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Ausbildung 2018: Was sich im neuen Jahr für Azubis ändert

Ausbildung 2018: Was sich im neuen Jahr für Azubis ändert

Wie fast jedes Jahr tut sich auch 2018 etwas auf dem Ausbildungsmarkt. Neben einem völlig neuen Ausbildungsberuf, der ab dem Sommer erlernt werden kann, gibt es auch bei bestehenden Berufen einige Neuigkeiten. Worauf Azubis 2018 achten sollten, haben wir hier zusammengestellt.

Kaufmann/-frau im E-Commerce: Ein neuer Beruf entsteht

Die Welt dreht sich rasant – das bekommt auch der Handel zu spüren. Immer mehr Verkaufsaktivitäten verlagern sich ins Internet. Während in den vergangenen Jahren die Experten für Online-Handel häufig Quereinsteiger waren (und nach wie vor sind), soll dieser Bereich noch weiter professionalisiert werden. Dazu hat der Handelsverband Deutschland den Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce ins Leben gerufen. Dieser ist eng mit dem Kaufmann bzw. der Kauffrau im Einzelhandel verwandt, aber speziell auf die Bedürfnisse des Internethandels zugeschnitten.

Zwar sind Online-Shops bereits seit Jahren aus dem Handel nicht mehr wegzudenken, bislang durften Versandhändler im Gegensatz zu Ladenbetreibern allerdings ihren Nachwuchs in der Regel nicht selbst ausbilden. Der Grund: Die Erlaubnis zur Ausbildung von Kaufleuten ist daran gebunden, ob Unternehmen ihre Kunden auch beraten können – bei reinen Internethändlern sah der Gesetzgeber dies nicht. Doch die Zeiten haben sich geändert, E-Mail-, Chat- und Telefonberatung werden inzwischen anerkannt und somit stehen die angehenden Kaufleute für E-Commerce bald in den Startlöchern.

In drei Jahren lernen die Azubis unter anderem:

  • Auswahl und Einsatz der Online-Vertriebskanäle
  • Mitgestaltung und Bewirtschaftung des Waren- oder Dienstleistungssortiments
  • Unterstützung bei der Beschaffung
  • Vertragsanbahnung und Vertragsabwicklung im Online-Vertrieb
  • Kundenkommunikation
  • Entwicklung und Umsetzung von Online-Marketing-Maßnahmen
  • Kaufmännische Steuerung und Kontrolle

Erstmaliger Ausbildungsbeginn für den zukunftsträchtigen Beruf ist der 1. August 2018. Ergänzend dazu sollen auch Einzelhandelskaufleute künftig verstärkt Ausbildungsinhalte kennenlernen, die sich mit dem Internethandel befassen. Alle weiteren Informationen zum neuen Berufsbild Kaufmann/-frau im E-Commerce haben wir bereits hier zusammengestellt.

Neuer Pflegeberuf und Bewegung bei bestehenden Ausbildungsgängen

Auch in der Pflege tut sich etwas. Das neue Pflegeberufegesetz, das bereits im Sommer 2017 verabschiedet wurde, beinhaltet eine neue generalistische, also fachübergreifende Ausbildung mit dem Namen Pflegefachmann/-frau. Hier werden sich Azubis zwar zu Beginn auf einen bestimmten Zweig (Altenpflege, Kinderkrankenpflege oder Pflege allgemein) festlegen, nach zwei von drei Lehrjahren können sie die Spezialisierung aber noch wechseln. Auch ein vorzeitiger Abschluss nach zwei Jahren als Pflegeassistenz ist möglich.

Ausgebildete Pflegefachleute sollen Arbeit in allen möglichen Bereichen des Gesundheitssektors finden. Voraussetzung für die Ausbildung ist die Mittlere Reife oder zehnjährige allgemeine Schulbildung, auch mit einem Hauptschulabschluss einschließlich weiterer Qualifikationen wird man zugelassen. Die bestehenden Berufsausbildungen zum bzw. zur Kranken- und Gesundheitspfleger/-in, Kinderkrankenpfleger/-in und Altenpfleger/-in bleiben übrigens vorerst erhalten. Im Falle eines großen Erfolges des neuen Ausbildungsweges können diese allerdings womöglich in Zukunft zusammengefasst werden.

