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Wut am Arbeitsplatz? Das kann man tun!

Wut am Arbeitsplatz? Das kann man tun!

Auslöser für Zorngefühle

Oft geht es schon auf dem Weg zur Arbeit los. Im Winter sind die Scheiben am Auto zugefroren und müssen enteist werden, obwohl es schon knapp ist mit der Zeit. Im Sommer staut sich der Verkehr auf der Autobahn oder in der Straßenbahn drängeln sich schwitzende, miefende Menschenmassen. Endlich im Büro angekommen, wartet schon ein unüberschaubarer Berg an Arbeit. Die Kollegen haben den ersten Kaffee leer getrunken, ohne welchen nachzukochen, und der Chef glänzt mit übler Laune. Da muss nicht erst noch der Kopierer streiken, bis die Hutschnur hoch geht. Und was dann? Die ungezügelte Energie hinaus schreien? Auf den Tisch hauen? Oder den Ärger lieber herunter schlucken, um es sich nicht mit Kollegen oder Vorgesetzten zu verderben?

Ein Wutball nutzt nichts!

Negativen Stress und Ärger in sich rein fressen, birgt laut Volksmund das Risiko von Magengeschwür oder Herzinfarkt. Tatsächlich belegen Studien, dass die Unterdrückung von Unmut zu einer Ausschüttung von Stresshormonen und Neurotransmittern führt. Der Körper benötigt eine gewisse Zeit, um diese Stoffe wieder abzubauen. Ein Tobsuchtsanfall ist aber auch keine gute Lösung. Schnell gibt es unerwünschten Streit mit Auswirkungen, die man gerne vermiede hätte. Und der Körper wird auch bei einem unkontrollierten Wutausbruch negativ gestresst. Der Puls schießt in die Höhe und der Blutdruck steigt. Die natürliche Reaktion eines menschlichen Organismus zur Bereitmachung für Flucht.
Im Grunde reduziert sich die Wut auf ein Angstgefühl. Angstgefühle haben eine toxische Wirkung auf den Stoffwechsel. Wer nun seine Aggression an einem Wutball abarbeitet und glaubt, anschließend gehe es ihm besser, liegt falsch. Ein Wutball ist ein kleiner Knautschball zum Kneten, Kicken oder Schleudern, um Wut sofort abzubauen. Doch die Hingabe in das wutentbrannte Verhalten erzeugt lediglich, dass die Produktion der Stresshormone den Körper weiter vergiftet. Der Wutball schafft demnach keine effiziente Abhilfe.

Mögliche Verhaltensmuster bei Wutausbrüchen

Im Büroalltag verbringt man häufig acht Stunden oder mehr im gleichen Raum mit den Kollegen. Der Platz ist begrenzt und unterschiedlichste Charaktere und Temperamente treffen aufeinander. Dazu kommt noch die Stimmung, die jeder von zu Hause mitbringt und ins Büro trägt. Reibereien sind vorprogrammiert und in der Regel unvermeidbar.

Tief atmen und bis drei zählen

In diesem Beispiel ist Marlen E. (49 aus Duisburg) sauer, weil der Kollege sein Mittagsgeschirr ungespült in der Spüle abgestellt hat. Es ist nicht möglich, den Wasserkran zu benutzen, ohne das dreckige Geschirr wegzuräumen oder eine unschöne Spritzdusche zu riskieren. Das kommt nicht zum ersten Mal vor. So zögert Marlen E. nicht lange und sucht den Kollegen umgehend auf: „Ich finde es unmöglich, dass du jeden Tag dein Mittagsgeschirr einfach in die Spüle stellst. Das spült sich nicht von allein und räumt sich auch nicht selbständig in den Schrank zurück. Warum muss ich immer deinen Dreck aufräumen?“. Der Kollege ist überrascht von dem spontanen Angriff: „Ich habe es tatsächlich abgestellt und dann einfach vergessen. Ich war mit meinen Gedanken ganz in die Projektarbeit vertieft.“ Marlen E. gibt sich damit nicht zufrieden: „Natürlich kommt hier abends immer die Reinigungskraft, aber es ist ausdrücklich nicht deren Aufgabe, unser schmutziges Geschirr zu spülen. Bei dir ist es doch immer das gleiche: ‚nach mir die Sintflut‘ und weg bist du!“ Ein anderer Kollege kommt hinzu und greift ein: „Reg dich doch wegen dem Geschirr nicht so auf, bleib locker!“ Aber Marlen E. mag sich nicht beruhigen „Du hältst dich mal ganz geschlossen. Du bist ja kein bisschen besser. Vorgestern erst hast du beim Tonerwechsel …..“

