*Die Gehaltsspannen werden aus dem Stellenanzeigeninhalt errechnet und entsprechen der marktüblichen Vergütung basierend auf 2 Mio. Gehaltsdatensätzen.

Gehalt Rechtsanwalt

Datenbasis: 1.605 Datensätze
Region 1. Quartil Mittelwert 3. Quartil Offene Jobs
Deutschland: 2.674 € 4.204 € 8.300 €
Baden-Württemberg 2.892 € 4.590 € 7.798 € Jobs Rechtsanwalt
Bayern 2.973 € 4.798 € 9.053 € Jobs Rechtsanwalt
Berlin 2.566 € 4.394 € 8.114 € Jobs Rechtsanwalt
Brandenburg 2.037 € 3.202 € 6.322 € Jobs Rechtsanwalt
Bremen 2.836 € 3.676 € 9.077 € Jobs Rechtsanwalt
Hamburg 2.844 € 4.696 € 8.676 € Jobs Rechtsanwalt
Hessen 3.170 € 4.842 € 10.542 € Jobs Rechtsanwalt
Mecklenburg-Vorpommern 1.842 € 2.921 € 4.218 € Jobs Rechtsanwalt
Niedersachsen 2.359 € 3.412 € 6.006 € Jobs Rechtsanwalt
Nordrhein-Westfalen 2.865 € 4.075 € 7.682 € Jobs Rechtsanwalt
Rheinland-Pfalz 2.566 € 3.517 € 9.512 € Jobs Rechtsanwalt
Saarland 2.454 € 3.441 € 9.078 € Jobs Rechtsanwalt
Sachsen 2.427 € 3.336 € 7.156 € Jobs Rechtsanwalt
Sachsen-Anhalt 2.016 € 3.169 € 6.257 € Jobs Rechtsanwalt
Schleswig-Holstein 2.568 € 3.485 € 7.117 € Jobs Rechtsanwalt
Thüringen 1.732 € 3.205 € 8.837 € Jobs Rechtsanwalt

Rechtsanwalt / Rechtsanwältin:

1. Gehalt

Als Rechtsanwalt gibt es im beruflichen Alltag immer wieder Situationen, wo Verhandlungsgeschick eine große Rolle spielt. Über eine nicht alltägliche sprechen wir in diesem Text – die Gehaltsverhandlung. Denn wir wollen wissen: Was verdient eigentlich ein Rechtsanwalt?

Betrachtet man den bundesweiten Durchschnitt, verdienen Rechtsanwälte 4.204 € brutto monatlich. Dies entspricht einem Jahresgehalt von 50.448 €. Abweichungen nach unten und oben sind selbstverständlich:

  • So verdient das untere Viertel der Gehaltstabelle maximal 2.674 €,
  • das obere Viertel hingegen 8.300 € und mehr im Monat.

Basis für diese Daten sind 1.605 Datensätze, die wir innerhalb der letzten beiden Jahre erfasst und analysiert haben. Neben dem eigenen Verhandlungsgeschick und der persönlichen Examensnote, die in kaum einer anderen Branche eine derart große Bedeutung hat, gibt es einige weitere Faktoren, die Einfluss auf das Einkommen nehmen.

Paragraph 1: Die Gehaltsentwicklung

Wer Dank seines herausragenden Examens zu den Top-Absolventen eines Jahrgangs gehört, hat die Chance, bei einer großen und namhaften Top-Kanzlei einzusteigen. Und wer dort genommen wird, darf zum Start mit Jahresgehältern jenseits der 100.000 € rechnen. Ganz oben in der Einkommensrangliste stehen seit Jahren die renommierten, weltweit agierenden angelsächsischen Kanzleien. So bekommt man laut des Fachportals Azur im 1. Jahr zum Beispiel bei Sullivan & Cromwell 140.500 €, bei Milbank Tweed Hadley & Mc Cloy 140.000 € und bei Willkie Farr & Gallagher 130.000 €.

Auch wenn es einige weitere Kanzleien in dieser Gehaltsregion gibt – der Großteil aller Absolventen wird mit einem deutlich niedrigeren Einstiegsgehalt starten. Nach Beendigung des Studiums winkt Rechtsanwälten durchschnittlich ein Anfangsgehalt von 3.609 € im Monat. Dabei steigen Männer und Frauen jeweils mit sehr unterschiedlichen Gehältern ein: Ein Rechtsanwalt verdient zu Beginn durchschnittlich 3.906 €, während eine Rechtsanwältin auf lediglich 3.221 € kommt.

