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Gemeinsam bewerben: Wie funktioniert die Kollektivbewerbung?

Gemeinsam bewerben: Wie funktioniert die Kollektivbewerbung?

„Kollektivbewerbung“ klingt erst mal seltsam. Doch so selten ist diese Methode gar nicht: Jobsharing für Teilzeitangestellte, Kreative, die sich als eingespieltes Tandem bewerben, ganze Abteilungen, die nach Pleite oder Verkauf des alten Arbeitgebers einen neuen suchen – alles Szenarien, in denen sogenannte Kollektivbewerbungen funktionieren können. Hier werfen wir einen Blick auf einige konkrete Beispiele für solche Bewerbungen, erklären, worauf Sie dabei besonders achten sollten, und geben Tipps, die die Erfolgsaussichten steigern.

Die E-Commerce-Abteilung von Air Berlin – ein ganzes Team auf dem Abflug

Harte Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Mitten im Insolvenztheater der Fluggesellschaft Air Berlin machte im Spätsommer 2017 die interne E-Commerce-Abteilung der Airline von sich reden. Mit einer eigens eingerichteten Internetseite bewarben sich die etwa 60 Mitarbeiter der Abteilung als vollständiges und funktionierendes Team bei potentiellen Neu-Arbeitgebern.

Eine ungewöhnliche Bewerbung, die neben viel Aufmerksamkeit zumindest teilweise auch das angestrebte Ziel erreichte. Laut Aussage des damaligen Leiters der Abteilung und Initiator der ungewöhnlichen Bewerbungsaktion Pascal Volz kann immerhin ein Teil der Mitarbeiter auch weiterhin gemeinsam arbeiten. Etwa ein Drittel ist unter seiner Leitung bei einem neu gegründeten Ableger der Content-Marketing-Agentur Fischer Appelt in Berlin tätig, ein weiteres Drittel bei einem großen Einzelhändler in unmittelbarer Nachbarschaft und das verbleibende Drittel hat sich individuell anderweitig orientiert. Zumindest scheinen alle untergekommen zu sein – ein Glück, das bisher nicht jedem ehemaligen Air-Berlin-Angestellten zuteilwurde.

Zugegeben, der geschilderte ist ein eher seltener Fall einer Kollektivbewerbung, nicht nur wegen der eigenen Website oder der großen medialen Aufmerksamkeit. Die große Schwierigkeit solch einer Massenbewerbung ist, Arbeitgeber zu finden, die Personalbedarf in dieser Dimension haben. Ist der Bedarf allerdings vorhanden, spricht nichts gegen die Einstellung eines solchen Teams – im Gegenteil: Die großen Vorteile sind, dass Prozesse eingespielt sind, dass die Kollegen wissen, was sie voneinander erwarten können, die Stärken und Schwächen der anderen kennen und dadurch die Erfahrung haben, wie sie effektiv miteinander arbeiten können. Vorteile, die auch auf das folgende Beispiel von Kollektivbewerbungen zutreffen, auch wenn das Team in diesen Fällen deutlich kleiner ist.

Kreativität hoch zwei – Kollektivbewerbungen in der Werbebranche

In der Werbebranche ist die Bewerbung als Team, in den meisten Fällen als Duo, deutlich weiter verbreitet. Hier hat es beinahe schon Tradition: Kreative, die in Sachen Ideenfindung auf einer Wellenlänge liegen und sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushen, tun sich zu festen Teams zusammen, die unabhängig vom Arbeitgeber gemeinsam arbeiten. Dies kann sich so äußern, dass sie gemeinsam von Agentur zu Agentur wechseln, aber auch so, dass sie gemeinsam freiberuflich unterwegs sind, also projektweise von Agenturen oder Unternehmen im Doppelpack gebucht werden.

In der Regel handelt es sich bei diesen Kreativ-Duos um sogenannte Text-Art-Teams, bestehend aus einem Texter oder Konzepter und einem Art Director. In dieser Konstellation treffen die jeweiligen Schwerpunkt-Kompetenzen aufeinander, die für die Entwicklung guter Ideen und Werbekampagnen erforderlich sind – und sie ergänzen einander.

Im Zuge einer Kollektivbewerbung als Kreativ-Duo sollte genau dieses Ineinandergreifen der unterschiedlichen Fähigkeiten betont und belegt werden. Am besten gelingt das, wenn die Mappe, so wird innerhalb der Branche eine Sammlung von Arbeitsproben genannt, überzeugende Ergebnisse der bisherigen Teamarbeit enthält. Darüber hinaus sollte man selbstverständlich betonen, welche Vorteile der Arbeitgeber durch die Einstellung eines vollständigen und vollständig eingespielten Teams hat. Gerade bei Kreativen, wo die Qualität der Arbeitsergebnisse oft erheblich von der Chemie unter den am Kreationsprozess beteiligten Personen abhängt, ist die Gefahr groß, dass zusammengewürfelte Teams nicht miteinander harmonieren oder relativ viel Zeit benötigen, bis die Gedankengänge sich aufeinander abgestimmt haben. All das entfällt bei festen Teams, die seit Jahren harmonieren.

Auf eine lange Zusammenarbeit können die Mitglieder der folgenden Personengruppe, für die eine Kollektivbewerbung attraktiv und sinnvoll ist, häufig nicht zurückblicken. Im besten Fall liegt sie jedoch vor ihnen.

