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Arbeiten auf dem Weihnachtsmarkt zwischen Glühwein und Jutesack

Arbeiten auf dem Weihnachtsmarkt zwischen Glühwein und Jutesack

Adventsmarkt, Christkindlmarkt, Wintermarkt oder Weihnachtsmarkt: Alljährlich locken Veranstaltungen rund um das Fest in den meisten Städten zahlreiche Gäste an. Da dort bereits vorweihnachtliche Stimmung herrscht, heißer Glühwein ausgeschenkt und allerlei Essen angeboten wird, schlendern viele Besucher gerne über den Weihnachtsmarkt und erledigen gleich noch ein paar Weihnachtseinkäufe an den zahlreichen Ständen mit mehr oder weniger liebevoll gestalteten Handarbeiten.

Aber auf dem Weihnachtsmarkt zu arbeiten ist eine ganz andere Sache: Es ist stressig und hektisch, wegen des kalten Wetters muss man sich warm anziehen und die ständig gleichen Weihnachtslieder kann man irgendwann nicht mehr hören. Worin besteht also der Anreiz für Weihnachtsmarktarbeiter, sich diesem Stress alle Jahre wieder auszusetzen? Wir stellen einige typische Weihnachtsmarktjobs vor und zeigen, was man verdient und welche Vor- und Nachteile die Arbeit rund ums Fest mit sich bringt.

Weihnachtlicher Nebenjob: Wie ist die rechtliche Situation?

Wer auf dem Weihnachtsmarkt jobbt, tut dies meistens als Nebentätigkeit. Deshalb ist zunächst einmal zu klären, unter welchen Bedingungen man sich in der Weihnachtszeit etwas dazuverdienen kann. Zunächst einmal darf jeder, der bereits eine Vollzeitstelle hat, grundsätzlich eine Aushilfstätigkeit auf dem Weihnachtsmarkt annehmen, da in Deutschland Berufsfreiheit herrscht. Aufgrund des Arbeitsgesetzes kann es hier aber auch Einschränkungen geben. So kann etwa eine Klausel im Arbeitsvertrag enthalten sein, welche festlegt, dass dem Arbeitgeber geplante Aushilfstätigkeiten mitgeteilt werden müssen. Verbieten darf der Chef den Nebenjob jedoch nicht ohne Weiteres. Allerdings wird es problematisch, sobald die Aushilfstätigkeit dem Unternehmen Konkurrenz macht oder Geschäftsgeheimnisse für den Nebenjob genutzt werden. Das ist verboten und kann eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung nach sich ziehen.

Da es sich bei der Arbeit auf dem Weihnachtsmarkt um eine Saisonbeschäftigung handelt, besteht die Möglichkeit, auch ohne Lohnsteuerkarte zu arbeiten. Das bedeutet, dass selbst diejenigen, die bereits einen Nebenjob auf 450-Euro-Basis ausüben, noch zusätzlich auf dem Weihnachtsmarkt jobben können.

Dennoch gibt es auch Beschränkungen durch das Arbeitsgesetz. Wer dauerhaft zwei Jobs ausüben will, darf beispielsweise wöchentlich nicht mehr als 48 Stunden arbeiten. Da es sich bei den Aushilfstätigkeiten auf dem Weihnachtsmarkt jedoch um einen Job mit begrenztem Zeitraum handelt, hat man die Möglichkeit, bis zu 60 Wochenstunden zu arbeiten.

Die Topberufe auf dem Weihnachtsmarkt

In erster Linie sind auf Weihnachtsmärkten Aushilfen, vor allem Schüler und Studierende, beschäftigt. Aber natürlich haben auch einige Familienbetriebe alljährlich ihre festen Stände, welche sie selbst betreiben. Da es sich bei Weihnachtsmärkten um ein Saisongeschäft handelt, sind das Jobangebot sowie auch die Nachfrage kurz vor Weihnachten immer hoch, weshalb sich hier einige lukrative Aushilfsjobs finden lassen. Wer also einen dieser Jobs ergattern will, sollte sich rechtzeitig bewerben – bestenfalls bereits im Herbst. Zahlreiche Angebote findet man online, aber auch in Lokalzeitungen wird immer wieder gesucht.

