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Den Tod vor Augen: Das verdienen Bestatter, Rechtsmediziner & Co.

Gräber und Gruften auf einem grünen Friedhof

Knapp 55 Millionen Menschen sterben jedes Jahr auf der ganzen Welt; alleine in Deutschland waren 2018 etwa 954.900 Todesfälle zu verzeichnen. Der Tod ist allgegenwärtig, ob in Kultur und Sprache oder auch im persönlichen Leben, wo nahezu jeder durch Angehörige oder Bekannte bereits damit konfrontiert wurde. Und doch ist er es auch nicht: Noch immer sind Sterben und Tod große Tabuthemen innerhalb der Gesellschaft und werden vielerorts beiseitegeschoben oder gänzlich verdrängt.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch jene Arbeitsfelder, welche den Tod zum Inhalt haben, oftmals mit Skepsis beäugt werden. Die Berufswahl zum Friedhofswärter oder Kremationstechniker kann Erstaunen oder Neugierde, manchmal aber auch Verwunderung, Unverständnis oder gar Ablehnung hervorrufen. Noch immer existieren zahlreiche Vorurteile und Klischees, z. B. das stereotype Bild eines mit Zylinder ausgestatteten Bestatters, der mit finsterer Miene Särge durch die Gegend fährt, oder das eines eigenbrötlerischen Rechtsmediziners, der nachts im Keller Leichen seziert. In der allgemeinen Vorstellung werden diejenigen, welche einen derartigen Beruf ausüben, häufig als düster, gefühllos oder verschroben angesehen – dabei füllen solche Menschen eine unverzichtbare Rolle aus und haben in ihrem Arbeitsalltag nicht nur mit Toten, sondern gleichermaßen mit Lebenden zu tun.

Wir schauen uns Berufe rund um den Tod und alles, was damit zusammenhängt, einmal etwas genauer an. Welche Arbeitsbereiche gibt es hier eigentlich? Mit welchen Herausforderungen und auch Vorurteilen hat man tagtäglich zu tun? Und mit welchen Gehältern kann in diesem Bereich gerechnet werden?

Hospiz- und Palliativversorgung: Lebensqualität bis zum Ende

Selbst wenn eine schwere Erkrankung diagnostiziert wurde, steht in aller Regel der Wunsch nach Genesung im Vordergrund. Leider ist es medizinisch manchmal nicht mehr möglich, das Fortschreiten der Krankheit einzudämmen. Doch auch wenn eine erfolgreiche Behandlung und effektive lebensverlängernde Maßnahmen keine Optionen mehr darstellen, benötigt ein unheilbar erkrankter Mensch weiterhin umfassende Betreuung. Die Hospiz- und Palliativversorgung richtet sich an jene, die in den letzten Wochen und Monaten ihres Daseins stehen. Ziel ist nicht mehr die Heilung des Patienten, sondern die Linderung der Symptome sowie die Erhaltung einer maximalen Lebensqualität: Sowohl das Sterben als auch das noch verbleibende Leben sollen so würdevoll und beschwerdefrei wie möglich gestaltet werden.

Die erste palliative Einrichtung innerhalb eines deutschen Krankenhauses wurde 1983 an der Universitätsklinik Köln eingeweiht – seitdem sind viele weitere hinzugekommen: Knapp 330 solcher Palliativstationen existieren mittlerweile in Deutschland; vor zwanzig Jahren waren es noch lediglich 40 gewesen. Palliativ- und Hospizversorgung überschneiden sich in vielerlei Hinsicht, wobei palliative Stationen einen stärkeren medizinischen Schwerpunkt besitzen und sich somit an Patienten richten, die mit starken, akuten Schmerzen zu kämpfen haben und eine feinmaschige klinische Versorgung benötigen. Ziel ist im Idealfall noch immer die Entlassung, etwa nach Hause, in ein Pflegeheim oder in ein Hospiz – hier kann ein Patient bis ans Lebensende verbleiben. Etwa 230 stationäre Hospize gibt es mittlerweile in Deutschland, in denen jährlich etwa 30.000 Menschen versorgt werden. Diese werden größtenteils von Pflegekräften geführt und arbeiten eng mit externen Hausärzten, Fachärzten und Schmerzärzten zusammen. Darüber hinaus existieren circa 1.500 ambulante Hospizdienste, welche eine Betreuung im gewohnten Umfeld ermöglichen. Das stellt einen wichtigen Aspekt dar, denn die große Mehrheit wünscht sich, zuhause zu sterben.

