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Ergebnis der Umfrage 2015: Frauen verdienen 27 % weniger als Männer – Was würdest Du tun, wenn das auch auf Dich zutrifft?

Ergebnis der Umfrage 2015: Frauen verdienen 27 % weniger als Männer – Was würdest Du tun, wenn das auch auf Dich zutrifft?

2.500 Frauen hat diese Frage interessiert und sie haben unsere kurze Online-Umfrage beantwortet. Wir wollten wissen, wie sich Frauen verhalten würden, wenn sie erfahren, dass sie deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, selbst wenn sie vergleichende oder gar identische Arbeit verrichten.

Im Februar 2015 wollten wir von unseren weiblichen Besucherinnen wissen: „Was würdest Du tun, wenn Du erfährst, dass Du bei identischer Tätigkeit weniger verdienst?“

Folgende Antworten standen zur Auswahl:

  • Mit dem Chef ein besseres Gehalt aushandeln
  • Kinderwunsch begraben und mehr arbeiten
  • Neue Firma suchen, die besser bezahlt
  • Eine Fortbildung oder neues Studium beginnen
  • Mich an die Gewerkschaft/Betriebsrat wenden
  • Einen gutverdienenden Ehemann finden
  • Oh, wusste gar nicht, dass Frauen weniger verdienen
  • Mir eigentlich egal



Ergebnis der Umfrage:

Wie zu erwarten haben 38 % der weiblichen Beschäftigten gesagt, dass sie mit dem Vorgesetzten ein besseres Gehalt aushandeln würden, gefolgt von 20%, die sich eine neue Beschäftigung in einer neuen Firma suchen würden, um der ungleichen Bezahlung entgegenzuwirken. Etwas überraschend ist die Tatsache, dass auf Platz 3 - mit immerhin 15% - Frauen den „gutverdienenden Ehemann“ favorisieren. Jetzt lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, was sich Frauen von dieser Lösung versprechen, ein paar Gedanken dazu können aber nicht schaden:

Dominoeffekt Ehegattensplitting

Da in Deutschland die Ehe steuerlich immer noch als „Wirtschaftsgemeinschaft“ mit der Besonderheit des Ehegattensplittings geführt wird, wählen viele Paare traditionell für die Ehefrau die schlechtere Steuerklasse mit hohen monatlichen Abzügen. Dies scheint umso naheliegender, wenn die Frau weniger verdient, als der Mann. Kommen Kinder in die Ehe/Beziehung, ist der Schritt in die Erwerbsunterbrechung anschließend oft noch von Teilzeit begleitet. Da dieses Lebensmodell nach wie vor sehr verbreitet ist und wesentlich auf ein absicherndes und ein lediglich ergänzendes Gehalt aufbaut, verstärkt sich der nachteilige Effekt für Frauen immer mehr.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass die Quote der „Geringfügig Beschäftigten/Mini-Jobber“ sich in den letzten Jahren erhöht hat und überwiegend von Frauen zwischen 25-50 Jahren ausgeführt werden. Diese Beschäftigungsform wird in der Rentenberechnung nicht berücksichtigt. Womit der nächste Punkt angesprochen werden muss:

Altersarmut ist Weiblich

Während der Gehaltsunterschied im erwerbsfähigen Alter zwischen Männer und Frauen 27% beträgt, sind es bei der Rente schon fast 60 %, die Frauen weniger erhalten als Männer. Gleichzeitig hat der Gesetzgeber in den letzten Jahren gravierende Änderungen im Unterhalts- und Rentenrecht vorgenommen, was allerdings noch nicht zu einer gewünschten Verhaltensänderung der weiblichen Beschäftigten beigetragen hat. So sind etwa alle Ehen, die nach 1977 geschlossen und nun geschieden wurden, von den Änderungen betroffen.

Angesichts der Tatsache, dass jede 2. Ehe geschieden und Unterhaltszahlung nur noch für einen kurzen Übergangszeitraum gewährt wird, scheint der Wunsch nach einem „gutverdienenden Ehemann“ also überholt und die Absicherung durch Heirat wenig erfolgversprechend. Und selbst wenn eine Ehe bestand hat, also nicht geschieden wird, stellt der Todesfall des Ehemannes ein weiteres Risiko für die Verarmung im Alter dar, denn auch in diesem Fall werden Hinterbliebenenrenten nur noch übergangsweise gezahlt.