Jobsharing – die optimale Lösung für Teilzeitangestellte

Die Zahl der Teilzeitangestellten nimmt seit Jahren kontinuierlich zu, vor allem Frauen sind betroffen. Eine Teilzeitstelle ist eine Möglichkeit für alle, die weniger arbeiten wollen oder müssen – sei es aus familiären Gründen oder weil nebenberufliche oder private Projekte ebenfalls Zeit benötigen. Ein häufiges Problem für Teilzeit-Angestellte: Die Karriere leidet. Denn wer sich nur einen Teil der gesamten üblichen Arbeitszeit am Arbeitsplatz befindet, wird häufig mit unterstützenden Tätigkeiten oder Projekten mit weniger Bedeutung abgespeist. Die daraus resultierende geringere Übernahme von Verantwortung spiegelt sich meist auch in einem niedrigeren Gehalt wider.

Das Modell Jobsharing hilft dabei, trotz Teilzeit die Karriere nicht vernachlässigen zu müssen und Verantwortung übernehmen zu können. „Qualifizierte Teilzeit“ nennt man das bei Tandemploy, einer Internet-Plattform, die Jobsharing-Willige zu einem sogenannten Tandem verbinden und dieses dann wiederum mit potentiellen Arbeitgebern in Kontakt bringen möchte.

Jobsharing ist also eine Möglichkeit für bereits eingespielte Teams, aber auch für Menschen, die sich vorher völlig fremd waren, die jedoch das Interesse an einem alternativen Arbeitsmodell verbindet. Wichtig ist selbstverständlich, dass sich Letztgenannte vor einer Bewerbung bei einem Unternehmen kennenlernen, sich austauschen und einen klaren Plan für die Zusammenarbeit entwickeln. Dieser Plan der Arbeitsteilung sollte dann auch bereits in der Bewerbung so konkret wie möglich dargelegt werden, genau wie die Vorteile einer solchen Konstellation. Vielen Arbeitgebern fehlt es andernfalls an Fantasie, wie solch ein für sie in der Regel neues und ungewöhnliches Modell funktionieren kann. Die Darlegung der Vorteile ist zudem wichtig, damit der vermeintlich erhöhte Verwaltungsaufwand und die in der Regel etwas höheren Kosten einer Besetzung einer einzelnen vollen Stelle durch zwei Personen nicht abschreckend wirken.

Zeigen Sie bereits in der Bewerbung, wie sich die Kompetenzen und Fähigkeiten der Einzelpersonen ergänzen und wie der potentielle Arbeitgeber durch die Qualifikationen zweier Personen Expertisen erhält, die eine Einzelperson häufig gar nicht in sich vereint. Verweisen Sie zudem darauf, dass es zu zweit deutlich einfacher ist, potentielle Ausfallzeiten, wie Urlaubs- oder Krankheitstage auszugleichen, indem im Optimalfall die jeweils andere Person diese Zeiten des Tandempartners abdeckt.

Gemeinsame Bewerbung zweifelsfrei deutlich machen

Apropos Bewerbung: Der Auftritt als Duo kann und sollte sich auch in den Bewerbungsunterlagen widerspiegeln. Ein gemeinsames Deckblatt und Anschreiben, wenn möglich vielleicht sogar ein kleiner Flyer oder ähnliches mit den erwähnten Vorteilen und Argumenten, die für das Tandem sprechen, machen von vornherein klar, dass Sie im Doppelpack auftreten. Lediglich ein gemeinsamer Lebenslauf könnte kompliziert werden. Mehr Sinn ergibt, zwei knappe, getrennt voneinander aufgesetzte Lebensläufe der Bewerbung beizufügen. Innerhalb des Bewerbungsprozesses ist es dann sinnvoll, eine der beiden Personen als Ansprechpartner für die Koordination der Termine etc. zu definieren. So wird der organisatorische Aufwand für den potentiellen neuen Arbeitgeber nicht größer, als wenn er die Position mit einer Einzelperson besetzen würde.

Klassischerweise teilt sich solch ein Tandem eine volle Stelle, arbeitet also z. B. jeweils 20 Stunden und somit in Summe die üblichen 40 Stunden pro Woche. Es sind aber auch andere Modelle denkbar, beispielsweise dann, wenn die zu besetzende Position eigentlich mehr Aufgaben als die einer einzelnen Vollzeitstelle umfasst. Wie die Aufteilung dann konkret umgesetzt wird, hängt von mehreren Faktoren ab, beispielsweise den Bedürfnissen und Interessen der Arbeitnehmer sowie des jeweiligen Arbeitgebers. Ob jetzt eine der beiden Personen immer am Vormittag und eine immer am Nachmittag, beide ganztags im Wechsel oder einer von Montag bis Mittwochmittag und der andere von dort bis zum Ende der Woche arbeitet, ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Kommunikation zwischen den beiden Tandempartnern funktioniert, lückenlose Übergaben stattfinden und keine wichtigen Informationen zwischen allen Beteiligten verloren gehen. Für Kollegen, Vorgesetzte und Kunden fühlt es sich im besten Fall so an, als arbeiteten sie mit einer einzigen Person zusammen – die einfach ein paar mehr Fähigkeiten hat als andere.

Welche Form der Kollektivbewerbung man auch betrachtet: Noch ist diese Art der Arbeitssuche relativ selten. Es ist aber davon auszugehen, dass das nicht so bleibt. Die sich verändernde Arbeitswelt wird auch neue Formen der Bewerbungen hervorbringen. Auch Arbeitgeber werden sich zwangsläufig vermehrt damit auseinandersetzen müssen und offener dafür werden, wenn sie vermeiden wollen, dass ihnen gute Leute durch die Lappen gehen.

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Quellen:

Bewerbung.com
CIO.de
Fischer Appelt
Tandemploy
W&V