Die Hospiz- und Palliativversorgung deckt allerdings nicht nur körperliche, sondern auch seelische, soziale sowie religiös-spirituelle Bedürfnisse ab. Es handelt sich also um eine ganzheitlich ausgerichtete Sterbebegleitung, welche mittels interdisziplinärer Zusammenarbeit geleistet wird: Nur durch die Mithilfe von z. B. Seelsorgern, Psychologen, Sozialarbeitern oder Priestern kann sichergestellt werden, dass ein Sterbender angemessene Fürsorge erfährt. Genauso wichtig ist die Einbeziehung von Angehörigen und Freunden, welchen zumindest mit Gesprächen geholfen werden kann. Üblicherweise besteht von beiden Seiten ebenfalls der Wunsch nach letzten Zusammenkünften, um verbleibende Zeit gemeinsam verbringen und Abschied nehmen zu können – auch das ist ein wichtiger Bestandteil gelungener Hospizarbeit.

Der Umgang mit Sterbenden verlangt große psychische Belastbarkeit: Während bei der Arbeit mit regulären Patienten noch stets die Hoffnung auf Besserung besteht, liegt der Sinn der Palliativpflege nicht in der Erreichung eines heilungsorientierten Endziels, sondern in der täglichen Verbesserung des gegenwärtigen Zustands. Der baldige Tod der betreuten Menschen ist unausweichlich, weswegen stets damit gerechnet werden muss, dass ein Patient am nächsten Tag vielleicht bereits verstorben ist – die durchschnittliche Verweildauer in einem Hospiz liegt bei zwei bis drei Wochen. Gleichzeitig ist es jedoch auch möglich, deutlich intensiver und individueller auf einen einzelnen Patienten einzugehen: Eine Palliativstation oder ein Hospiz hat im Mittel nur etwa zehn Betten.

Berufsbilder und Gehälter im Palliativbereich

Ärzte können eine Zusatzausbildung in Palliativmedizin (auch als Palliativ Care bezeichnet) wahrnehmen, in Deutschland haben diese momentan knapp 11.500 Mediziner erfolgreich absolviert. Ähnlich hierzu besteht für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger die Möglichkeit einer staatlich geregelten Weiterbildung in Palliativ- und Hospizpflege. Diese Fortbildungen sind jedoch tariflich nicht repräsentiert, d. h. es liegt in der Entscheidungsgewalt des Arbeitgebers, ob mit der Weiterbildung ein höheres Gehalt gezahlt wird als ohne. Pflegekräfte in Hospizen verdienen in der Regel genauso viel wie in regulären medizinischen Einrichtungen, das bedeutet ein durchschnittliches Monatsgehalt zwischen 2.500 und 3.000 Euro brutto.

Gleichzeitig darf nicht vergessen werden: Viele der mehr als 120.000 Menschen, die sich in Deutschland für Todkranke engagieren, tun dies nicht hauptberuflich. Die bundesweite palliative Versorgung ist in großem Maße von Ehrenamtlichen abhängig. Ganz gleich ob karikativ oder professionell tätig, gerade hier liegt die Arbeitsmotivation nicht im finanziellen, sondern im persönlichen und sozialen Bereich. Denn trotz der durchaus bedrückenden Umstände ist der Einsatz in der Hospiz- und Palliativversorgung vor allem mit viel Wärme, Menschlichkeit und Vertrauen verbunden. Auch wenn der bevorstehende Tod jederzeit präsent ist, liegt der Fokus noch immer auf dem Leben.

Rechtsmedizin: so aufregend wie im Fernsehen?

