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Warum der 8-Stunden-Arbeitstag nicht unbedingt schlecht für Dich ist

Warum der 8-Stunden-Arbeitstag nicht unbedingt schlecht für Dich ist

Die Arbeitgeberverbände sind für eine Abschaffung des 8-Stunden-Arbeitstages. Das mag auf den ersten Blick positiv sein, doch der 8-Stunden-Tag bringt durchaus Vorteile mit sich, wogegen die Abschaffung für den ein oder anderen eher negativ sein könnte.

Work-Life-Balance oder: Kein wirkliches Privatleben mehr?

Arbeiten wann man möchte – das ist der Wunsch vieler Arbeitnehmer. Sie möchten lieber Zuhause einen Teil der Arbeit erledigen, statt acht Stunden am Arbeitsplatz zu verbringen. Work-Life-Balance wird damit angestrebt, doch die Balance zwischen Berufs- und Privatleben zu finden, ist nicht immer einfach.
Bereits jeder sechste deutsche Berufstätige klagt darüber, dass die Grenze zwischen Arbeit und Feierabend verschwimmt. Flexible Arbeitszeiten lassen zwar den berufstätigen Vater mehr Zuhause sein, sodass er die Entwicklung seines Kindes besser miterleben kann, aber dafür hat er keinen eindeutigen Feierabend mehr. Dann wird am Wochenende gearbeitet oder der späte Abend nicht zum Entspannen genutzt, sondern zum Erledigen von beruflichen Aufgaben.

Abschaffung des 8-Stunden-Tages könnte zu Mehrarbeit führen

Der 8-Stunden-Tag wurde eingeführt, damit die berufliche Belastung von Arbeitnehmern möglichst gering gehalten wird. Arbeitgeber müssen sich demnach an diese Größe halten. Käme es nun zur Abschaffung dieser Größe, kann man davon ausgehen, dass viele Arbeitnehmer mehr als acht Stunden täglich arbeiten werden.

Wer in einem Unternehmen arbeitet, in dem es keine Tarifverträge und keine Gewerkschaft gibt, wird damit rechnen müssen, länger als acht Stunden pro Tag zu arbeiten. Dadurch kann von Work-Life-Balance nicht mehr die Rede sein und gerade das fordern viele junge Berufstätige. Da wo Gewerkschaften Einfluss nehmen können und sich an Tarifverträge gehalten werden muss, können die Arbeitnehmer in der Regel nach maximal acht Stunden die Arbeit hinter sich lassen und den Feierabend beginnen. Wird der 8-Stunden-Tag abgeschafft, gibt es keine Grenze mehr die besagt, dass nun allerhöchste Zeit für den Feierabend ist. Wann fangen dann die Überstunden an, die bezahlt werden müssen und wann ist noch von normaler Arbeitszeit die Rede?

Allerdings informiert Ingo Kramer (Arbeitgeberpräsident) darüber, dass es statt der täglichen maximalen Arbeitszeit eine Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit geben soll. In manchen Branchen wird bereits ähnlich agiert. Arbeitnehmer im Baugewerbe oder in der Chemie- und Metallindustrie arbeiten oft länger als acht Stunden täglich und können die Mehrarbeit später mit Freizeit ausgleichen. Davon profitieren vor allem die Unternehmer, die bei solch einer Regelung Kosten für Überstundenzahlungen sparen und auch an Zuschlagszahlungen vorbeikommen.

Trend geht Richtung Work-Life-Blending

Abgesehen von der Idee, den 8-Stunden-Tag abzuschaffen, ist der Trend Richtung Work-Life-Blending schon in vollem Gange. Das Randstad Arbeitsbarometer zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zur Arbeitswelt 4.0. Demnach verschmelzen Berufs- und Privatleben von vielen Arbeitnehmern, obwohl der 8-Stunden-Tag noch besteht.