Mit wachsender Erfahrung steigt das Einkommen für alle Berufsangehörigen. So verdienen Anwälte im Alter von 30 Jahren im Schnitt 3.803 €, mit 40 bereits 4.763 € und mit 50 Jahren dann 4.774 € im Monat. Eine Weiterbildung in Form einer Spezialisierung zum Fachanwalt, ist oft eine gute Möglichkeit, um den Verdienst zusätzlich zu steigern. Und auch die Selbständigkeit kann – je nach Auftragslage – für ein volleres Konto sorgen.

  • 25 Jahre = 3.418 Euro brutto
  • 30 Jahre = 3.803 Euro brutto
  • 35 Jahre = 4.297 Euro brutto
  • 40 Jahre = 4.763 Euro brutto
  • 45 Jahre = 4.671 Euro brutto
  • 50 Jahre = 4.774 Euro brutto

Der Unterschied im Verdienst von Männern und Frauen bleibt jedoch bestehen. Die Branche scheint noch sehr männlich geprägt zu sein. Zumindest lassen die Gehaltsunterschiede zwischen Rechtsanwalt und Rechtsanwältin (4.754 € vs. 3.737 €) darauf schließen, dass speziell die besser bezahlten Positionen zumeist in männlicher Hand sind oder Männer eher dazu bereit sind, eine eigene Kanzlei zu gründen.

Paragraph 2: Größe des Arbeitgebers

Wer in einer großen Kanzlei oder in einem Konzern als Rechtsanwalt tätig ist, verdient im Schnitt deutlich mehr:

  • bis 500 Mitarbeiter = 3.854 Euro brutto
  • 501 bis 1000 Mitarbeiter = 5.942 Euro brutto
  • über 1000 Mitarbeiter = 6.516 Euro brutto

Besonders der Unterschied zwischen kleinen und mittelgroßen Arbeitgebern ist gewaltig. Die Nähe des Wertes der kleinen Unternehmen zum Gesamtdurchschnitt zeigt aber auch, dass Stellen in derart großen Firmen eher rar sind.

Paragraph 3: Regionale Unterschiede

In großen Städten mit großen Kanzleien ist der Verdienst durchschnittlich am höchsten. So sind Frankfurt, München, Stuttgart, Köln und Hamburg (4.696 €) die Orte mit den Top-Gehältern der Branche. Doch auch beim Blick auf die Bundesländer lassen sich Unterschiede feststellen. Hier stehen Hessen (4.842 €), Bayern und Hamburg an der Spitze – und damit weit vor Ländern wie Sachsen (3.336 €), Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die unterschiedlich hohen Lebenshaltungskosten erklären diese Differenz zumindest zum Teil.

Sie möchten es noch genauer wissen?
Bei allen genannten Angaben zum Gehalt als Rechtsanwalt bzw. Rechtsanwältin handelt es sich um Durchschnittswerte. Für genauere Informationen empfehlen wir unseren kostenlosen Gehaltscheck oder eine individuelle Gehaltsanalyse (zum Gehaltsvergleich).

2. Ausbildung / Weiterbildung

Voraussetzung für die Ausübung des Berufs als Rechtsanwalt ist ein Studium der Rechtswissenschaften. Eine klassische Ausbildung in Form einer dreijährigen Lehre ist nicht möglich, ein Quereinstieg über eine andere Berufsausbildung nicht vorgesehen.

Der praktizierende Rechtsanwalt ist verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden. Dadurch informiert er sich laufend über die aktuellen Tendenzen der Rechtsprechung und arbeitet sich in neue Rechtsgebiete ein. Eine Reihe von Fortbildungs-Instituten und Akademien bieten entsprechende Kurse und Seminare an.

Als zugelassener Rechtsanwalt steht ihm die Möglichkeit offen, eine Ausbildung zum Fachanwalt für bestimmte Rechtsgebiete zu ergreifen. Nach mindestens drei Jahren Praxiserfahrung bildet er sich theoretisch und praktisch im gewünschten Fachgebiet weiter. Er wählt zwischen:

  • Familienrecht,
  • Medizinrecht,
  • Strafrecht,
  • Medienrecht,
  • Internationales Wirtschaftsrecht,
  • Agrarrecht und
  • Bau- und Architektenrecht.