Dank TV-Serien wie Bones ist mittlerweile fast jeder vertraut mit dem Fachbereich der Rechtsmedizin, welche ebenso als Gerichtsmedizin oder forensische Medizin bezeichnet wird. Häufig wird die Untersuchung von sterblichen Überresten für kriminalistische Zwecke auch dem Gebiet der Pathologie zugeordnet – hier handelt es sich jedoch um eine verbreitete Begriffsverwechslung: Zwar führt auch ein Pathologe bisweilen Obduktionen durch (Autopsie und Sektion sind synonyme Bezeichnungen), doch in seinen Zuständigkeitsbereich fallen lediglich die Leichen von Menschen, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Die Obduktion, welche stets die Zustimmung der Angehörigen benötigt, dient also nicht der Verbrechens-, sondern der Krankheitsaufklärung. Tatsächlich befasst sich die Pathologie (wörtlich: Lehre von den Leiden) genau damit – der Untersuchung von krankhaften Vorgängen und Zuständen im menschlichen Körper. Somit findet der Großteil der Arbeit von Pathologen nicht am Sektionstisch, sondern am Mikroskop statt, wo sie Gewebeproben untersuchen und hiervon ausgehend Krankheitsdiagnosen stellen. Jene Proben stammen in der Regel nicht von toten, sondern von noch lebenden Patienten; die Arbeit mit Lebenden nimmt geschätzte 95 Prozent der Zeit eines Pathologen ein.

Rechtsmediziner hingegen obduzieren von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmte Leichen, deren Autopsie von einem Richter verfügt wurde, weil der Verdacht eines unnatürlichen Todes besteht, also durch Gewalttat, Unfall oder Suizid. Zweck ist die Bestimmung von Todesursache und Todeszeit sowie in manchen Fällen der Identität des Verstorbenen. Hierzu öffnet ein Gerichtsmediziner nach einer äußeren Besichtigung der Leiche schließlich Schädel-, Brust- und Bauchhöhle. Auch der Einsatz von bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie sowie ggf. eine toxikologische Untersuchung, also der Nachweis von Drogen oder Arzneimitteln, ist Bestandteil der Arbeit eines Rechtsmediziners.

Entgegen gängiger Annahmen verlangt die deutsche Strafprozessordnung, dass eine Obduktion stets zu zweit durchgeführt wird. In größeren Instituten ist es üblich, mehrere Sektionen parallel zu vollziehen, alle Rechtsmediziner arbeiten dann also gemeinsam in einem großen Raum. Die Dauer einer Sektion liegt im Schnitt bei zwei bis drei Stunden, kann aber auch deutlich kürzer oder länger sein. Während im Tatort jedoch nebenbei auch gerne klassische Musik gehört oder ungerührt das Mittagessen verzehrt wird, ist das in der Realität selbstverständlich tabu.

Obwohl forensische Mediziner manchmal durchaus direkt am Tatort anzutreffen sind, wenn deren Expertise für eine sofortige Ersteinschätzung benötigt wird, ist der hauptsächliche Arbeitsort noch immer ein rechtsmedizinisches Institut. Gut 40 hiervon gibt es mittlerweile in Deutschland, welche insgesamt rund 260 Rechtsmediziner und Rechtsmedizinerinnen beschäftigen. Was oftmals untergeht: Obwohl Autopsien den Kern der Tätigkeiten eines Gerichtsmediziners bilden, gehört auch der Umgang mit Lebenden zum Verantwortungsbereich, etwa bei der Untersuchung von Gewalt- und Vergewaltigungsopfern oder gar der Durchführung von DNA-Analysen zur Bestimmung von Vaterschaft oder Verwandtschaft. Darüber hinaus fallen weitreichende Verwaltungsaufgaben an, z. B. bei der Erstellung von Gutachten. Viele Rechtsmediziner sind zudem in der Lehre tätig – somit wird nur ein Teil der Arbeitszeit tatsächlich am Sektionstisch neben einer Leiche verbracht. Dennoch sind viele Aspekte des Alltags eines Forensikers in der Populärkultur durchaus realistisch dargestellt, dank CSI und Co. gilt Gerichtsmedizin mittlerweile als cool und modern. Der Einfluss solcher Serien hat sogar nachweislich zu einem gesteigerten Interesse an der Rechtsmedizin als Berufsfeld geführt.

