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Welche Jobchancen haben Asylbewerber auf dem Arbeitsmarkt?

Welche Jobchancen haben Asylbewerber auf dem Arbeitsmarkt?

Allgemeine Erleichterungen für Asylbewerber

Bundestag und Bundesrat haben per Gesetz beschlossen, dass für geduldete Ausländer und Asylbewerber in Deutschland zum 01. Januar und 01. März 2015 Lockerungen gelten. Die sogenannte Residenzpflicht ist aufgelockert. Asylsuchende dürfen sich im ganzen Bundesgebiet freier bewegen als vorher. Nach einem Aufenthalt von insgesamt drei Monaten im Bundesgebiet soll die Residenzpflicht vollständig aufgehoben werden. Zur selben Zeit muss jedoch gewährleistet sein, dass soziale Belastungen innerhalb der Länder weiterhin gerecht verteilt werden.

Asylbewerber, die keinen gesicherten Lebensunterhalt vorweisen können, bleiben an einem festgelegten Wohnort, wo die Sozialleistungen abfallen. Darüber hinaus passt die Bundesregierung das Asylbewerberleistungsgesetz an. Sie hebt den Sachleistungsvorrang teilweise auf und verfügt, dass Asylbewerbern künftig mehr Geldleistungen zustehen. Diese Verschiebung soll den Verwaltungsaufwand innerhalb der Kommunen erheblich senken. Zur Vermeidung von Versorgungsengpässen bleiben Sachleistungen nach wie vor möglich.

Vereinfachung des Arbeitsmarktzuganges für Asylbewerber

Die Bundesregierung verzichtet in besonderen Fällen auf die Vorrangprüfung beim Eintritt in den Arbeitsmarkt. Die Agentur für Arbeit benötigte bisher für die Beschäftigung von Geduldeten und Asylbewerbern bestimmte erfüllte Voraussetzungen. Eine Zustimmung war nur denkbar, wenn für das jeweilige Stellenangebot kein deutscher Arbeitnehmer, EU-Bürger oder rechtlich gleichgestellte Ausländer in Frage kamen. Durch die Anstellung von Asylbewerbern durfte sich zudem keine nachteilige Konsequenz auf dem Arbeitsmarkt zeigen. In folgenden Fällen entfällt die Vorrangprüfung:

  • Hochschulabsolventen in Berufen mit Engpässen, die die Bedingungen für eine Blaue EU Karte erfüllen,
  • Fachkräfte mit einem anerkannten Ausbildungsabschluss in einem Engpassberuf gemäß der Positivliste des Arbeitsamtes beziehungsweise, die an einem Seminar für die Berufsanerkennung teilhaben,
  • Wenn die Arbeitssuchenden seit 15 Monaten oder länger ununterbrochen und erlaubt, geduldet oder via Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland leben.

Welche Jobchancen haben Asylbewerber?

In den ersten drei Monaten ihres Verweilens in Deutschland dürfen Flüchtlinge ohne Arbeitserlaubnis nicht arbeiten oder eine Ausbildung beginnen. Danach verbessern sich die Aussichten auf eine Beschäftigung bloß geringfügig. Es gibt immer noch rechtlich bevorzugte Arbeitnehmer aus dem eigenen Land oder EU-Ländern. Ohne jedwede Einschränkung dürfen Asylbewerber und Flüchtlinge in Deutschland nach einem Aufenthalt von mindestens 15 Monaten einer Arbeit nachgehen.

Die Unterbringung in Großunterkünften und rechtliche sowie sprachliche Beschränkungen halten viele Asylbewerber nach wie vor vom Arbeitsmarkt fern. Besonders die mangelnde, flächendeckende Sprachförderung von Flüchtlingen trägt dazu bei, dass lediglich wenige einen Job ergattern. In Regionen, wo es Arbeitsmöglichkeiten für Asylbewerber gibt, müssen Arbeitgeber vor der Einstellung eines Flüchtlings abwarten, bis das Arbeitsamt überprüft hat, ob es einen anderen bevorrechtigten Arbeitnehmer für die Stelle gibt oder nicht. Ein Zeitverzug, der dazu führt, dass viele Arbeitgeber davon absehen, das Verfahren überhaupt erst aufzunehmen. Ein ungesicherter Aufenthalt in Deutschland verringert ebenfalls die Jobchancen von Flüchtlingen. Ausbildungsbetriebe und Arbeitgeber sehen aufgrund dieses Unsicherheitsfaktors meist von einer Anstellung ab.

