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Von der Selbstständigkeit in die Anstellung – Und alles auf Anfang

Von der Selbstständigkeit in die Anstellung – Und alles auf Anfang

Es gibt verständliche Gründe, warum ein Selbstständiger in ein Angestellenverhältnis wechseln möchte. Obwohl Unternehmer mit vielen positiven Merkmalen betrachtet werden, haben Selbstständige auf der Suche nach einem Arbeitsplatz mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Personaler blicken eher skeptisch auf Bewerber, die von der Selbstständigkeit in die Anstellung wechseln möchten.

Das positive Bild über Unternehmer

Unternehmer genießen im Allgemeinen einen guten Ruf. Es sind die risikobereiten Menschen, die tatkräftig und ehrgeizig sind. Sie sind bereit, sich durch die ersten Jahre der Selbstständigkeit zu kämpfen und zielstrebig auf Erfolgskurs zu gehen. Unternehmer werden in der Gründungszeit vom Staat gefördert, denn sie schaffen Arbeitsplätze und kurbeln die Wirtschaft an.

Selbstständige sind also die Gewinner, die sich durchsetzen können und auch mit Misserfolgen umzugehen wissen. Das positive Bild gerät in die Schieflage, wenn sich der Selbstständige entschließt, aus der Selbstständigkeit auszusteigen. Plötzlich stehen sie als Verlierer da und haben es schwer, eine Anstellung zu bekommen.

Skepsis bei Personalern: Sind Selbstständige Verlierer, wenn sie in die Anstellung wechseln?

Was muss schiefgelaufen sein, damit sich dieser Mensch bei uns bewirbt – fragt sich der Personalverantwortliche beim Durchlesen der Bewerbungsmappe eines noch selbstständigen Kandidaten. Personaler gehen meistens direkt davon aus, dass solch ein Bewerber zu den Verlierern gehört, sonst müsste er sich nicht um eine Anstellung bewerben. Wer seine Selbstständigkeit aufgibt, kann ja nur resigniert haben und die Tatkraft des Unternehmers war dann wohl doch nicht stark.

Entscheidet sich der Personaler dennoch dafür, den Bewerber zum Jobgespräch einzuladen, führt er oftmals eine Art Kreuzverhör durch. Dem Kandidaten bleibt nichts anders übrig, als sich zu rechtfertigen, obwohl er das gar nicht nötig hätte.

Schwierig ist es auch für Freiberufler, die nicht nur für einen sondern für mehrere Auftraggeber arbeiten. Oft ist es schlichtweg unmöglich, lückenlos nachzuweisen, bei welchen Projekten man tätig war. Auch werden Freiberufler oftmals als wenig teamfähig angesehen und Personaler gehen davon aus, dass sich solche Bewerber gar nicht ins Team einfügen können. Ein weiteres Vorurteil über Selbständige ist es, dass sie mit den im Unternehmen bestehenden Hierarchien nicht zurechtkommen, denn bisher waren sie ihr eigener Chef und nun müssten sie sich wieder unterordnen.

Das Lockern der festgefahrenen Denkweise würde mehr Offenheit bringen

In der Arbeitswelt soll es flexibler zugehen – doch bitte nur begrenzt flexibel? Jemand, der sich selbstständig macht, kann häufig nicht wissen, ob ihm ein Leben als Unternehmer gefällt und das Richtige für ihn ist. Er wird es auch nicht erfahren, wenn er es nicht ausprobiert. Das setzt Mut, Risikobereitschaft und Flexibilität voraus. Merkt dieser Mensch nach einiger Zeit der Selbstständigkeit, dass er lieber wieder ins Angestelltenverhältnis gehen möchte, beweist er Stärke, denn er kann sich eingestehen, dass dieser Weg der falsche war. Und erneut zeigt er Mut und Flexibilität, wenn er alles auf Anfang setzt und wieder einen neuen Schritt wagt. Von so viel Flexibilität und einer solchen offenen Denkweise kann sich mancher Personalverantwortliche eine dicke Scheibe abschneiden.

Zudem gibt es viele Selbstständige, die in der Existenzgründung eine Alternative und Chance gesehen haben: Sie mussten mit Arbeitslosigkeit rechnen oder waren bereits arbeitslos. Und noch einmal: Diese Menschen dürfen sich mutig und flexibel nennen, denn sie haben nicht gewartet, bis irgendwann ein Job in Aussicht gestellt wurde, sondern aktiv ihre Situation geändert.

Personaler und Chefs, die sich flexible, einsatzbereite, leistungsfähige Mitarbeiter wünschen, die sich mutig neuen Herausforderungen stellen, sollten ihre Scheuklappen abnehmen und ihre Vorurteile gegenüber selbstständigen Bewerbern ablegen.

Zurück in die Anstellung – Tipps für Bewerbung und Jobgespräch

Selbstständige, die sich für eine Festanstellung bewerben, haben spätestens nach dem zweiten vorurteilsvollen Jobgespräch mit Selbstzweifeln zu kämpfen. Wie soll die Bewerbung aussehen, damit Personaler nicht von vorneherein den Stempel „Verlierer“ auspacken und den Bewerber in eine Schublade stecken?

Falls bereits der erste Schritt in die Opferrolle getan wurde: Bitte heraustreten und neu ansetzen! Sie als Selbstständiger waren und sind aktiv, also eher Täter als Opfer, egal wie ihre momentane Unternehmenssituation aussieht. Machen Sie sich bewusst, dass Sie einem Unternehmen mit Ihren Erfahrungen, Ihrer Flexiblität und Ihrer Leistungsfähigkeit einen erstklassigen Mitarbeiter anbieten. Sie mussten gegenüber Ihren Kunden und Geschäftspartnern selbstbewusst auftreten. Bewahren Sie sich dieses Selbstbewusstsein und bringen Sie es in den Bewerbungen zur Geltung.

Als Unternehmer können Sie sich kein Zeugnis schreiben, das der Bewerbung beigefügt werden kann. Zwecks Referenzen könnten Sie Kunden fragen, ob diese ein paar Zeilen über die Leistungen Ihres Unternehmens schreiben würden. Fragen Sie aber auch nach, ob Sie diese Zeilen als Referenz nutzen dürfen. Dasselbe gilt für Geschäftspartner, die um ein Empfehlungschreiben gebeten werden können.

Das Bewerbungsschreiben sollte positiv formuliert sein und dem Unternehmen den Nutzen aufzeigen, den er durch die Einstellung des Kandidaten hätte. Im Lebenslauf können die besonderen Erfolge als Unternehmer aufgeführt werden.

Werden Sie zum Jobgespräch eingeladen, lassen Sie sich nicht auf Rechtfertigungen ein. Fragt man Sie nach den Gründen für den Wechsel von der Selbstständigkeit in das Angestelltenverhältnis, führen Sie kurz Ihre beruflichen Ziele auf – die Sie sich selbstverständlich in der Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch überlegt haben.

Als Unternehmen mussten Sie Kunden und Geschäftspartner von Ihren Produkten oder Ihrer Dienstleistung überzeugen. Jetzt geht es darum, sich selbst als sehr guten Mitarbeiter zu verkaufen. Im Vorfeld haben Sie sich die Merkmale bewusst gemacht, die Ihre Persönlichkeit unterstreichen und die für den Job relevant sind. Tragen Sie nicht zu dick auf, denn das mögen Personaler nicht. Belegen Sie anhand Ihrer unternehmerischen Erfolge, mit welchen Eigenschaften diese Erfolge erzielt werden konnten.

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