Was Rechtsmediziner und ihre Mitarbeiter verdienen

Damit eine Autopsie reibungslos vonstattengehen kann, bedarf es zusätzlich der Mithilfe von Medizinischen Sektions- und Präparationsassistenten. Diese unterstützen nicht nur einen Rechtsmediziner oder Pathologen bei der Obduktion, sondern sind beispielsweise auch für die Präparation von Organen, die Sterilisierung von Instrumenten sowie die schriftliche und fotografische Dokumentation zuständig. Eine verantwortungsvolle Aufgabe also, die in doppelter Hinsicht Fingerspitzengefühl erfordert – denn Sektions- und Präparationsassistenten betreuen auch Angehörige, die sich vom Toten verabschieden möchten. Nach Abschluss der staatlich geregelten Berufsausbildung winkt dafür ein Anfangsgehalt von knapp 2.500 Euro brutto. Einen forensischen Mediziner erwartet nach einem sechsjährigen Medizinstudium sowie einer fünfjährigen Weiterbildung zum Facharzt für Rechtsmedizin gar ein Einstiegslohn von 3.500 bis 4.000 Euro brutto, mit zunehmender Berufspraxis steigt dieser Wert auf im Schnitt 5.500 bis 6.000 Euro brutto für einen erfahrenen Rechtsmediziner.

Dafür muss sich ein Gerichtsmediziner darauf einstellen, zeitlich flexibel zu sein und auch Schicht- und Bereitschaftsdienst zu akzeptieren. In allen Belangen ist psychische Robustheit gefragt, schließlich bestehen ständige Berührungspunkte zu tragischen Einzelschicksalen. Doch das bedeutet nicht, dass Rechtsmediziner eiskalte Zyniker sind, im Gegenteil: Gerade ein positiv gestimmtes und lebensbejahendes Wesen kann wichtig sein, um sich mental für diesen Beruf zu wappnen. Nicht zuletzt arbeiten Rechtsmediziner noch immer mit Menschen, welche auch nach ihrem Tod mit Würde behandelt werden müssen – bei einer Obduktion kommt es also ebenso auf Empathie und Sensibilität an.

Bestattung: Arbeit im Dienst der Hinterbliebenen

Sie fühle sich wie eine Hebamme am anderen Tor des Lebens“, schrieb die Bestatterin Angela Fournes einst in ihren als Buch veröffentlichten Erfahrungsberichten. Doch während Geburtshelfer einen der gesellschaftlich angesehensten Berufe ausüben, ist das Arbeitsfeld der Bestattung mancherorts noch immer mit einem Makel versehen. Indessen haben sich viele Vorurteile bereits abgebaut. Gleichzeitig haben die Aufgaben eines Bestatters einen großen Wandel erfahren: Lag der Schwerpunkt lange Zeit noch auf dem bloßen Begräbnis, werden mittlerweile alle Bestandteile der Toten- und Trauerbegleitung abgedeckt. Ein Bestatter ist in dieser Hinsicht ein Rundumbetreuer.

Die Tätigkeiten eines Bestatters bestehen nur zu einem kleinen Teil aus der klassischen Arbeit mit dem Verstorbenen. Dieser wird im Todesfall abgeholt und ins Bestattungsinstitut überführt. Dort werden die sterblichen Überreste hygienisch versorgt und dann für die Beisetzung vorbereitet: Hierzu wird die Leiche gewaschen, gekleidet und manchmal auch frisiert oder geschminkt. Häufig nehmen Personen bereits zu Lebzeiten Kontakt auf, um ihre eigene Beerdigung zu planen und Vorsorgemaßnahmen zu treffen. In diesem Falle hat ein Bestatter dann eine beratende Funktion inne.

Eine häufig vergessene Aufgabe ist der Umgang mit Behörden und Ämtern sowie sonstige organisatorische Verantwortlichkeiten. Nach Eintreffen der Todesnachricht wird ein Arzt kontaktiert, welcher den Totenschein ausstellt. Weitere Pflichten sind etwa Meldungen an Standes- und Gesundheitsämter, Benachrichtigungen an Versicherungen, die Beantragung des Erbscheins sowie die Öffnung des Testaments. Wenn gewünscht, konzipieren Bestatter auch Nachrufe und Todesanzeigen sowie erstellen Einladungskarten für Beerdigung und Trauerfeier, deren Organisation vollends in ihren Händen liegt: Sie richten Sarg oder Urne her, bestellen Blumen und Kränze und kümmern sich um Sargträger sowie Grabredner bzw. halten die Trauerrede manchmal auch selbst. All dies geschieht natürlich in enger Abstimmung mit den Angehörigen – ein Bestatter versucht, den Hinterbliebenen so viel Arbeit und Mühe wie möglich abzunehmen, denn tatsächlich ist deren Betreuung der vielleicht wichtigste Aspekt aller Aufgaben. Durch zahlreiche einfühlsame Gespräche und ggf. der Empfehlung von geeigneten Psychologen oder Selbsthilfegruppen werden diese während des Trauerprozesses begleitet. Auch auf religiöse Bedürfnisse wird eingegangen. Ein Bestatter ist somit gleichzeitig Handwerker, Kaufmann, Dienstleister, Veranstaltungsmanager und vor allem auch Seelsorger.