Qualifizierung keine Option

Des Weiteren haben jeweils 8% der Umfrageteilnehmenden gesagt, dass sie sich an eine Arbeitnehmervertretung, also Betriebsrat oder Gewerkschaft wenden oder schlichtweg keine Änderung („mir eigentlich egal“) anstreben würden. Mit jeweils 3% wird eine zusätzliche berufliche Qualifizierung oder der Verzicht auf Kinder als Möglichkeit für mehr Lohngerechtigkeit erwogen. 2% gaben an, dass der Lohnunterschied nicht bekannt war.

Mehr Lohngerechtigkeit, aber wie?

Aktuell wird von der Familienministerin Manuela Schwesig ein neues Gesetz vorangetrieben, das die Lohnungerechtigkeit abmildern und ein Bewusstsein für ein neues Erwerbsverhalten von Frauen schaffen soll. Dieser Vorstoß wird gerade recht lebhaft diskutiert und unter dem Begriff Entgeltgleichheitsgesetz als Antwort auf die Lohnlücke (auch „Gender Pay Gap“ genannt) zwischen Frauen und Männern verstanden. Doch die viele Zahlen und Informationen rund um das Thema sind oft verwirrend und nicht gut erklärt.

Hier die größten Missverständnisse in der Debatte:

1. 27% Gehaltsunterschied?

Nicht ganz! Man unterscheidet zwischen unbereinigter und bereinigter Entgeltlücke und einfach erklärt heißt das, dass die Unterbrechung der Berufstätigkeit durch Familienzeiten, der Ausbildungs- und Studiengangwahl, der späteren Berufswahl, Teilzeittätigkeit, geringere Prämienausschüttung und fehlende Überstundenvergütung indirekt zu einer „Schlechterstellung“ der Frau führt. Direkte Diskriminierung, die nicht mehr auf genannte Faktoren zurückführen und sich somit nicht mehr erklären lässt beträgt etwa 5%.

Besser Mechatronikerin werden, als Friseurin!

Besser MINT (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) studieren als Sozialpädagogik!

Familienzeiten partnerschaftlich aufteilen!

Zügig Teilzeit aufstocken!


2. Gehaltsverhandlungen machen den Unterschied

Ja, denn eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung ist ein wichtiger Bestandteil der Gehaltsentwicklung und zwar vor allem in den ersten 10 Berufsjahren, denn hier wird das Fundament für die weitere Karriere gelegt. Frauen schneiden hier allerdings schlechter ab, als ihre männlichen Kollegen. Warum ist das so? Da ein signifikanter Teil der Entgeltlücke durch die variable Vergütung, also Boni, Prämien und freiwillige Arbeitgeberleistungen zustande kommt, sollte das Augenmerk auf die Gehaltsverhandlungen gelenkt werden. Laut den Frankfurter Professorinnen Voigt/Ruppert fällt die Bilanz bescheiden aus, weit weniger als 10 % Gehaltserhöhung bei 70 % der befragten Frauen, während 50 % der befragten Männer mit deutlich mehr als 10% in die nächsten Beschäftigungsjahre gingen.

Seriöse, fast strenge Kleidung tragen, denn das dekorative, liebe Mädchen hat heute frei!

Höher pokern, um am Ende mit einem Plus und keiner milden Gabe aus dem Gespräch zu gehen!


3. Tarifeingruppierung ist neutral

Leider nein, auch für tariflich bezahlte Beschäftigte gilt eine genaue Prüfung der Eingruppierung, so wurden Klagen von Frauen in der Druckindustrie stattgegeben, die sich auf die für sie nachteilige Eingruppierung bezogen. Anfällig für ungünstige Unterscheidungen ist das Tarifsystem dort, wo sich aus der Bewertung von Frauen- und Männerarbeitsplätzen unterschiedliche Eingruppierungen und somit Entgelte ergeben. Beispielsweise wird Verantwortung für Maschinen höher bewertet, als Verantwortung für Menschen. Kommunikationsfähigkeit oder soziale Kompetenz ist in Beratungs- oder Betreuungsjobs oft wichtiger Bestandteil (weiblicher) Tätigkeiten, allerdings nicht als Anforderung erfasst.

Zahlen basieren auf der empirischen Untersuchung von Compensation-Online und dem Statistischen Bundesamt.

Autorin: Tanja Merkens

Weiterführende Infos zum Thema:

Arbeiten in der Rente: Die einen müssen, den anderen bringt es einfach nur Spaß

Nebenjobs, Mindestlohn und Kosten: Das erwartet uns 2015

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