Manche Unternehmensgründungen sind so risikoreich, dass sie keine Darlehen von Banken oder anderen Einrichtungen bekommen. Das "risikoreich" bezieht sich aber nicht darauf, dass die Idee schlecht wäre, oder der Businessplan nicht richtig ausgearbeitet wurde.
Es geht vielmehr darum, dass das Unternehmen etwas so Neues macht, dass es noch keine Erfahrungswerte dafür gibt, anhand derer man Risiken und Chancen halbwegs zuverlässig kalkulieren könnte. Dann gibt es die Möglichkeit, dass eine Venture-Capital-Gesellschaft das Kapital zur Verfügung stellt. "Venture" heißt Wagnis, und auf genau solche Wagnisse sind die Gesellschaften spezialisiert.
Die Unternehmen, die mit Venture Capital (Risikokapital) finanziert werden, sind typischerweise Neugründungen aus dem Bereich Technologie und Wissenschaft. Die Geschäftsidee basiert auf einer Neuentwicklung oder neuen Entdeckung, deren Nutzen oder Anwendbarkeit noch nicht bekannt ist.
Typische Beispiele für solche Venture-Capital-Kandidaten sind etwa Start-ups aus der Computerbranche oder aus dem Biotechbereich. Dort gründen oft Universitätsabsolventen eigene Firmen, die für klassische Kredite wegen des Risikos und der mangelnden Erfahrung der Firmengründer nicht in Frage kommen, und die natürlich auch nicht an der Börse notiert sind, wo sie Kapital erheben könnten.
Da der Erfolg solcher Firmengründungen sehr ungewiss ist, ist auch die Geldanlage für Investoren äußerst riskant. Scheitert die Firma, ist das Geld - das Venture Capital- verloren. Ist die Firma erfolgreich, ist die Rendite dafür aber enorm hoch und macht so das Anfangsrisiko wieder wett.
Ein Venture-Capital-Investor stellt aber meistens nicht nur Startkapital zur Verfügung, sondern unterstützt die - meist sehr jungen und unerfahrenen - Firmengründer mit unternehmerischem bzw. betriebswirtschaftlichem Fachwissen. Das ist nicht ganz so selbstlos wie es klingt, denn der Investor steigert damit die Erfolgschancen und letztendlich seinen Gewinn.
Nach einer vorher festgelegten Zeit zieht sich der Kapitalgeber aus dem Unternehmen zurück. Zu diesem Zeitpunkt kann das Unternehmen dann hoffentlich schon "auf eigenen Füßen" stehen. Der Kapitalgeber verkauft seine Anteile auf dem offenen Markt oder lässt sie von den Unternehmern zurückkaufen. Mit Glück kann er so überdurchschnittliche Renditen erzielen, die das Risiko auch wert waren.
Venture-Capital-Gesellschaften gibt es in ganz Deutschland, etwa die mittelständischen Beteiligungsgesellschaften und die Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Volks- und Raiffeisenbanken und der Sparkassen. Auch viele Banken bieten solche Darlehen an.