Ausbildungen und Gehälter im Bestattungswesen

Der Beruf des Bestatters ist in Deutschland offiziell frei und ungeregelt und kann daher theoretisch von jedem ausgeübt werden, solange Bestattungsgesetz, Grabnutzungsrecht und Friedhofsordnungen befolgt werden. Während das Beisetzungswesen lange Zeit von Familienunternehmen geprägt war, welche ihr Wissen von einer Generation zur nächsten weitergaben, gibt es seit 2003 die Möglichkeit einer offiziellen Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Ebenso existieren Weiterbildungen zum Bestattermeister und zum Bestattungsfachwirt sowie sogar ein Studiengang, welcher den Master of Business Administration in Funeral Service verleiht.

Zusätzlich ist die Fortbildung zum Kremationstechniker möglich. Was sich auf den ersten Blick obskur anhört, stellt in der Realität eine immer bedeutendere Tätigkeit dar: Wollte sich 1960 noch lediglich ein Zehntel feuerbestatten lassen, wird dies heute von mehr als 60 Prozent der Bevölkerung bevorzugt. Schließlich stellt es nicht nur eine billigere, sondern auch eine umweltfreundlichere Art der Bestattung dar. Obwohl sich viele Menschen eines der 160 Krematorien in Deutschland als schaurigen, gruftähnlichen Ort vorstellen, sind diese in Wirklichkeit hell und freundlich gestaltet, ausgestattet mit pietätvollen Trauerräumen und modernsten Verbrennungsanlagen, die den Vorgang der Kremierung vollautomatisch durchführen. Um Vorurteile abzubauen, werden häufig Führungen angeboten. Und auch Schauermärchen, wonach versehentlich Scheintote verbrannt werden, gehören selbstverständlich ins Reich der Legenden: Tatsächlich findet sogar eine zweite Totenschau statt, da ein Körper nach seiner Verbrennung nicht mehr exhumiert und untersucht werden kann. Erst wenn sich der zuständige Arzt im wahrsten Sinne des Wortes todsicher ist, dass keine unnatürlichen Umstände vorliegen, kann die Leiche für die Kremation freigegeben werden.

Knapp 100-150 Bestatter in Deutschland haben sich darüber hinaus für eine Fortbildung zum Thanatopraktiker entschieden, wodurch Kenntnisse bei der Einbalsamierung von Leichen erworben werden. Das hat jedoch nichts mit der Mumifizierung von Körpern oder der Entnahme von Organen wie im alten Ägypten zu tun, sondern ist eine notwendige Praxis, um sterbliche Überreste zu konservieren, deren Beerdigung sich verzögert oder die ins Ausland überführt werden müssen. Beim Modern Embalming, wie das Fachgebiet auch manchmal genannt wird, wird unter anderem das Blut des Verstorbenen mittels Pumpen und Kanülen gegen eine desinfizierende Flüssigkeit ausgetauscht, um den Verwesungsprozess zu beschleunigen. Ein Thanatopraktiker ist auch gefragt, wenn Unfall- oder Gewaltopfer für eine Aufbahrung am offenen Sarg hergerichtet werden müssen.

