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Wer wenig Geld hat, stirbt früher

Wer wenig Geld hat, stirbt früher

Das Leben von Menschen mit wenig Geld ist im Durchschnitt zehn Jahre kürzer als das der Besserverdiener. Wie kann es sein, dass die Lebenserwartung vom Geld abhängt? Eine Studie beweist nun, dass langes oder kurzes Leben nichts mit dem Einkommen zu tun hat.

Besserverdiener leben länger – aber warum?

Weltweit dürfen sich Menschen mit einem höheren Einkommen über ein längeres Leben freuen. Wie das Robert-Koch-Institut aussagt, liegt die Spanne der Lebenserwartung zwischen Arm und Reich bei zehn Jahren.

Die Lebenserwartung hängt von verschiedenen Einflüssen ab. Geld spielt also nicht die einzige Rolle. Zum Beispiel konnte festgestellt werden, dass die Lebenserwartung von Frührentnern kürzer ist als von den Arbeitnehmern, die längere Zeit im Berufsleben stehen. Klar dürfte auch sein, dass eine gesunde Ernährung und genügend Bewegung die Lebenserwartung erhöhen.

Dennoch scheint das Geld einen Einfluss auf die Länge des Lebens zu haben. Laut Robert-Koch-Institut sind Unterschiede der Lebenserwartung in den verschiedenen Einkommensschichten zu erkennen:

  • Die durchschnittliche Lebenerwartung von Männern in der Unterschicht beträgt 73,4 Jahre.
  • Männer der Oberschicht werden im Durchschnitt 80,9 Jahre alt.
  • Die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen in der Unterschicht liegt bei 81,9 Jahre.
  • Frauen der Oberschicht werden im Durchschnitt 85,3 Jahre alt.
  • Männer, die armutsgefährdert sind, werden im Durchschnitt 70,1 Jahre alt und die Lebenserwartung von Frauen dieser Einkommensschicht liegt bei 76,9 Jahre.

Anhand dieser Fakten müsste es also doch am Geld liegen, welches die Lebenserwartung bestimmt – zumindest bei den Männern sind die Unterschiede der Lebensjahre je nach Einkommensschicht relativ hoch. Können sich reichere Menschen bessere Lebensmittel und eine bessere Gesundheitsvorsorge leisten? Sind die Berufe der Besserverdiener weniger von Stress und Strapazen geprägt? Liegt es vielleicht an den Geldsorgen, die Arbeitnehmer mit geringen Einkommen krank machen?

Wie wäre es, wenn arme Menschen zu Geld kämen? Würde sich dann ihre Lebenserwartung verlängern? Dieser Frage ging ein Forscherteam der Universitäten Stockholm, New York und Cambridge nach.

Sorgt ein Lottogewinn für ein längeres Leben?

Die Forscher wollten wissen, ob sich das Leben der ärmeren Menschen verlängert, wenn sie plötzlich zu Geld kämen. So stellten sie Untersuchungen bei Lottogewinnern an: Über 2000 Lottogewinner von drei Lotterien in Schweden wurden in rund 24 Jahren untersucht. Die Gewinner bekamen entweder eine Rente ausgezahlt oder sie erhielten einen einmaligen Betrag.

All diese Lottogewinner müssten sich nun keine Geldsorgen mehr machen und könnten gesünder leben und ebenso den Job wechseln. Allerdings konnten die Forscher nicht bestätigen, dass sich die Lebenserwartung der Gewinner verlängerte.

Bildung, Freunde und weitere Einflussgrößen auf die Lebenserwartung

Die Lebenserwartung hat somit nicht viel mit dem Geld zu tun. Der Lebensstil ist eine Einflussgröße: Es wird davon ausgegangen, dass Menschen mit geringen Einkommen mehr rauchen, sich ungesund ernähren und sich wenig bewegen. Andere Faktoren gingen aus Untersuchungen vom Robert-Koch-Institut und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hervor:

  • Bildung – Wer sich bildet, weiß viel und hat unter anderem Wissen darüber, wie man sich gesund ernährt und welche Risiken Bewegungsmangel nach sich ziehen. Die Forscher aus den USA, aus Schweden und Großbritannien konnten herausfinden, dass sich bei Männern mit Abitur die Lebenserwartung um drei Jahre verlängert, im Vergleich zu den Männern mit mittlerer Reife. Bei Frauen hat der Bildungsabschluss kaum Einfluss auf die Lebenserwartung.
  • Freundeskreis – Gute soziale Kontakte nehmen Einfluss auf die seelische Gesundheit von Menschen. Warum ärmere Menschen weniger soziale Kontakte haben als Menschen mit höherem Einkommen ist nicht bekannt, aber ein Fakt. Auch ein Lottogewinn ändert nichts daran, obwohl nun Geld zur Verfügung stünde, um mehr in der Freizeit zu unternehmen. Für Frauen ist der Freundeskreis wichtiger als für Männer. Dafür spielt es bei Männern hinsichtlich der Lebenserwartung eine Rolle, ob sie verheiratet oder Single sind: Verheiratete Männer leben länger.
  • Beruf – Die Berufe der einkommensschwachen Gruppen sind häufig von großer Anstrengung und Stress geprägt. Dadurch kann sich das Risiko der Erkrankung erhöhen.

Wie viel Einfluss hat man auf die Lebenserwartung?

Es gibt sicherlich noch weitere Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen. Vielleicht liegt es auch an der Berufswahl: Menschen aus reicheren Familien haben wahrscheinlich eher die Möglichkeit sich einen Beruf auszusuchen, der ihren Wünschen entspricht. Die Option, erst einmal zu studieren und einige Jahre für die Ausbildung zu investieren (ohne Gehalt) wird sich für die meisten Menschen aus mittellosen Familien kaum ergeben.

Eventuell können sich Menschen mit hohem Einkommen mehr oder bessere Erholungspausen gönnen, während Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen auf Urlaub verzichten müssen oder auf Touristenangebote zurückgreifen, die weniger Entspannung bieten. So sind Sabbaticals wohl kaum von Arbeitnehmern zu nutzen, die jeden Cent drei Mal umdrehen müssen.

Allerdings kann sich jeder Mensch weiterbilden und sich Wissen aneignen. Dank Internet stehen unzählige Informationen kostenlos zur Verfügung. Weiterbildung und den Wissensstand erweitern hat also nichts damit zu tun, ob jemand viel oder wenig Geld hat.

Zudem gibt es Menschen, die kaum Geld besitzen und dennoch gesund, zufrieden und lange leben – die innere Einstellung wird ebenfalls einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit nehmen. Gedanken und Überzeugungen beeinflussen den biochemischen Cocktail der Hormone: Pessimisten mischen sich (unbewusst) ein Hormoncocktail, der nicht gerade von Glückshormonen gefüllt ist (Dr. Joe Dispenza erklärt es in seinem Buch „Schöpfer der Wirklichkeit“ ausführlicher). Die Gefühlslage wird unter anderem von Gedanken beeinflusst – und wer überwiegend negativ denkt, wird sich nicht wohlfühlen können. Wer sich nicht wohlfühlt, wird eher zu Mitteln wie Tabak, Alkohol oder Süßigkeiten greifen, um das Wohlgefühl zumindest eine kurze Zeit spüren zu können.

Zum Teil wird der Mensch seine Lebenserwartung selbst in der Hand haben, zum Teil ist sie vielleicht vorherbestimmt.

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