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Crowdworking – Heimarbeit der Generation Digital

Crowdworking – Heimarbeit der Generation Digital

Crowdworking: ein Phänomen auf dem digitalen Arbeitsmarkt, das nicht mehr ganz neu ist, aber immer mehr in den Fokus gerät – bei vielen Menschen, die online Ihr Geld verdienen oder ihr Gehalt aufbessern, aber auch bei Arbeitsrechtlern und Gewerkschaften.

Was ist Crowdworking?

Wenn Unternehmen Teile ihrer anfallenden Arbeiten nicht mehr mit eigenen Mitarbeitern und Dienstleistern erledigen, sondern ihre Aufträge an die Crowd (Masse) der Internetnutzer vergeben, dann nennt man dies Crowdworking. Das Spektrum dieser Arbeiten ist groß – sowohl, was Arbeitsumfang, als auch was die erforderlichen Fähigkeiten angeht. Manchmal geht es lediglich um einfache und kurze Jobs, wie zum Beispiel

  • Preis-Checks
  • Test-Einkäufe
  • Werbeprospekt fotografieren und hochladen
  • Recherchen im Internet
  • Datenpflege

Aber auch komplexe und anspruchsvolle Aufgaben wie die Programmierung ganzer Websites oder die Entwicklung von Texten und Grafiken vergeben inzwischen einige Firmen über Crowdworking-Plattformen wie freelancer.com, clickworker.de, appjobber.de oder testbirds.de an die Internet-Gemeinde. Selbst die Entwicklung kompletter Werbekampagnen wird immer häufiger auf spezialisierten Seiten wie jovoto.com an die weltweite Community der Kreativen übergeben.

Wer arbeitet als Crowdworker und wie hoch sind die Einkünfte?

So vielfältig wie die Aufgaben, sind auch die Menschen, die zu dieser Crowd gehören. Der Großteil der Crowdworker nutzt die Klickarbeit lediglich, um sich neben Festanstellung, Selbständigkeit oder Studium ein kleines Zubrot zu verdienen. Dementsprechend gering sind auch die durchschnittlichen Einkünfte dieser Gruppe. Je nach Aufgaben und abhängig vom persönlichen Einsatz kommen dabei durchschnittlich etwa 150 € im Monat rum. Bei qualifizierten und komplexen Arbeiten im Text- oder Grafik-Bereich sind es im Schnitt 660 €. Davon leben kann man so natürlich nicht. Und auch diejenigen, die mit diesen Jobs ihren Lebensunterhalt verdienen, werden damit nicht reich. Laut einer Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung findet sich im Bereich der qualifizierten Autoren mit 28 % noch der größte Anteil hauptberuflicher Crowdworker – mit einem durchschnittlichen Einkommen von 1.500 € im Monat.

Was sind die Vorteile von Crowdworking?

Viele Crowdworker schätzen die Freiheiten, die ihnen diese Art von Arbeit ermöglicht. Sie allein entscheiden, wann und was sie arbeiten möchten. Zudem sind die digitalen (Kleinst-)Jobs eine gute Möglichkeit, das Gehalt, das Arbeitslosengeld oder die Hartz-IV-Bezüge aufzubessern. Aber Achtung! Bei den beiden letztgenannten gibt es Obergrenzen in Sachen Zuverdienst. Wer diese übersteigt, muss mit Abzügen oder anderen Sanktionen rechnen. Informieren Sie sich in jedem Fall vorab bei Ihrer Agentur für Arbeit. Für alle gilt: Auch Nebeneinkünfte durch Crowdworking müssen versteuert werden.

Unternehmen schätzen wohl in den meisten Fällen vor allem die finanziellen Einsparungen, die dieses Modell der Auftragsvergabe mit sich bringt. In der Regel ist es deutlich günstiger, die freien Digitalarbeiter mit vergleichsweise geringen Summen zu entlohnen und nicht neben einem festen Gehalt auch noch Lohnnebenkosten zahlen zu müssen. Denn diese Ausgaben würden anfallen, wenn die Arbeiten durch festangestellte Mitarbeiter erledigt würden.

Darüber hinaus geht es vor allem bei kreativen und auf persönlichen Ansichten basierenden Aufgaben auch darum, die Ideen und Meinungen der Nutzer verstärkt ins eigene Geschäftsfeld mit einzubeziehen. So hat zum Beispiel Beiersdorf, der Konzern hinter Marken wie Nivea, tesa und Labello, mit der Website Pearlfinder eine Plattform erschaffen, auf der sich Konsumenten, aber auch Personen aus Wissenschaft und Wirtschaft aktiv an Fragen der Produktentwicklung beteiligen können. Sollten Einreichungen der Community Anklang bei Beiersdorf finden, so werden die Urheber der Idee bei einer Realisierung mit einbezogen und auch finanziell beteiligt.

Kritik am System Crowdworking

Ein zentraler negativer Punkt: die schlechte Bezahlung. Selbst wer viel Zeit investiert und gute Arbeit abliefert, wird in der Regel nicht gut verdienen. Den gesetzlichen Mindestlohn von aktuell 8,84 € pro Stunde erreichen die wenigsten. Wer mit Crowdworking seinen Lebensunterhalt verdient, muss sich, genau wie jeder andere Selbständige, selbst krankenversichern und für den Fall der Arbeitslosigkeit vorsorgen. Laut der bereits erwähnten Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung tun dies jedoch nur etwa zwei Drittel der Crowdworker. Noch weniger, nur etwas mehr als die Hälfte, sorgen fürs Alter vor. All dies hat nicht nur Arbeitspolitiker, sondern vor allem die Gewerkschaften auf den Plan gerufen. Dort gibt man sich alarmiert und befürchtet Tagelöhner-Zustände wie zu Beginn der Industrialisierung.

Das Modell des Crowdworking wird, so sind sich die Experten einig, nicht verschwinden. Im Gegenteil: Perspektivisch werden wohl noch mehr Menschen ausschließlich im Netz arbeiten. Umso wichtiger aus Sicht der Politik und Gewerkschaften, dass Bedingungen geschaffen werden, die genannte Missstände verhindern. Bis dahin hat sich zum Beispiel die IG Metall zur Aufgabe gemacht, Crowdworker aufzuklären und für Transparenz zu sorgen. Auf der Internetseite faircrowdwork.org werden verschiedene Crowdworking-Plattformen anhand ihrer AGB und Nutzungsrichtlinien beurteilt und User haben die Möglichkeit für die diversen Anbieter Bewertungen abzugeben.

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Quellen:
Sueddeutsche.de
Zeit.de
Spiegel.de
Faz.net

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