Zusammenfassend finden sich folgende Berufsbilder im Bestattungswesen:

  • Bestatter/in
  • Bestattungsfachkraft
  • Bestattermeister/in
  • Bestattungsfachwirt/in
  • Kremationstechniker/in
  • Thanatopraktiker/in

Obgleich die mehr als 5.000 Bestattungsunternehmen in Deutschland jährlich einen Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro erwirtschaften, sollte keiner erwarten, durch diesen Beruf zu Reichtum zu gelangen: Das durchschnittliche Monatsgehalt liegt zwischen 1.600 und 3.200 Euro brutto. Sofern die eigene Position keine Führungsverantwortung enthält, erwartet einen Bestatter realistisch betrachtet ein mittleres monatliches Einkommen zwischen 2.000 und 2.500 Euro brutto. Dennoch entscheiden sich viele junge Menschen und häufig auch ältere Quereinsteiger aus unterschiedlichsten Branchen aktiv für den Beruf des Bestatters. Gerade in der Arbeit mit Hinterbliebenen finden viele Erfüllung, denn durch die professionelle und gleichzeitig rücksichtsvolle Verrichtung der Begräbnis- und Trauerarbeit können diese in einer der schwersten Zeiten ihres Lebens entscheidend unterstützt werden. Deshalb wird Bestattern von Angehörigen normalerweise große Dankbarkeit entgegengebracht.

Friedhofsmitarbeiter: deutlich mehr als nur Totengräber

Nach dem Tod findet fast jeder seine letzte Ruhe auf einem von Deutschlands 32.000 Friedhöfen und auch der Grabbesuch, um einer geliebten Person zu gedenken, hat in vielen Haushalten noch Tradition: Knapp die Hälfte der Bevölkerung sucht hierzu mindestens einmal im Jahr eine Ruhestätte auf. Trotzdem bleibt der Friedhof für manche ein beklemmender Ort, daher verwundert es nicht, dass auch die Arbeit auf einem Friedhof oft als etwas Schauderhaftes angesehen wird. Bereits im Mittelalter wurde die angemessene Beisetzung eines Menschen zwar als Akt der Barmherzigkeit und gar als Christenpflicht verstanden, dennoch befand sich der ‚Totengräber‘ im Abseits der Gesellschaft und übte einen als ‚unrein‘ angesehenen Beruf aus, welcher gemeinhin geächtet wurde. So schlimm ist es zweifelsohne nicht mehr, trotzdem gilt der Beruf des Friedhofsmitarbeiters auch heute kaum als Traumjob.

Das Bild des finsteren Männchens, das einsam Gruben buddelt, hat sich für lange Zeit gehalten. Tatsächlich gehört die Aushebung von Begräbnisstätten natürlich zum Aufgabenbereich eines Friedhofsangestellten, doch dessen Ablauf ist bei weitem nicht so gruselig wie häufig angenommen. Gearbeitet wird selbstverständlich bei Tageslicht; und auch wenn es durchaus vorkommen kann, dass ein Grab durch Handarbeit angelegt werden muss – zum Beispiel weil nicht genügend Raum existiert, um entsprechende Gerätschaften zu manövrieren – so sind es heutzutage in vielen Fällen moderne Bagger, welche die Erde ausheben. Die Tätigkeit kann alleine, aber auch gemeinsam mit anderen Fachkräften durchgeführt werden. Dass ein Friedhofsarbeiter dabei gelegentlich auf Knochen stößt, ist allerdings in der Tat unvermeidbar. Dies gilt auch bei der Einebnung von Gräbern – die Ruhefrist liegt in Deutschland zwischen 15 und 20 Jahren, danach darf eine Begräbnisstätte neu belegt werden, sofern die Grabnutzungsdauer nicht verlängert wurde.

Insgesamt machen die Anlegung und Auflösung von Begräbnisflächen allerdings nur einen kleinen Teil der Aufgaben aus, die auf einem Friedhof anfallen. Neben allgemeinen Verwaltungsaufgaben ist es vor allem die Instandhaltung der Ruhestätten, Grünflächen, Hecken, Wege und Bänke, welche viel Zeit und Sorgfalt in Anspruch nimmt. Zudem können Friedhofsmitarbeiter an den Trauerfeierlichkeiten beteiligt sein. Der genaue Aufgabenbereich variiert von Friedhof zu Friedhof, ebenso wie die Positionstitel: Friedhofsarbeiter, Friedhofswärter oder Friedhofsverwalter sind gängige Bezeichnungen. Eine besondere Rolle nimmt der Friedhofsgärtner ein, dessen Arbeit einen botanischen Fokus hat, auch wenn er durchaus manche der soeben beschriebenen Pflichten übernehmen kann. Der Schwerpunkt liegt auf der Planung der Grabgestaltung sowie der anschließenden Bepflanzung und Pflege der Friedhofsflächen, z. B. dem Düngen und Gießen von Blumen, dem Jäten von Unkraut, aber auch der Herstellung von Kränzen, Trauergebinden und sonstigen dekorativen Accessoires.