Noch ehe sie sich versieht, hat sich Marlen E. mit allen verzankt, die gerade ihren Weg kreuzen. Eine unangenehme Lage, wenn die Aggression abflaut und der Stress verdampft. Im Anschluss werden Entschuldigungen und Gespräche nötig, die unliebsam für alle Seiten sind. Bei aufkommender Wut empfiehlt sich, einen tiefen Atemzug zu nehmen und erst einmal langsam und konzentriert bis drei zu zählen. Danach übt man sich in Schweigen und findet eine geeignete Methode, um den aufgestauten Ärger abzubauen.

Bewegung gegen Zornausbruch

Wer tief durchgeatmet hat, baut Wutstress mit Bewegung ab. Wo es möglich ist, empfiehlt sich, einmal das Treppenhaus hinauf und wieder herunterzusteigen. Noch vorteilhafter ist es, sich mit einem kleinen Spaziergang an der frischen Luft abzulenken. Der stressgeplagte Mensch sollte sehr bewusst die Umgebung wahrnehmen und alle Sinne auf sie richten: Was gibt es zu hören, zu sehen, zu riechen? Wenn der Anlass für die Wut nur eine Bagatelle wie dreckige Kaffeetassen war, verfliegt sie schon nach wenigen Minuten. Anschließend geht es wieder fit in den Arbeitsalltag zurück.

Den Ärger hinunter spülen

Manchen Menschen hilft es, wenn sie ihren Zorn aktiv hinunter schlucken. Dazu bietet sich ein großes Glas stilles Wasser an. Säfte und Eistees sind ebenfalls gut geeignet, um in großen Schlucken Ärger zu verdrängen. Der Genuss von Alkohol ist an dieser Stelle negativ wirkend und nicht zu empfehlen.

Negative Energie in positive Energie verwandeln

Leichter gesagt als getan ist diese Variante der Wutbekämpfung. Dabei denkt der Betroffene intensiv darüber nach, was sich hinter dem Ärger, den er empfindet, tatsächlich verbergen könnte. Wenn beispielsweise die jungen Kollegen niemals das Papier im Drucker auffüllen und das Gefühl entstanden ist, selbst stets „nur der Botenjunge“ zu sein, führt das vielleicht zu der Erkenntnis, dass die eigene Person im Team nicht wertgeschätzt wird. In diesem Fall ist ein Wutausbruch durchaus ein Hinweis auf eine bestehende Situation, die geändert werden müsste. Klare Worte verhelfen zu einer konstruktiven Lösung. Am Ende harmoniert das Team besser.

Die Situation verlassen

Jeder verdient und erwartet respektvolle Behandlung. Sogar wenn es mal der Vorgesetzte ist, der aus der Haut fährt, darf ein Angestellter die Situation verlassen und den Dialog beenden. Dazu gehört eine ruhige und besonnene Ansage wie beispielsweise: „Hier kommen wir gerade in der Sache nicht weiter. Wir vertagen uns.“ Den Ärger über den Wutanfall des Chefs und eventuell unangemessene Kommentare lassen sich später individuell bereinigen. Da Chef und Mitarbeiter künftig weiter zusammenarbeiten wollen, ist ein klärendes Gespräch angezeigt. Wenn der Zorn abgeraucht ist, kommen alle Parteien zur Besinnung. Bestenfalls ergeben sich aus einem reinigenden Gewitter Veränderungen im Arbeits- oder Verhaltensprozess, die die Gesamtsituation optimieren.

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