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Streik von DP und DHL: Gehaltsforderungen unter der Lupe

Streik von DP und DHL: Gehaltsforderungen unter der Lupe

Arbeitskampf bei DP und DHL

Streik, leitet sich vom englischen Begriff „strike“ ab. Die Übersetzung bedeutet „Schlag“ oder „Angriff“, aber auch „Treffer“. Noch hat keine Partei im aktuellen Arbeitskampf der Gewerkschaft Ver.di gegen die Deutsche Post AG (DP) und DHL einen zielweisenden Treffer erlangt. Arbeitnehmer von DP und DHL verweigern seit dem 11. Mai 2015 nach wie vor die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Arbeitsleistungen.

Mit Sitz in Bonn gilt die Deutsche Post AG als das derzeit weltgrößte Logistik- und Postunternehmen. Seit März 2015 tritt der Konzern öffentlich unter dem Firmennamen Deutsche Post DHL Group auf. Der Paket- und Brief-Express-Dienst DHL wurde 1969 in San Francisco gegründet. Seit 2002 gehört das Unternehmen zum Konzern der Deutschen Post AG. Als einer der führenden Logistikkonzerne besteht DHL aus dem Bereich DHL-Paket, dem Betrieb DHL-Express, der Spedition DHL-Global Forwarding/Freight und dem Unternehmen DHL-Supply Chain.

Der Streik soll die Arbeitgeber veranlassen, die Forderungen der Gewerkschaft durch Abschluss eines relevanten Tarifvertrages zu erfüllen. Die Gewerkschaft Ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) ist Mitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und in Berlin ansässig. Mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern ist sie die zweitgrößte Gewerkschaft in Deutschland.

Was fordert die Gewerkschaft Ver.di?

Ver.di erwartet,

  • dass die wöchentliche Arbeitszeit von Postmitarbeitern von 38,5 auf 36 Stunden verkürzt wird und
  • die Mitarbeiter dabei keine Lohneinbußen verzeichnen (gleich bleibender Stundenlohn).

Weiterhin drängt die Gewerkschaft auf

  • die Abschaffung der neuen, sogenannten Regionalgesellschaften, die inzwischen seit einigen Monaten die Paketzustellung durchführen (DHL-Delivery GmbH) und
  • die Verlängerung von gültigen Schutzregelungen zu Fremdvergabe und Kündigungen.

Für Zugeständnisse seitens DP/DHL würde Ver.di auf zunächst geforderte, außerordentliche Einkommenserhöhungen in Höhe von 5,5% in 2015 verzichten. Außerdem wäre die Gewerkschaft damit einverstanden, dass neu eingestellte Mitarbeiter nicht mehr wie derzeit nach zwei Jahren, sondern erst nach insgesamt drei Beschäftigungsjahren automatisch in die nächsthöhere Gehaltsstufe rutschen.

Konfliktpotenzial bei Paketbotengehältern

Uneinigkeit herrscht insbesondere bei den Gehältern der Paketboten. DP-Mitarbeiter verdienen seit langem höhere Löhne als Beschäftigte bei Konkurrenzunternehmen wie DPD, Hermes oder GLS. Dabei unterscheiden sich die täglichen Aufgaben und Verantwortungen kaum. Die Unternehmensführung der DP möchte eine Angleichung herbeiführen. Bisher hat die Gewerkschaft die Herabstufung von Löhnen für Paketboten der Deutschen Post erfolgreich verhindert. Seit Neugründung der Regionalgesellschaften DHL-Delivery GmbHs werden dort angestellte Paketboten nicht mehr nach dem ausgehandelten Tarif bezahlt. Die Zusteller erhalten den niedrigeren Logistiktarif. Somit gelten innerhalb des DPDHL Konzerns zweifache Standards. Paketzusteller, die in der Hauptgesellschaft tätig sind und Paketboten der Regionalgesellschaften, verrichten die gleichen Tätigkeiten, werden dafür jedoch ungleich entlohnt.

Nähere Informationen: Was verdient man bei der Deutschen Post?