Das verdienen Friedhofsmitarbeiter

Beim Friedhofsgärtner handelt sich um einen geregelten Ausbildungsberuf. Nach drei Jahren Lehre kann in der Regel mit einem Stundenlohn zwischen 12 und 15 Euro gerechnet werden, was einem Monatsgehalt zwischen 1.900 und 2.400 Euro brutto entspricht. Durch eine Fortbildung zum Gärtnermeister der Fachrichtung Friedhofsgärtnerei kann das eigene Einkommen noch einmal deutlich gesteigert werden, z. B. durch den Weg in die Selbstständigkeit, also die Eröffnung einer Friedhofsgärtnerei. Eine standardisierte Ausbildung zum Friedhofsarbeiter existiert nicht, wobei eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner die notwendigen Kompetenzen durchaus vermittelt. Da nahezu alle Grabstätten in kommunalem oder kirchlichem Besitz sind und folglich eine Anstellung im öffentlichen Dienst besteht, kann von einer hohen Arbeitsplatzsicherheit ausgegangen werden. Der durchschnittliche Monatsverdienst liegt dann üblicherweise zwischen 2.300 und 2.600 Euro brutto.

Eines sollte jedoch hervorgehoben werden: Auch wenn Beschäftigte eines Friedhofs vordergründig irgendwo zwischen Handwerker und Florist zu verorten sind, so kommt ihnen noch eine weitere wichtige Aufgabe zu. Allen Besuchenden dienen sie als zuverlässige und feinfühlige Ratgeber, nicht nur wenn der Ort einer Grabstätte gesucht wird, sondern vor allem dann, wenn eine trauernde Person ein offenes Ohr oder einen tröstenden Gesprächspartner benötigt. Deswegen sind Friedhofsmitarbeiter selbstredend keine gespenstischen Gestalten, sondern zumeist fröhliche, humorvolle und teilnehmende Menschen.

Die Arbeit mit dem Tod – ein Berufsfeld mit Zukunft

Man erzählt sich folgende Episode aus dem Leben des berühmten russischen Schriftstellers Lew Tolstoi: Einmal von seinem kaum weniger namhaften Berufskollegen Maxim Gorki besucht, wurde der bereits sehr alte und sich manchmal in abenteuerlichen Gedankengängen verrennende Autor plötzlich von der Idee heimgesucht, er sei möglicherweise unsterblich – schließlich sei zwar bisher jeder Mensch gestorben, doch sei vor ihm auch noch niemand Tolstoi gewesen. Eine in ihrer Kühnheit fast schon bewundernswerte Eingebung: Er erlag dennoch wenige Jahre später einer Lungenentzündung.

Diese Anekdote ist zwar amüsant, verdeutlicht aber gleichzeitig: Ganz gleich wie sehr das Gegenteil herbeigewünscht wird, so stellt der Tod immer etwas Unausweichliches dar, dessen Umstände für jeden irgendwann relevant werden. Auch wenn jene Aufgaben nicht unbedingt starke Popularität erfahren, so sind Berufe, die sich damit befassen, also gerade deshalb von unverzichtbarer Wichtigkeit. Nicht zuletzt verlangen diese Tätigkeiten ein immenses Maß an mentaler Stärke, weswegen großer Respekt angebracht ist.

Die Berufsperspektiven als Friedhofsgärtner oder Hospizpfleger sind konstant gut; als einer der wenigen Bereiche ist der Tod gegen Outsourcing gefeit. Doch muss stets betont werden, dass die Arbeit vor allem Lebenden gilt: Eine würdige Bestattung oder eine gepflegte Grabstätte ist nämlich nicht nur ein letzter Dienst für den Verstorbenen, sondern ebnet auch den Weg zur Trauerbewältigung für die Hinterbliebenen.

Quellen:

Aeternitas

Bund deutscher Friedhofsgärtner im Zentralverband Gartenbau e. V.

Bundesärztekammer

Bundesagentur für Arbeit

Bundesverband Deutscher Bestatter

Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin e.V.

Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V.

Deutschlandfunk

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Merkur Online

Statista

Statistisches Bundesamt

Tagesspiegel

Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands e.V.

Welt Online

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