Aufgrund des vielfältigen Angebots auf Weihnachtsmärkten, egal ob im Bereich Unterhaltung oder im Verkauf, lassen sich dort auch zahlreiche Jobs finden. Diese reichen vom Einlasskontrolleur über die Weihnachtsbäckerin bis zum Fahrgeschäftsbetreiber.

Die meisten Stellenangebote aber gibt es für Verkäuferinnen und Verkäufer an den Glühweinständen. Dort werden in der Regel neben dem bekannten Glühwein auch andere Heißgetränke wie etwa Punsch, Met oder Feuerzangenbowle angeboten. Klar, dass das Geschäft mit Heißgetränken gerade auf dem Weihnachtsmarkt bei kalten Temperaturen boomt. Besonders am Wochenende herrscht hier Hochbetrieb. Da kann es für die Verkäufer schon auch mal ziemlich stressig und hektisch zugehen: Wer hier gleichzeitig bedient, ausschenkt und abrechnet, muss aufpassen, in dem Trubel nicht den Überblick zu verlieren. Auch mit betrunkener und aufdringlicher Kundschaft hat man es hier öfter zu tun, weshalb Gelassenheit und gute Laune das A und O sind. Gerade im Glühweinverkauf fallen außerdem häufig Schichten in den Abendstunden an, da viele Besucher auch gerne nach der Arbeit gemeinsam mit Kollegen noch auf einen Absacker vorbeikommen.

Trotz des großen Andrangs sind die großen Verdiener hier nicht die Aushilfen, sondern die Budenbetreiber. Während man als Verkäufer am Glühweinstand ungefähr 10 Euro verdient, nimmt der Standbesitzer meistens knapp die Hälfte des Preises jedes verkauften Glühweins ein. Bei einem Preis von durchschnittlich drei Euro sind das fast 1,50 Euro pro Becher!

Ein weiterer typischer Weihnachtsmarktjob ist der Verkauf an Imbissbuden aller Art. Egal ob Würstchen, Schmalzkuchen, gebrannte Mandeln, Sauerkraut oder Lebkuchen, hier ist für jeden Hunger etwas dabei. Ähnlich wie beim Glühweinverkauf ähnelt diese Tätigkeit am ehesten einem Nebenjob in der Gastronomie. Man nimmt Bestellungen auf, kümmert sich um die Zubereitung und kassiert schließlich ab. Auch bei dieser Arbeit kann es in den Stoßzeiten zu Gedränge und Hektik kommen, weshalb starke Nerven gefragt sind. Der Verdienst bei dieser Tätigkeit entspricht etwa dem von Glühweinverkäufern.

Aber Weihnachtsmärkte bieten nicht nur eine gute kulinarische Verpflegung, sondern es gibt auch zahlreiche Kunsthandwerkstände, die von hochwertigen selbstgemachten Waren bis zu billigem Ramsch allerlei Artikel anbieten. Hier kann man als Verkäufer und Verkäuferin z. B. Schmuck, Textilien, Dekoartikel, Kerzen und vieles mehr an die Kunden bringen. Als Mitarbeiter kümmert man sich um die richtige Präsentation der Ware, die Regal- bzw. Standpflege, das Verpacken der Artikel und natürlich den Verkauf. Dementsprechend übernimmt man als Verkäufer an Kunsthandwerkständen ähnliche Tätigkeiten wie bei einem Job im Einzelhandel. Das Gehalt liegt ebenfalls ungefähr bei 10 Euro Stundenlohn, allerdings ist es an derartigen Verkaufsständen nicht unüblich einen Stücklohn oder eine Provision zu erhalten, weshalb der Verdienst sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Auch die Christbaumverkäufer und -verkäuferinnen dürfen natürlich auf keinem Weihnachtsmarkt fehlen, da jeder pünktlich zu den Festtagen einen schön geschmückten Tannenbaum bei sich zu Hause stehen haben möchte. Trotz der anstrengenden Arbeit, bei welcher man stundenlang in der Kälte Weihnachtsbäume herumträgt und für die Kunden fertig verpackt, ist diese Tätigkeit äußerst lohnenswert. Die Tätigkeit als Tannenbaumverkäufer ist einer der lukrativsten Weihnachtsmarktjobs. Man erhält hier etwa zwischen 10 und 14 Euro Stundenlohn und wird häufig sogar noch am Umsatz beteiligt.