Initiativen der Industrie

Große Betriebe wie Bosch oder Daimler setzen verstärkt auf die Beschäftigung von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Deutschkenntnisse sind dafür vonnöten. Durch besonderes Engagement wollen die Industriebetriebe erreichen, dass Asylbewerber schon nach einem Monat Aufenthalt in Deutschland eine Arbeit annehmen dürfen. Dabei interessieren sich die Unternehmen sowohl für gelernte Fachkräfte als auch für Auszubildende, die sie entsprechend in vielen Bereichen einsetzen und fördern wollen. Die Bürokratie erschwert solche Vorhaben noch. Oftmals ist aufgrund fehlender Dokumente und Verständigungsmöglichkeiten nicht feststellbar, was ein Flüchtling genau gelernt hat und über welche fachlichen Fähigkeiten er/sie verfügt.

Erlebnisse eines Flüchtlings bei der Jobsuche

Ibrahim W., 28, ist aus Afghanistan geflüchtet. Die Sachen, die er am Körper trug und eine kleine Tasche mit Habseligkeiten war alles, was er nach Deutschland mitbringen konnte. Etwas Deutsch hatte er bereits im Heimatland gelernt, jetzt belegt er einen Sprachkurs. Inzwischen lebt er schon zehn Monate in Deutschland.

„Ich habe zu Hause an einer Art Hochschule für Technik einen Abschluss gemacht, der in Deutschland dem eines Ingenieurs gleich kommt. Aber meine Zeugnisse gelten hier nicht, sie sind nicht anerkannt, nichts wert. Ich lebe in einer großen Unterkunft mit vielen Asylbewerben aus unterschiedlichsten Ländern. Wir verständigen uns mit Gestik. Damit ich hier Anschluss finde, habe ich mich im Sportverein für die Volleyballmannschaft vorgestellt, da darf ich jede Woche mitspielen. Das liegt mir. Über die Bekanntschaften dort habe ich nun eine kleine Arbeit gefunden. Ich räume ein paar Stunden in einer Druckerei das Lager auf. Das entspricht nicht meiner Ausbildung und viel Geld gibt es auch nicht. Aber es ist besser, als von früh bis spät in der Großunterkunft zu hocken und nichts zu tun. Das kann ich nicht gut ertragen. Ich hoffe, dass es mit dem Asylantrag klappt und dass meine Zeugnisse doch noch irgendwie anerkannt werden. Eine eigene Wohnung wäre schön. Leider weiß ich nicht, wer von meiner Familie noch in Afghanistan ist oder ob meine Mutter und jüngeren Brüder inzwischen auch fort sind. Ich habe keine Kontaktmöglichkeiten und bin zwischendurch hier ziemlich allein.“

Das geringfügige Gehalt von Ibrahim W. reicht nicht aus, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine volle Stelle hat er bislang nicht bekommen.

Stillstand des Lebens während des Asylverfahrens

Um die Eingliederung von Flüchtlingen in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt voran zu treiben, brauchen Jobcenter mehr Geld für Förderungen und insgesamt noch weniger bürokratische Vorgänge. Unter den durch die Behörden in 2015 erwarteten etwa 450.000 Asylanträgen sind viele Menschen, die langfristig in Deutschland bleiben werden. Gerade junge Asylbewerber sind oft bestrebt und motiviert, einen Lebensstandard in Deutschland aufzubauen. Langwierige Administrationsverfahren und unsichere Aussagen in Politik und Wirtschaft führen jedoch dazu, dass die Menschen monatelang fest sitzen und kaum Bewegungsspielraum haben. Asylbewerber mit Bleibeperspektive und Geduldete sollten die Chance erhalten, sich in Deutschland einzufügen. Das wäre auf allen Ebenen wichtig: Kulturell, menschlich und beruflich.

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