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Schlechte Schulzeugnisse = Misserfolg im Job? Muss nicht sein!

Schlechte Schulzeugnisse = Misserfolg im Job? Muss nicht sein!

In Kürze ist es wieder soweit: Schüler bringen ihre Zeugnisse nachhause und es mag nicht wenige Eltern geben, die sich fragen, ob mittelmäßige Leistungen oder gar grobe Schnitzer nicht das Aus für künftigen beruflichen Erfolg und finanzielle Sorgenfreiheit ihrer Sprösslinge bedeuten.
Bildung wird gerne mal als „Investition in die eigenen Anlagen, Fähigkeiten und Fertigkeiten“ verstanden, was sich durchaus mit der Realität nach Schulschluss deckt. Nachhilfe ist für viele Eltern längst eine Dauerinvestition geworden, das Erreichen des Klassenziels Privatangelegenheit. Ob man darin nun ein Schulversagen oder übertriebene Sorge der Eltern sieht, kann an dieser Stelle mal vernachlässigt werden. Spannender und aussagekräftiger ist da der Blick in die berufliche Praxis, welche Rolle spielt hier ein Schulzeugnis ganz allgemein? Bleibt die 4 in Mathe ewig an einem kleben oder gibt es im Berufsleben noch andere Leistungskriterien?

Schulnoten meist überbewertet

Noten sind beim Übergang von Schule zum Studium in der Tat wichtig, da viele Fächer einem NC (numerus clausus) unterliegen. Aktuell zwingt der geforderte Notenschnitt viele Studienwillige mit Hochschulzugangsberechtigung zum Umdenken. Wartesemester müssen eingeplant werden, aus diesem Grund wird nicht selten eine Berufsausbildung, ein Au-Pair oder Work-and-Travel-Jahr eingeschoben. Nun freut allein dieser Umstand schon den künftigen Chef, da ein Mehr an Erfahrung, Selbstständigkeit und Wissen von solchen Kandidaten zu erwarten ist, verglichen mit dem dreiwöchigem Schulpraktikum eines 18 Jährigen. Ein Einser Abitur ist zwar der kürzere Weg zum Studium, aber schon bei der Suche nach einem Pflichtpraktikumsplatz werden Kandidaten mit Berufserfahrung denen vorgezogen, die keine haben. Noten runden das Bild des Bewerbers allenfalls ab, aber bestimmen die Entscheidung für eine Einstellung nicht maßgeblich.

Besser organisiert im Job, weil die Noten in der Schule stimmen?

Ja und Nein von dieser Seite: Denn nur mit Einschränkung ist dieser vermeintliche Zusammenhang zu bewerten, dass derjenige, der gute Noten in der Schule oder im Studium hatte, auch besser organisiert ist und es darum im Job leichter hat. Es gibt an vielen Schulen immer noch und seit der Einführung von Bologna (Studienreform, der wir europaweit das Bachelor- und Mastersystem zu verdanken haben) wieder die Form des sogenannten „Bulimielernen“, auch als „Trichterlernen“ bekannt. Wer jemals für die Führerscheinprüfung gelernt hat, weiß wovon hier die Rede ist. Ohnehin ein gutes Beispiel, denn die bestandene Fahrprüfung allein macht noch keinen guten Autofahrer. Auf die Arbeitswelt übertragen: Ein guter Schüler wird sich wahrscheinlich recht schnell in einem unübersichtlichen Großkonzern die Entscheidungsstrukturen und Zuständigkeiten aneignen können, aber ob er diese Strukturen auch zu nutzen lernt ist dann eine weitere Frage, die erst der Praxistest beantworten kann.

Stallgeruch von Vorteil

Für einige Karrieren gilt aber immer noch: Gleiches gesellt sich gern zu Gleichem. Da kann das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, der wenig repräsentable Wohnsitz in einem Arbeiter-Stadtteil, der „falsche“ Vorname (auch der intelligente Kevin hat´s schwer) und die familiäre Herkunft schon mal ein Ausschlusskriterium für einige Berufswünsche darstellen. Eine Diplomatenlaufbahn sieht anders aus und beginnt meist schon mit dem Besuch eines elitären Internats. Sicherlich nicht fair, da auch bei weniger plakativen Berufsbeispielen dieser „heimliche Ausschlussmechanismus“ recht subtil greift. Aber auch hier gilt (leider): Noten allein spielen keine ausschlaggebende Rolle, wenn der „Stallgeruch“ stimmt.

Was hilft, ist eine Prise Humor und die Empfehlung vielleicht besser eine Karriere als Gewerkschaftssekretär einzuschlagen, als eine ständige Fehlbesetzung auf dem Lieblingsgolfplatz des Chefs sein zu müssen oder wieder einmal den aktuellen Kunstkatalog der Tate Galleries nicht wirklich verstanden zu haben.

Schummeln muss nicht sein

Vielleicht kein gutes Vorbild und man sollte diesen Werdegang unwilligen Schülern nicht unbedingt als echte Alternative zum Lernen verkaufen, aber erinnert sich noch jemand an Gert Postel? Den Bremer Briefträger, der durch gefälschte Papiere vom Hauptschüler zum “Dr. Dr. Clemens von Bartholdy” aufstieg und zuletzt vor seiner Enttarnung als Obergutachter des Fachkrankenhauses der Psychiatrie Leipzig arbeitete? Herr Postel verfügt unbenommen über eine Menge Potential, was in der Schule nicht zum Tragen kam. Trotz mangelnder formaler Bildung wurde ihm in dieser anspruchsvollen Tätigkeit herausragend gute Arbeit von seinen Vorgesetzten bescheinigt.

Nun bleibt für all diejenigen zu hoffen, die auf Schummeln oder Betrügen im Berufsalltag verzichten, dass es auch anders geht. So berichtet etwa der Personalentwickler Chef von Google Lazlo Bock, dass die Problemlösungskompetenz für ihn von zentraler Bedeutung ist und weniger die Noten. In Vorstellungsgesprächen stellt er gerne folgende Aufgabe: „Nennen Sie mir ein konkretes Beispiel, bei dem Sie ein objektiv schwieriges Problem lösen mussten.“ Aus den Antworten liest er zweierlei heraus, zum Einen was für einen Bewerber überhaupt ein Problem darstellt und wie er dies löst, ob er das Problem alleine oder im Team bearbeitet, welche Hilfsmittel er einsetzt, wieviel Zeit dies in Anspruch nimmt, usw.
Sicherlich nur eins von vielen Beispielen, wie stark das Augenmerk dem Unvorhergesehenen gilt, denn wann die nächste Klassenarbeit und Abschlussprüfung ansteht, dürfte den meisten Schülern bekannt sein.

Um diese Fähigkeit zu trainieren, müssen Eltern ja nicht gleich ihr Kind in einer fremden Großstadt ohne Handy/Geld aussetzen und mit der Stoppuhr in der Hand an der heimischen Haustür auf baldige Rückkehr hoffen, um die Problemlösungskompetenz für das spätere Jobleben zu trainieren, aber es kann durchaus sinnvoll sein, alle Fünfe mal grade sein zu lassen und den Nachwuchs statt mit japanischem Mathetraining mit weniger Erwartungsdruck zu beglücken.

Autorin: Tanja Merkens

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