben Spätgeborene mehr Glück, denn dort verdient man besser als die früher Geborenen.

Geringere Verdienste werden natürlich nicht dazu führen, dass die spät geborenen Arbeitnehmer für ihre Rente sorgen können. Die Idee der Politiker, jeder Arbeitnehmer solle sich um eine private Rente kümmern, ist somit ein schlechter Einfall. Es wird schlicht und ergreifend den meisten Arbeitnehmern nicht möglich sein.

Die Stiftung Generationengerechtigkeit arbetiete die Situation der Jungen detailliert heraus. So arbeiten mehr als die Hälfte der jungen Arbeitnehmer für Niedriglöhne und unter schlechten Arbeitsbedingungen. Die Zahl der jungen Leiharbeiter hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt und der Mindestlohn gilt ebenso nicht für die ganz Jungen: Beschäftigte unter achtzehn Jahre leisten scheinbar weniger gute Arbeit, denn ihnen muss kein Stundenlohn von 8,50 Euro gezahlt werden.

Leiharbeit, Ausnutzung durch Praktika und der Trend zum befristeten Arbeitsvertrag – ist die Arbeitsleistung der Jungen weniger wert als die der Älteren?

Die Situation junger Menschen in der Arbeitswelt

Das Berufsleben junger Arbeitnehmer ist von Unsicherheiten geprägt. Befristete Arbeitsverträge sind schon fast die Regel geworden und dadurch wird die Lebensplanung junger Menschen schwierig. Wohnung, Familienplanung und weitere Ziele sind kaum zu bewerkstelligen, wenn man nicht weiß, wie es nach Beendigung des befristeten Arbeitsverhältnisses weitergeht. Beim Kündigungsschutz sieht es für die Jüngeren ebenso schlechter aus, denn der Arbeitsplatz der älteren Kollegen mit langer Betriebszugehörigkeit ist sicherer.

Weiterhin müssen Jüngere mit Scheinpraktika, Leiharbeit und Niedriglöhnen zurechtkommen. Sie verdienen weniger, aber der Leistungsdruck ist sehr hoch. Die Jugendarbeitslosigkeit ist zwar in Deutschland nicht so hoch wie in anderen EU-Ländern wie beispielsweise in Spanien, doch im März 2014 waren dennoch rund 280 000 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos.

Über die Hälfte der jungen Menschen blicken besorgt in die ferne Zukunft: Die wachsende Zahl der Altersarmut und die miesen Aussichten auf eine ausreichende Rente schürt die Angst der jungen Generation. Sie verdienen schlechter als die Älteren, sollen aber für ihre Rente vorsorgen – wie soll das funktionieren?

Leistungsdruck, Versagensängste, Zukunftsängste gepaart mit ständiger Erreichbarkeit und verschwimmenden Grenzen von Privat- und Berufsleben – psychische Erkrankungen nehmen bei jungen Leuten zu. Laut DAK waren 2011 acht Prozent der Fehltage junger Menschen zwischen 20 und 30 Jahren mit psychischen Krankheiten begründet, zu denen Panikstörungen, Depressionen und Burn Out gehören.

Schon der Berufseinstieg ist für die jüngere Generation schwieriger geworden. Oft geschieht dieser Einstieg über Praktika, bei denen häufig in Wirklichkeit Arbeitskräfte ausgenutzt werden. Immer wieder nutzen Unternehmen die Möglichkeit, gut ausgebildete junge Menschen und besonders qualifizierte Akademiker mittels Praktika in die Firma zu holen. Dort arbeiten sie manchmal monatelang für ein niedriges Praktikantengehalt.

Es ist auch immer wieder die Rede davon, dass die junge Generation Flexibilität im Berufsleben wünscht. Flexibilität bedeutet aber nicht, dass sie mit unsicheren Arbeitsplätzen Vorlieb nehmen möchten. Bei Umfragen kam heraus, dass das wichtigste Kriterium bei der Suche nach einem Arbeitsplatz die Sicherheit des Arbeitsplatzes ist.

Lösungen für Generational Pay Gap in Sicht?

Noch gibt es keine Lösungen für die Schließung dieser Einkommenslücke zwischen Jung und Alt. Experten könnten sich eine faire Verteilung von Arbeit und Einkommen zwischen jungen und älteren Menschen vorstellen. Doch wie sieht so eine Verteilung aus, damit sie fair bleibt? Ein anderer Vorschlag wäre die Festlegung eines Höchstlohnes – doch wäre das gerecht?

Weiterführende Infos zum Thema:

Gehaltsunterschied: Warum Frauen weniger verdienen als Männer

Kollege mehr Gehalt, obwohl weniger qualifiziert

Wo Männer für die Familie auf die Karriere verzichten

Mehr für sich rausholen bei Gehaltsverhandlungen