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“Gesucht: Albert Einstein oder vergleichbar” – IQ-Tests bei Bewerbungen

Es gibt Unternehmen, die beim Bewerbungsverfahren IQ-Tests durchführen. Bewerber fragen sich, wie sie sich auf solche Intelligenztests vorbereiten können und ob sie überhaupt eine Chance haben, wenn sie nicht zu den Albert Einsteins gehören. Wie viel sagt überhaupt das Ergebnis eines IQ-Tests über den Menschen aus und können Rückschlüsse zur Leistungsfähigkeit oder Teamfähigkeit gezogen werden?

Bei den IQ-Tests im Bewerbungsverfahren wird in der Regel keine Hochleistung erwartet. Es werden Anforderungen getestet, die mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun haben. Dabei geht es je nach Arbeitsfeld um mathematische, sprachliche und/ oder logische Fähigkeiten. Dennoch bereitet der Gedanke an einen IQ-Test den meisten Menschen Magendrücken. Was, wenn der eigene IQ maximal 100, also dem Durchschnitt entspricht? Besteht dann noch eine Chance, als Kandidat für die offene Stelle in Frage zu kommen? Gibt es nicht auch andere Fähigkeiten, die für das Berufsleben genauso wichtig sind? Ist eine Führungskraft aufgrund ihres hohen IQ eine gute Führungskraft oder sollten noch weitere Messwerte genommen werden, um herausfiltern zu können, wer der ideale Bewerber für diesen Posten ist?

Der Wissenschaftler Jochen Kramer wollte wissen, ob intelligente Menschen erfolgreicher sind. Dazu fasste er 244 Studien zusammen und die Erkenntnis dieser Metaanalyse lautete, dass Intelligente tatsächlich erfolgreicher seien und ebenso bessere Arbeit abliefern. Demnach könnten IQ-Tests bei Bewerbungsverfahren für die Personalverantwortlichen wichtig sein.

Intelligenztests besser als Assessment-Center?

Besonders große Unternehmen testen auf andere Weise die Bewerber: Sie laden die Kandidaten zu Assessment-Centers ein. Hier müssen nun verschiedene Probleme gelöst werden und dabei werden die Bewerber von den Personalchefs beobachtet. Diese Auswahlmethode wird in letzter Zeit häufig kritisiert, denn eigentlich sind die Kriterien festgelegt, nach denen entschieden wird, wer der geeignete Kandidat ist. Tatsächlich ist es jedoch oftmals so, dass der Chef mit unter den Beobachtern sitzt und letztlich sein Bauchgefühl sprechen lässt, um den Kandidaten auszuwählen.

Der Organisationspsychologe Carsten Schermuly ist der Ansicht, dass Deutschland einen Blick auf andere Länder Europas werfen sollte, um von diesen zu lernen. So arbeiten 74 Prozent der spanischen Unternehmen und 69 Prozent der Unternehmen in Großbritannien mit Persönlichkeitstests. Dagegen testen gerade einmal 13 Prozent der Firmen in Deutschland ihre Bewerber mittels Persönlichkeits- oder Intelligenztests. Laut Carsten Schermuly versprechen die kognitiv Leistungsstarken im Berufsleben gute Leistungen. Die Empfehlung von Experten lautet, unterschiedliche Bewertungsmethoden zu kombinieren. So könnten Assessment-Center auch IQ-Tests beinhalten.

Warum man Intelligenztests kaum üben kann

Falls sich nun IQ-Tests bei Bewerbungen immer mehr durchsetzen, möchten Jobsuchende natürlich wissen, wie sich auf diese Tests vorbereitet werden kann. Die Wahrheit ist: Intelligenztests können nur bedingt geübt werden. Ein Grund dafür liefern die beiden Komponenten, aus denen sich Intelligenz zusammensetzt. Psychologen sprechen von fluider und kristalliner Intelligenz. Die fluide Intelligenz zeigt, wie flexibel und schnell Informationen verarbeitet werden können. Diese Komponente ist somit notwendig, um Fertigkeiten und Wissen anzuwenden. Wissen und Fertigkeiten beschreiben die kristalline Intelligenz. Das Problem ist, dass sich die fluide Intelligenz im Erwachsenenalter gar nicht mehr trainieren lässt. Viel Training wirkt sich zwar auf den geistigen Prozess aus, aber immer nur für Übungen die sich ähnlich sind. Eine Verbesserung durch Training bezieht sich also nur auf bekannte Aufgaben, nicht auf fremde. Zudem wird das Ergebnis eines IQ-Tests vom inneren Druck, der Nervosität oder durch äußere Einflüsse wie Geräusche am Testort beeinflusst. Dennoch kann Training helfen, da man dadurch eine Routine entwickelt, durch die sich zumindest die Nervosität reduzieren lässt.

Ist es sinnvoll, seinen IQ-Test den Bewerbungsunterlagen beizufügen?

Wenn schon Unternehmen gesteigerten Wert auf IQ-Tests legen, könnte man doch den Bewerbungsunterlagen das Zertifikat des Intelligenztests beifügen. Die Personaler könnten direkt erkennen, dass sie es mit einem hochintelligenten Menschen zu tun haben, falls dieser einen IQ über 100 vorweist. Es gibt Vereine für hochintelligente Menschen, beispielsweise der Verein Mensa, bei dem man Mitglied ab einem IQ von 130 werden kann. Noch intelligenter sind die Mitglieder der Giga-Society, die in den neunziger Jahren von Paul Cooijmans gegründet wurde. Zur Giga-Society gehören nur neun Mitglieder, denn um Mitglied zu werden benötigt man einen IQ von mindestens 196. Der Informatiker Thomas Wolf aus München ist eines der Mitglieder von Giga-Society. Für die Lösung des Intelligenztestes benötige er einige Monate. Dieser hochintelligente Mensch weiß aber auch zu berichten, dass er in Deutschland als Angeber abgestempelt wird, sobald er über seinen IQ spricht.
Wahrscheinlich würde es dem Bewerber nicht anders ergehen, wenn er seinen IQ-Test in die Bewerbungsmappe legt. Zumal auch Neid aufkommen könnte, wenn der Bewerber einen höheren IQ hat, als der Personalverantwortliche oder der Boss des Unternehmens. Man kann davon ausgehen, dass Personaler diesen Bewerber eher als Hochstapler abstempeln und direkt aussortieren.

Weiterführende Infos zum Thema:

Assessment-Center als Charaktertest: So klappt´s!

Der Auswahltest: So behältst du die Nerven

Das wollen Personaler wirklich lesen und hören