Eine spezielle Fachanwalts-Verordnung regelt die Titelvergabe und die Pflicht zur Weiterbildung im Fachgebiet.

Anwälte mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung und besonderen persönlichen Voraussetzungen können sich bei Interesse für die Zulassung als Notar bewerben. Der Zugang ist zahlenmäßig beschränkt. Notar-Aspiranten legen eine zusätzliche notarielle Fachprüfung vor der Bundesnotarkammer ab. Je nach Bundesland praktiziert der Notar-Anwärter weitere drei Jahre als Notar-Assessor, bis er seine endgültige Zulassung erhält.

3. Studium

Voraussetzung für ein Studium der Rechtswissenschaften (Jura) ist das Vorhandensein der allgemeinen Hochschulreife. Ein fachgebundenes Abitur reicht nicht aus. Mehr als siebzig Universitäten und ähnliche Einrichtungen bieten in Deutschland die Möglichkeit eines Jura-Studiums an. In einigen Bundesländern beschränkt ein Numerus clausus die freie Wahl des Studienortes.

In den ersten drei bis vier Semestern (Grundstudium) der acht bis neun Semester dauernden Regelstudienzeit beschäftigt sich der Studierende mit den Kernbereichen:

  • öffentliches Recht,
  • Strafrecht und
  • Zivilrecht.

Die anschließend anstehende Zwischenprüfung fragt in erster Linie diese Bereiche ab:

  • Strafverfahrensrecht,
  • Baurecht,
  • Umweltrecht und
  • Familienrecht.

Im folgenden Hauptstudium fokussiert der Student neben den allgemeinen Fächern ein Schwerpunktfach, je nachdem, was seine Universität anbietet. Möglich sind z.B. diese:

  • Kriminalrecht,
  • Sozialrecht,
  • Völkerrecht,
  • Europarecht.

Darüber hinaus belegt der angehende Jurist kommunikative Fächer wie Verhandlungsmanagement, Gesprächsführung und Rhetorik und absolviert mehrere Praktika im In- und Ausland während des Hauptstudiums.
Vor Ablegen des ersten juristischen Staatsexamens bereitet sich der Absolvent über einen Zeitraum von einem Jahr auf die Prüfung vor. Nach erfolgreichem Bestehen endet die universitäre Ausbildung formell.

In der anschließenden zweijährigen Referendarzeit genießt der Diplom-Jurist, wie er sich jetzt nennen darf, eine duale Ausbildung. Sie findet statt im Justizzentrum des jeweiligen Bundeslandes und beschäftigt sich mit formellen Fragen des juristischen Alltags

  • Umgang mit Mandanten,
  • Revisionsanträge,
  • Einreichen von Anträgen auf Berufung,
  • Anwendung von Formularen
  • und anderem.

Nebenbei absolviert der Referendar praktischen Dienst in einer Rechtsanwaltskanzlei, bei der Staatsanwaltschaft und bei einem Gericht.
Das Referendariat endet mit dem zweiten juristischen Staatsexamen. Erkennt die Anwaltskammer dieses an, erhält der nunmehrige "Volljurist" auf Antrag eine Zulassung als Rechtsanwalt. Möchte er Richter werden, steht eine weitere Qualifizierung an.

4. Tätigkeit

Als Rechtsanwalt / Rechtsanwältin spezialisiert man sich meistens auf ein bestimmtes Gebiet. Die gängigsten Fachrichtungen sind Strafrecht, Erbrecht, Arbeitsrecht, Familienrecht, Finanzrecht und auch das Internationale Wirtschaftsrecht. Einige Anwälte decken aber auch mehrere Fachrichtungen ab.

Die Aufgaben im Berufsalltag liegen in der Beratung der Mandanten und in der Vertretung vor Gericht. Um das zu können, muss sich der Anwalt bzw. die Anwältin in die Materie des jeweiligen Falles einarbeiten und gegebenenfalls Nachforschungen anstellen. Der Mandant stellt hierzu eine Vollmacht aus, die den Anwalt berechtigt im Namen des Mandanten zu handeln und Informationen zu erheben.