Für die Umfragen wurden Arbeitsgewohnheiten von rund vierhundert deutschen Arbeitnehmern abgefragt. Durch die Option, im Home Office zu arbeiten und aufgrund Laptops, Smartphones und anderen mobilen Endgeräten gibt es keine klare Grenze mehr, die Arbeitsleben und Privatleben trennt. 47 Prozent der Befragten haben kein Problem damit, in der Freizeit berufliche Emails zu beantworten oder Telefongespräche zu führen. 53 Prozent sehen sich aber nicht in der Pflicht, in der Freizeit beruflich zu kommunizieren. Aber es geht nicht nur der Beruf in das Privatleben über, sondern auch umgekehrt: 58 Prozent der Teilnehmer sagten aus, dass sie während ihrer Arbeitszeit private Anliegen erledigen. Bei den Berufstätigen zwischen 18 und 34 Jahren sind es 69 Prozent, die private Angelegenheiten während der Arbeitszeit erledigen.

Wenn sich Arbeit mit Privatleben vermischt – So klappt es mit Work Life Blending

Viele Unternehmen erlauben ihren Mitarbeitern das Vernetzen im Betrieb mit eigenen Endgeräten. Zudem wird immer mehr Wert darauf gelegt, dass sich Mitarbeiter im Unternehmen wohlfühlen. Dazu werden beispielsweise Feelgood-Coachs engagiert, die für eine Wohlfühl-Atmosphäre sorgen sollen.

Wird Arbeit mit Privatangelegenheit vermischt, entwickeln sich auch neue und andere Beziehungen zwischen den Kollegen, die dann nicht selten freundschaftlicher Natur sind. Wie Studien zeigten, wird dadurch ein positives Arbeitsklima geschaffen, das produktiver werden lässt. Die Mehrzahl der Mitarbeiter ist engagierter und motivierter.

Allerdings gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille, denn wo ein freundschaftlicher Umgang vorherrscht, wird mehr von sich preisgegeben. Das kann zum Konflikt führen, weil sich nicht mehr ausschließlich auf der Sachebene unterhalten wird. Manche Kollegen möchten keine tiefgründigen Gespräche im Berufsleben führen und andere nutzen die Offenheit ihrer Kollegen schamlos für ihre eigene Karriere aus. Dennoch kann es mit Work Life Blending funktionieren, wenn man sich an ein paar Regeln hält:

  • Man sollte Grenzen ziehen lernen, um selbst entscheiden zu können, wem ich Privates erzähle und wem nicht. Die Grenzen sollten jedoch nicht so eng gezogen werden, dass Privatangelegenheiten gar keinen Platz im Job finden können.
  • Treten Probleme auf, sollte darüber offen und ehrlich gesprochen werden. Nur so lassen sich Lösungen finden, bevor der Konfliktherd zu brodeln beginnt.
  • Da Arbeit und Privatleben verschwimmen kommt es häufig vor, dass Freundschaften unter Kollegen entstehen, aber im Privatleben Sozialkontakte verkümmern. Verliert man seinen Job, verliert sich auch oftmals dieser Freundeskreis unter Kollegen. Deshalb sollten freundschaftliche Beziehung im Privatleben gepflegt werden.
  • Lästern über den Boss sollte vermieden werden. Es gibt immer den ein oder anderen Kollegen, der diese Lästerei zum eigenen Vorteil ausnutzt. Der Schuss könnte nach hinten losgehen wenn der Chef erfährt, wie über ihn geredet wird.
  • Trotz verschwimmender Grenzen – auch zwischen Kollegen und Freunden – sollte darauf geachtet werden, dass die Arbeit Vorrang hat. Das bedeutet: Gegen einen kleinen Smalltalk unter Kollegen wird der Chef nichts haben, aber wenn sich mehr um Gespräche mit Kollegen gekümmert wird und Aufgaben liegenbleiben, muss mit Ärger gerechnet werden.

Und nicht vergessen bei Facebook und Co. die Einstellungen zu kontrollieren, damit nicht jeder der Kontaktliste private Angelegenheiten mitbekommt.

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