Ho-ho-hochbezahlt? Was Weihnachtsmänner verdienen

Der bestbezahlte Weihnachtsjob ist jedoch ganz klar der des Weihnachtsmanns. Bei kaum einer Aushilfstätigkeit gibt es so einen festlichen Stundenlohn. Egal, ob man als freundlicher Weihnachtsmann Nüsse, Mandarinen und Süßigkeiten an die Kinder auf dem Weihnachtsmarkt verteilt oder eine Familie privat zu Hause besucht: Der Herr im roten Mantel ist in der Adventszeit unverzichtbar.

Diejenigen, die als private Weihnachtsmänner Aufträge annehmen, um Kinder an Heiligabend oder den Weihnachtsfeiertagen zu Hause zu überraschen, besuchen diese meistens nur ein paar Stunden nachmittags oder abends. Für den gesamten Zeitraum der Feiertage erhalten sie in der Regel eine Pauschale von 450 bis 500 Euro.

Bei rund 15 Stunden Arbeit, in welchen die Weihnachtsmänner täglich drei bis vier Hausbesuche machen, ergibt das einen Stundenlohn von 30 Euro. Wer selbstständig und nicht über eine Vermittlung tätig ist, kann pro Besuch auch schon mal 50 bis 60 Euro verlangen. Allerdings beschränkt sich die Arbeit nicht nur auf den Besuch bei den Familien. Die Weihnachtsmänner müssen sich vorab in der Regel selbstständig um das Kostüm kümmern und auch Vorbereitungskurse besuchen. Auch wird von ihnen erwartet, dass sie sich vorab über die Kinder, deren Wünsche und über ihr Verhalten während des vergangenen Jahres bei der Familie informieren, damit sie während des Besuchs persönliche Fragen und Bemerkungen an sie richten können. Dementsprechend fällt der Stundenlohn dann insgesamt doch etwas geringer aus.

Von lockerem Glühweinschlürfen und harter Arbeit: Fazit

Arbeitsstellen auf dem Weihnachtsmarkt, besonders die Verkaufstätigkeiten, erweisen sich somit als ganz normale Jobs, wie man sie aus Einzelhandel oder Gastronomie kennt. Die häufigen Vorurteile gegenüber Aushilfen auf dem Weihnachtsmarkt, dass dies kein ernsthafter Job sei, sondern man nur die Kunden bespaße, sich nett unterhalte und selbst mal einen Glühwein mittrinke, stellen sich als unwahr heraus.

Arbeiten auf dem Weihnachtsmarkt ist vielmehr ein ganz schöner Knochenjob. Trotz ständiger Kälte, lauten Weihnachtsliedern in Dauerschleife, den vielen verschiedenen und sich vermischenden Gerüchen und den drängelnden und hektischen Kunden muss man dennoch die Ruhe und den Überblick bewahren und stets freundlich und zuvorkommend reagieren. Wer auf dem Weihnachtsmarkt arbeiten möchte, muss also ein paar echte Qualitäten mitbringen. Man sollte Spaß am Umgang mit Kunden haben und auch kommunikationsfreudig und offen sein. Von Kälte und gastronomietypischem Stress lässt man sich besser nicht aus der Ruhe bringen, denn gerade in den Abendstunden und an Wochenenden geht es ganz schön hektisch und laut auf Weihnachtsmärkten zu. Ebenfalls ist es im Saisongeschäft wichtig, wo in kurzer Zeit viel Umsatz erwirtschaftet werden soll, zuverlässig zu sein und effizient zu arbeiten. Im Optimalfall bringt man bereits erste Verkaufserfahrungen mit.

Wer sich also die Arbeit auf dem Weihnachtsmarkt vorstellen kann und mit den besonderen Umständen dort gut zurechtkommt, hat auf jeden Fall einen gut bezahlten, interessanten und abwechslungsreichen Nebenjob in besinnlicher Weihnachtsatmosphäre.

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Quellen:

Hamburger Abendblatt
Handelsblatt
Merkur.de
Stellenwerk
taz
Ze.tt