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Was tun, wenn der Arbeitgeber das letzte Gehalt nicht zahlt, nachdem man gekündigt hat?

Was tun, wenn der Arbeitgeber das letzte Gehalt nicht zahlt, nachdem man gekündigt hat?

Ein Arbeitsverhältnis beenden

Es gibt viele Gründe, aus denen Arbeitnehmer beim Arbeitgeber ihre Kündigung einreichen. Manche Mitarbeiter haben das Glück, sich durch einen Jobwechsel finanziell und auch hinsichtlich des Aufgabenbereichs zu verbessern. Andere haben ein neues Berufsfeld für sich entdeckt und wechseln in eine alternative Branche. Besonders bei Frauen kommen Kündigungen vor, wenn sie zur Betreuung und Pflege von Kindern oder anderen Familienangehörigen ihren Beruf aufgeben müssen oder möchten. Nicht zuletzt ist die Unzufriedenheit im Alltag, bedingt durch Über- oder Unterforderung, zu geringe Bezahlung oder schlechtes Arbeitsklima ein Grund, einen Job zu kündigen.

Wenn der Arbeitnehmer seinen Arbeitsvertrag kündigt, ist er verpflichtet, die vertraglich festgehaltenen Bedingungen zu berücksichtigen. Dazu zählen die Einhaltung einer Kündigungsfrist und andere Sachverhalte, die in diesem Fall relevant werden. Das kann beispielsweise die Rückzahlung einer kürzlich erhaltenen Sonderzuwendung wie Weihnachtsgeld oder die Abgeltung von ausstehenden Urlaubstagen und Überstunden betreffen. Nicht nur der Arbeitnehmer ist für eine ordnungsgemäße Abwicklung der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses verantwortlich. Der Arbeitgeber hat ebenfalls Obliegenheiten.

Der Arbeitgeber zahlt das letzte Gehalt nicht: Der erste Schritt

Immer wieder geraten Arbeitnehmer in die missliche Situation, dass nach der Einreichung ihrer Kündigung der Arbeitgeber das letzte Gehalt nicht ausbezahlt. Der Arbeitgeber ist jedoch zur Gehaltszahlung verpflichtet. Bevor ein Gang zum Arbeitsgericht die letzte Chance darstellt, an das Geld zu kommen, sollten Arbeitnehmer den Chef zunächst anmahnen.

Der erste Schritt, den ein Arbeitnehmer unternimmt, wenn die Firma das ausstehende finale Gehalt nicht zahlt, ist die schriftliche Aufforderung zur Zahlung. In dem schriftlichen Gesuch setzt der Arbeitnehmer eine Frist, innerhalb der das Geld auf seinem Konto eingegangen sein soll. Hierfür ist die Dauer einer Woche bis zu zehn Tagen empfehlenswert. Konkret benennt der Arbeitnehmer in seinem Brief den zu zahlenden ausstehenden Gesamtbetrag und das genaue Datum, wann die Frist endet.

In Abhängigkeit des Verhältnisses zum Arbeitgeber kann es sinnvoll sein, wenn der Arbeitnehmer in seiner Zahlungsaufforderung direkt einen Satz inkludiert, der deutlich macht, was die Konsequenzen einer Nichtbeachtung sind. Wenn es keine Gesprächsbereitschaft seitens des Arbeitgebers gibt, sollte der Arbeitnehmer darauf hinweisen, dass, so die Gehaltszahlung nach Ablauf der gesetzten Frist nicht auf dem Bankkonto eingegangen ist, eine Klage beim Arbeitsgericht erfolgt.

