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Pfandflaschensammler – ein steuerpflichtiger „Beruf“?

Pfandflaschensammler – ein steuerpflichtiger „Beruf“?

Immer mehr Menschen verdienen sich etwas mit dem Sammeln von Pfandflaschen dazu. Dabei handelt es sich meistens nicht um Obdachlose, sondern häufig sind es Rentner oder Minijobber, die bereit sind, in Mülleimern nach Flaschen zu suchen. Unter den Flaschensammlern gibt es aber auch Profis, die Strategien entwickelt haben, um möglichst effizient zu sammeln. Ein Profi bekam sogar Besuch vom Finanzamt, da er solch hohe Einnahmen erzielte, dass er steuerpflichtig wurde.

Flaschen sammeln – Zusatzverdienst oder Hobby?

Seitdem Pfandflaschen eingeführt wurden, bekommt der Spruch „Das Geld liegt auf der Straße“ eine neue Bedeutung. Man muss sich nur etwas Zeit nehmen und bereit sein, in Mülleimern zu graben und schon verdient man gutes Geld bar auf die Hand. Das machen mittlerweile immer mehr Menschen und Profis stecken sogar Reviere ab. Allmählich scheint sich das Pfandflaschen sammeln zum neuen Job zu entwickeln. Manche Städte haben es den Sammlern schon leichter gemacht und brachten Pfandringe an. Dieses Produkt wurde von Paul Ketz entworfen, damit die Sammler nicht mehr in Mülleimern wühlen müssen. Der Ring wird einfach an den Mülleimern befestigt und die Pfandflaschen können in die eingestanzten Löcher gestellt werden.

Laut einer sozialwissenschaftlichen Untersuchung sehen viele Flaschensammler in dieser Tätigkeit einen Sinn. Sie sammeln lieber Flaschen, statt arbeitslos zu sein. Wie Sebastian J. Moser aussagt, ist es nicht immer die Armut, die Menschen dazu bringt, in Abfalleimern nach Flaschen zu suchen. Oft ist es der Wunsch, wieder eine Aufgabe zu haben, die irgendwie einer Arbeit ähnlich ist. Auch wollen viele Sammler mit ihrer Tätigkeit eine feste Tagesstruktur aufbauen.

Für die Sammler, mit denen Moser geredet hat, ist das Flaschensammeln eher eine Nebeneinnahme, denn sie hatten entweder einen Minijob oder bekamen Rente. Wichtiger war es diesen Menschen, dass sie wieder irgendwo dazugehören, Leute treffen können und mit anderen reden können. Der Soziologe hat das Gespräch mit Pfandflaschensammlern gesucht und dabei ihr Verhalten und die Routen untersucht. Seine Erfahrungen und Beobachtungen sind in seinem Buch „Pfandsammler. Erkundungen einer urbanen Sozialfigur“ festgehalten.

Die Flaschensammler sind zwar in den Städten keine Seltenheit mehr und trotzdem werden sie vom Großteil der Bevölkerung nicht akzeptiert. Oft werden sie als Schmarotzer oder Penner tituliert und manche Menschen machen sich einen Spaß daraus, die Sammler mit miesen Spielchen zu demütigen.
Auch der Moderator, Autor und Redakteur Ulrich Gineiger konnte diese Erfahrung in einem Selbstversuch machen. Er zog gut gekleidet los und sammelte Pfandflaschen. Obwohl er dies im schicken Anzug tat, bekam er verachtende oder verwirrte Blicke zu spüren.

Die Flaschensammler nehmen niemandem etwas weg. Es könnte jeder, der eine Pfandflasche wegwirft, selbst Geld dafür bekommen. Statt verachtende Blicke oder Bemerkungen würde den Sammlern schon ein Lächeln helfen, um sich von der Gesellschaft akzeptiert fühlen zu können. Dann müsste sich niemand mehr schämen, wenn er den Müll anderer Leute aufhebt, um seinem Leben wieder einen Sinn zu geben.

Wie viel verdient ein Pfandflaschensammler?

Die genaue Höhe der Einnahmen durch Sammeln von Pfandflaschen kann natürlich nicht bestimmt werden. Moser geht davon aus, dass der Durchschnittsverdienst im Monat zwischen 100 Euro und 150 Euro liegt. Diese Schätzung gilt für die Menschen, die jeden Tag Flaschen sammeln. Andere sammeln nicht täglich, sondern nur auf Events, Fußballspielen und Konzerten. Diese Profis verdienen pro Event bis zu 1.000 Euro. Sie stecken ihre Reviere ab, in denen dann kein anderer Flaschensammler aktiv werden darf.

Ein schon prominent gewordener Sammler war Eduard Lüning, der Festivals abklapperte und dadurch innerhalb dreißig Tagen stolze 13.000 Euro verdiente. Davon hatte er sich ein Wohnmobil gekauft und er wurde zum Autor des Buches „Mit Dosenpfand zum Wohnmobil“.

Ist Pfandflaschensammeln steuerpflichtig?

Eduard Lüning hat mit seinem Buch die Aufmerksamkeit des Finanzamtes auf sich gezogen. 2011 wollte das Amt die genaue Höhe seines Verdiensts erfahren. Die Folge war eine Steuernachzahlung und an die Rentenversicherung sollte er 4.000 Euro zurückzahlen. Auch wollte man ihm die Erwerbsunfähigkeitsrente streichen. Lüning hatte 900 Euro monatlich durch Rente und Geld einer Lebensversicherung zur Verfügung.

Wenn die Festivalzeit beginnt, wird sich so mancher Flaschensammler auf den Weg machen und gutes Geld verdienen. Die Einnahmen durch Sammeln von Pfandflaschen gelten als sonstige Einkünfte und nicht als Beruf. Zu den sonstigen Einkünften gehören unter anderem auch Einkünfte durch Unterhalt oder Renten. Für diese Einkünfte gibt es einen Grundfreibetrag in Höhe von 8.472 Euro.
Würde nun jemand mit Flaschensammeln 8.471 Euro im Jahr verdienen und wären das seine einzigen Einkünfte, muss er keine Steuern zahlen.

Bezieht jemand noch andere Einkünfte und überschreitet nun durch das Sammeln von Flaschen diesen Freibetrag, müssten für das Sammeln von Pfandflaschen dennoch nicht unbedingt Einkommensteuern bezahlt werden. Erst wenn mit dem Flaschensammeln pro Jahr über 256 Euro verdient wird, werden Einkommensteuern fällig – falls dann das gesamte Einkommen mehr als 8.472 Euro beträgt.