Im Gegensatz zu den Kaufleuten im E-Commerce wird es noch etwas dauern, bis Azubis als Pflegefachleute zugelassen werden: Die neue Ausbildung in der Pflege wird voraussichtlich erst im Jahr 2020 und nicht wie ursprünglich geplant 2018 beginnen. Im kommenden Jahr sollen aber die Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen fertiggestellt werden.

Pflegeausbildungen werden kostenlos

Der Gedanke hinter dem neuen, vergleichsweise flexiblen Beruf Pflegefachmann/-frau ist, dass das Gesundheitswesen als Berufsfeld attraktiver werden soll. Eine weitere Maßnahme, um dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegen zu wirken, ist fast revolutionär: Zahlen viele Azubis in Pflegeberufen derzeit noch Schulgeld, sollen alle Ausbildungsgänge ab 2020 kostenfrei sein. Noch dazu erhalten die Auszubildenden auch in Gesundheitsberufen in Zukunft eine Ausbildungsvergütung, was bislang keine Selbstverständlichkeit war. Zur Finanzierung dieser Maßnahme wurde ein gemeinsamer Ausbildungsfonds eingerichtet.

Neuordnungen weiterer Berufe in Metall und Keramik

Zwei weitere Ausbildungsberufe werden 2018 modernisiert. So erhält der bzw. die ehemalige „Verfahrensmechaniker/-in in der Hütten und Halbzeugindustrie“ einen neuen Namen und eine zeitgemäße Ausbildungsordnung. Im neuen Jahr wird mit Beginn 1. August erstmals der bzw. die Verfahrenstechnologe/-in Metall ausgebildet. In der dreieinhalbjährigen Lehre stehen digitale Steuerungsmechanismen künftig ebenso auf dem Plan wie das Thema Nachhaltigkeit und Fremdsprachenkenntnisse. Vier Fachrichtungen stehen als Spezialisierung für angehende Verfahrenstechnologen Metall zur Wahl:

  • Eisen- und Stahlmetallurgie
  • Stahlumformung
  • Nichteisenmetallurgie
  • Nichteisenmetallumformung

Der zweite reformierte Ausbildungsberuf nennt sich Prüftechnologe/-in Keramik, der den alten Ausbildungsgang „Stoffprüfer/-in“ ersetzen wird. Die Neuerungen bei der Ausbildungsordnung waren dringend notwendig – die alte stammt von 1938 und ist dementsprechend nicht mehr zeitgemäß. Bereits in der Vergangenheit hatten sich viele Betriebe in der Praxis von der Ausbildungsordnung entfernt. Durch die Neuordnung bei der Lehre sollen alle Prüftechnologen Keramik in Deutschland wieder einheitliche Inhalte mit dem Schwerpunkt chemische Analytik lernen. Die dreijährige Ausbildung beginnt in neuer Form ebenfalls erstmals am 1. August 2018.

Und dann war da noch: Ausbildung zum Influencer!?

Sogenannte Influencer sind in der Werbung mittlerweile so gut wie unverzichtbar. Die „Einflussnehmer“, die in sozialen Medien wie Instagram stilvolle Fotos von scheinbar alltäglichen Situationen mit mehr oder weniger subtil beworbenen Produkten verbreiten, sind zwar ein sehr junges Phänomen – doch Professionalität ist auch hier gefragt. Wurde das Thema „Influencer Marketing“ noch bis vor kurzem von vielen Firmen belächelt, gibt es inzwischen tatsächlich eine Art Ausbildung zum Influencer.

In Berlin hat im vergangenen September die „Influencer Marketing Academy“ eröffnet, an der Firmen, Blogger und Social-Media-Fans sich in verschiedenen Kursen, Workshops und Seminaren zum Thema Influencer Marketing weiterbilden können. Von einer klassischen Berufsausbildung ist das allerdings noch ein gutes Stück entfernt.

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Quellen:

Bundesagentur für Arbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung
Bundesregierung
Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V.
Handelskammer Hamburg
Influencer Marketing Academy
W&V