Das letzte Gehalt beim Arbeitsgericht einklagen

Der Besuch des Arbeitsgerichtes und die Einreichung einer Klage sind unvermeidlich, wenn der Arbeitgeber nach einer fristgerechten und ordnungsmäßigen Kündigung das letzte Gehalt trotz schriftlichem Appell nicht bezahlt. Wird die Klage notwendig, muss der Arbeitnehmer nicht sofort einen Anwalt hinzu ziehen. In der ersten Instanz des Verfahrens hilft die sogenannte Antragshilfestelle beim Arbeitsgericht ihren Klienten bei der Ausformulierung der Klage. In den häufigsten Fällen kommt es im Anschluss an die Klagestellung zu einer Güteverhandlung zwischen beiden Parteien. Eine solche Verhandlung findet in der Regel rund fünf Wochen nach der Klageeinreichung statt. Die Mehrzahl der Arbeitgeber ist dann bereit, die noch offene Gehaltssumme zu zahlen. Damit wird das Verfahren abgeschlossen und eingestellt. Bei der gütlichen Einigung durch einen Vergleich fallen keine Gerichtskosten an. Arbeitnehmer müssen sich also zu Beginn darüber nicht den Kopf zerbrechen, welche Kosten auf sie zukommen, wenn sie die Klage einreichen.
Nur wenn es nicht zu einem Vergleich kommt, steigt das Verfahren in eine nächste Instanz auf. Dann ist es nötig, einen Anwalt zu beauftragen. Der Rechtsbeistand sollte dann professionell einschätzen, wie die Aussichten des Verfahrens stehen und ob die Höhe des offenen Betrages für eine Fortführung sinnvoll und vernünftig ist.

Ein Erfahrungsbericht aus Sicht des Arbeitnehmers

Günther K., 33, arbeitete viele Jahre als Fensterbauer in einer Tischlerei. Er fühlte sich als fester Bestandteil des langjährigen Kollegenstammes. „Das Arbeitsklima bei uns war immer freundlich und sehr angenehm, alles lief prima. Bis zu dem Zeitpunkt, als der Chef ziemlich plötzlich die Geschäftsführung in die Hände seiner Tochter übergab. Sie hatte studiert und wollte nun frischen Wind in die Firma bringen. ‘Neue Besen kehren gut‘, sagt man ja so, aber bei uns war quasi über Nacht ein frostiges Klima, herrische Töne und eine sonderbare Befehlsform an der Tagesordnung.

Alles im Alltag wurde überaus unangenehm. Nach wenigen Wochen hatte der erste Kollege einen neuen Arbeitsplatz gefunden und war ruck-zuck weg. Seine Stelle wurde nicht neu besetzt, dafür durften wir Verbleibenden entsprechend mehr und länger arbeiten. Einen Ausgleich dafür gab es – mit Ansage – nicht. Ich habe mich dann auch auf die Suche gemacht und hatte bald Glück, einen neuen Job zu finden. Meine Kündigung habe ich fristgemäß geschrieben.

Die neue Geschäftsführerin war darüber persönlich so beleidigt, dass sie mich mit sofortiger Wirkung von der Arbeit frei gestellt und nach Hause geschickt hat. Die Zahlung des letzten Lohns hat sie nicht angewiesen. Nach einer Anmahnung musste ich mein Geld beim Arbeitsgericht einklagen. Das hat sogar alles in allem recht problemlos geklappt, ich hatte alle Unterlagen und Nachweise vollständig dabei. Aber ich habe zwei kleine Töchter und die Rennerei und die Sorgen, die man in einer solchen Situation hat, sind eine unnütze dreifache Belastung. Glücklicherweise habe ich durch einen Vergleich mein Geld dann bekommen. Beim neuen Betrieb habe ich es ganz gut getroffen, aber ich bin noch traurig darüber, dass eine im Grunde schöne und kollegiale Arbeitswelt nach vielen Jahren läppisch zerstört wurde.

Rechte und Pflichten gelten wechselseitig

Arbeitgeber stehen grundsätzlich in der Pflicht, Lohn für geleistete Arbeit auch nach einer Kündigung korrekt abzurechnen und auszuzahlen. Arbeitnehmer, die vorschriftsmäßig gekündigt haben, brauchen sich nicht zu arg zu sorgen, an ihr verdientes Entgelt zu kommen. Ärgerlich und zeitaufwendig ist ein solches Vorkommnis in jedem Fall. Oftmals bestätigt dieses Verhalten des Arbeitgebers, dass es die richtige Entscheidung des Arbeitnehmers war, das Arbeitsverhältnis zu beenden.

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