Reaktionen bei DP / DHL

Die Fronten zwischen den Vertragsparteien haben sich zwischenzeitlich verhärtet. Die Deutsche Post AG betrachtet die Forderungen der Gewerkschaft als absurd hoch gesteckt. Der Gegenvorschlag des Arbeitgebers lautet, eine Veränderung der Arbeitszeit pro Woche von 38,5 Stunden auf 37 Stunden bei gleichem Lohn. Ein solcher Vorschlag lässt sich beispielsweise durch arbeitsfreie Tage wie Heiligabend und Silvester realisieren. Die Post bietet Schutz und Sicherheit für ihre Mitarbeiter an. In diesem Zusammenhang soll der bestehende Kündigungsschutz bis Ende 2018 verlängert werden. Die gewünschten Lohnerhöhungen um 5,5 % hat die DP als unfinanzierbar bezeichnet. Die Verhandlungsgespräche sind ins Stocken geraten und aktuell durch die Gewerkschaft unterbrochen. Der Streik bei DP/DHL gilt auf unbefristete Zeit.

Auswirkungen der Arbeitsniederlegung bei DP / DHL

Für zahlreiche Post- und DHL-Kunden steht nicht zur Debatte, dass es ein Grundrecht ist, für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter zu streiken. Unbefristete Streiks und Streikunterbrechungen wie die letztliche Sonntagszustellung erscheinen vielen Menschen dauerhaft eher kontraproduktiv.

Carsten K., 56, wartet seit Anfang Juni auf wichtige Post:
„Täglich ist mein Briefkasten leer, die Situation ist inakzeptabel. Ich finde es auch nicht hinnehmbar, dass ein Konzern, der jährlich gute Gewinne macht, sich offenbar verpflichtet fühlt, den Aktionären mehr Gewinne auszuschütten als den Angestellten. Ich hoffe und erwarte, dass schnellstmöglich Bedingungen für ein Schlichtungsverfahren zum Tragen kommen.“

Klaus B., 34, findet die Forderung von Ver.di grundsätzlich angemessen. Er schränkt ein:
„Auf der anderen Seite steht, dass die Vergabe von Logistikaufgaben an regionale Firmen sowohl den Sektor stärkt als auch Zustellungen beschleunigt. Eine insgesamt höhere Zahl an Lieferfahrzeugen sollte doch positive Auswirkungen auf die Auslieferungsmöglichkeiten haben.“ Trotzdem ist Klaus B. der Meinung, dass eine schnelle Lösung gefunden werden muss. „Ein Verhandlungsabbruch, egal durch welche Partei, ist unmögliches Verhalten. Das kommt für den Endverbraucher ungefähr so rüber:´Uns kann es ja egal sein, ob Pakete – beispielsweise auch wichtige Medikamente – ankommen oder nicht, wir löffeln diese Suppe nicht aus‘. Mit einer solchen Einstellung bin ich als Kunde hochgradig unzufrieden.“

Maike W., 39: „Ich bin überzeugte DHL-Nutzerin. Konkurrenzfirmen, die ihre Fahrer zu dreisten Konditionen oder gar als Subunternehmer anstellen, kommen für mich nicht in Frage. Angemessene, faire Bezahlung muss sein. Daher bin ich dem Streik gegenüber positiv eingestellt. Mein Postkasten bleibt zwar leer, aber ich hoffe, dass die Gewerkschaft nicht einknickt. Der Poststreik hat gesellschaftliche Auswirkungen. DHL erzielt hohe Gewinne. Vorstand und Aktionäre verdienen bestens. Das darf nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen werden. Da bleibt nur zu hoffen, dass der Streik weitaus teurer wird für DHL als die von Ver.di geforderten Lohnanpassungen.“

Aktuelle Streikinformationen hinsichtlich Zustellungen

DP/DHL ist auch in Zeiten der Arbeitsniederlegung durch Gewerkschaftsmitglieder bemüht, Sendungen schnellstmöglich zuzustellen. Tagesaktuelle Websites informieren Verbraucher darüber, welche Regionen bestreikt werden. Eine Paketnachverfolgung ist online möglich. DHL-Express und E-Post offerieren darüber hinaus Servicealternativen.

Weiterführende Infos zum Thema:

Streik - Übersicht und rechtliche Fragen

Rechtfertigt der Streik ein Zuspätkommen?

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