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Religionsfreiheit – Grenzen im Berufsleben

Religionsfreiheit – Grenzen im Berufsleben

Die Religionsfreiheit ist im Grundgesetz verankert. Im Artikel 4 gilt die Glaubensfreiheit als unverletzlich und zudem wird gewährleistet, dass die Ausübung der Religion ungestört bleibt. Allerdings wirft diese Religionsfreiheit häufig Probleme in der Arbeitswelt auf. So müssen immer wieder Fälle vor dem Gericht verhandelt werden, da religiöse Pflichten den Arbeitsablauf stören oder nicht zu den den Firmeninteressen passen.

Wenn die Religionsfreiheit im Berufsleben an Grenzen stößt

Die Religionsfreiheit ist manchmal im Beruf gar nicht so einfach umzusetzen. Oftmals geraten Mitarbeiter in Gewissenskonflikte und verweigern Aufgaben, die aber zum Job gehören. Oder äußere Merkmale einer Religion, beispielsweise das Kopftuch, stehen mit den Firmeninteressen im Widerspruch. Immer wieder landen solche Probleme vor Gericht.

Lehrer in acht Bundesländern dürfen keine Kopftücher mehr tragen. In Berlin gilt dies auch für Erzieherinnen in öffentlichen Kindertagesstätten und in der Hauptstadt sind ebenso Kreuze und andere religiöse Symbole verboten, sofern man im öffentlichen Dienst arbeitet.

In Unternehmen steht das Recht häufig auf Arbeitnehmerseite. Zum Beispiel hätte eine Zahnarzthelferin die Arbeitsstelle bekommen, wenn sie bereit gewesen wäre, am Arbeitsplatz auf das Kopftuch zu verzichten. Das Arbeitsgericht sprach ihr Schadensersatz zu. Ein anderer Fall wurde beim Bundesarbeitsgericht bearbeitet. Es ging um eine Verkäuferin, die sich im Laufe ihrer Unternehmenszugehörigkeit entschied, während der Arbeit ein Kopftuch zu tragen. Der Boss wollte dies verbieten, weil er negative Reaktionen seitens der Kunden befürchtete. Da das Kopftuch weder den betrieblichen Ablauf stört, noch von einem tatsächlichen Schaden auszugehen ist, musste der Chef dieser Verkäuferin das Tragen des Kopftuches erlauben.

Bei einem weiteren Fall ging es um einen Gewissenskonflikt eines Moslems, der als Ladenhilfe arbeitete. Er sollte alkoholische Getränke in die Regale einräumen und weigerte sich aufgrund seines Glaubens. Das Bundesarbeitsgericht traf die Entscheidung, dass man diesem Mitarbeiter trotz seiner Religionszugehörigkeit die Aufgabe zumuten dürfte.

Welche Grenzen dürfen Arbeitgeber im Bezug auf Ausübung der Glaubensrichtung setzen?

Das Recht auf ungestörte Ausübung der Religion gilt auch in der Arbeitswelt. Allerdings gilt hier ebenfalls das Weisungsrecht seitens des Arbeitgebers und das schließt die Eingrenzung der persönlichen Lebensgestaltung ein. Nun ist aber die Religion nicht auf das Privatleben beschränkt, denn jede Glaubensrichtung ist mit gewissen Verpflichtungen verbunden. Wie sollen also Religionsfreiheit und Weisungsrecht vereinbart werden, denn manchmal passen diese beiden Rechte nicht zusammen und stoßen auf gegenseitigen Widerstand.

Im Berufsleben gilt zudem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Es kann also nicht dem einen Arbeitnehmer erlaubt werden, ein auffälliges Kreuz als Kettenanhänger zu tragen und dem anderen Arbeitnehmer das Kopftuch verboten werden. Dies wäre eine Diskriminierung. Ein Arbeitgeber darf aber religiöse Symbole verbieten, wenn es dadurch zur Beeinträchtigung der Anforderungen kommt. Einer Krankenschwester darf somit durchaus vorgeschrieben werden, das Kopftuch abzulegen und stattdessen die OP-Haube anzuziehen. Außerdem darf der Arbeitgeber Grenzen ziehen, wenn beispielsweise durch religiöse Handhabungen der Arbeitsablauf gestört ist. Das wäre unter anderem bei Gebetszeiten der Fall, wenn diese einen reibungslosen Arbeitsablauf behindern würden.

Es ist wichtig, bei innerbetrieblichen Konflikten aufgrund der Religion Konzepte zu entwickeln, die sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer in die Verantwortung nehmen. Welche Kompromisse können eingegangen werden? Wo besteht Gesprächs- und Veränderungsbedarf? Könnten Arbeitsabläufe anders gestaltet werden? Welche Lösungen bieten sich an, sodass beide Seiten (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) ihre Interessen wahrnehmen können?

Grundsätzlich besteht die Religionsfreiheit auch am Arbeitsplatz, doch der Glaube darf sich nicht den Pflichten in den Weg stellen, die im Arbeitsvertrag vereinbart wurden.

Weiterführende Infos zum Thema:

Kirchlicher Arbeitgeber: Was ist anders?

Ermahnungen und Abmahnungen: Was ist rechtens, was anfechtbar?

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