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Ländervergleich Schweden: Arbeit, Gehalt und Leben

Eine Bucht in Schweden mit kleinen Booten und typisch schwedischen Häuschen im Hintergrund

Zauberhafte Natur, stilvoll gekleidete Menschen und eine Gesellschaft, die ein kleines bisschen weiter ist als anderswo: Zu Schweden fallen schnell einige Klischees ein. Das Königreich im Norden genießt wohl auf der ganzen Welt einen guten Ruf und gilt in mehrfacher Hinsicht als vorbildlich. Der gut ausgebaute Sozialstaat und die entspannte Arbeitswelt machen Schweden für Einwanderer attraktiv, nicht zuletzt für (werdende) Familien. Auch in Sachen Gleichberechtigung gilt das Land als einer der weltweiten Vorreiter.

Doch wie immer ist nicht alles Gold, was glänzt. So stehen den ordentlichen Gehältern in Schweden Steuern auf internationalem Rekordniveau gegenüber. Gewöhnungsbedürftig ist sicherlich auch die Transparenz, die in der schwedischen Gesellschaft großgeschrieben wird – mancher wird dort schnell seine Privatsphäre vermissen.

Was gilt es zu beachten, wenn man in Schweden leben und arbeiten möchte? Wir haben das riesige skandinavische Land genauer unter die Lupe genommen und dabei einige erstaunliche Dinge festgestellt.

Kennzahlen: Arbeiten in Schweden

  • Einwohnerzahl: 10,2 Mio.
  • Währung: Schwedische Krone (SEK)
  • Durchschnittlicher Verdienst: 33.700 SEK (ca. 3.170 €) brutto im Monat
  • Gehaltsbestandteile: (brutto und netto) Grundgehalt plus variable Gehaltsbestandteile. Erfolgsabhängige Prämien sind weit verbreitet, vor allem auf der Managementebene. Die Sozialabgaben werden in Schweden ausschließlich vom Arbeitgeber bezahlt, sodass das Nettogehalt relativ nah am Bruttogehalt ist. Lediglich die (hohen) Steuern müssen entrichtet werden. Weitere Zuwendungen für Arbeitnehmer wie Betriebsrenten und Zusatzversicherungen sind bei vielen Unternehmen üblich, teilweise sogar verpflichtend.
  • Steuersatz/Steuersystem: Die Steuerbelastung für Arbeitnehmer in Schweden richtet sich nach der Einkommenshöhe und dem Wohnort. Rund um die Hauptstadt Stockholm entrichten Steuerzahler erheblich höhere Beiträge als in ländlichen Gebieten. Im Durchschnitt liegt der Einkommensteuersatz bei 32,19 %.
  • Krankenkasse & Co.: Im schwedischen Wohlfahrtsstaat haben alle Einwohner (einschließlich Ausländer und Asylbewerber) Anspruch auf medizinische Versorgung. Das System wird durch Steuern und die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung bezahlt. Eine Gebühr von 100 bis 400 SEK (etwa 9 bis 37 Euro) wird bei Arzt- und Krankenhausbesuchen dennoch fällig und Medikamente bis zu einem jährlichen Höchstbetrag von 2300 SEK (ca. 215 Euro) sind selbst zu zahlen. (Zahlen für die Provinz Stockholm)
  • Rente: Das Renteneintrittsalter ist flexibel. Ab 61 kann, ab 67 muss man Rente beziehen. Wegen des demografischen Wandels wurde eine Anhebung des Eintrittsalters auf 64 bis 69 Jahre beschlossen, die ab 2026 umgesetzt werden soll.
    Die staatliche Garantierente von 8.254 SEK monatlich (ca. 775 Euro) für Alleinstehende und 7.363 SEK (ca. 690 Euro) für Verheiratete erhält derzeit, wer mit 65 in den Ruhestand geht. Viele Schwedinnen und Schweden beziehen über die Garantierente hinaus Betriebsrenten, außerdem sind private Altersvorsorgemaßnahmen verbreitet.
  • Babypause/Elternzeit: Die Familienfreundlichkeit in Schweden gilt als außergewöhnlich. So haben (werdende) Mütter das Recht, mindestens sieben Wochen vor und sieben Wochen nach der Geburt eines Kindes frei zu nehmen. Jeweils zwei Wochen vor und nach dem errechneten Geburtstermin ist die Freizeit für die Angestellten verpflichtend.
    Bis das Kind anderthalb Jahre alt ist, können die Eltern durchgehend Elternzeit nehmen. Auch gestückelte Elternzeitmodelle gibt es. Alternativ bietet das schwedische System Arbeitszeitreduzierung für Eltern an. Teilzeitmodelle von drei Vierteln bis zu einem Achtel sind möglich.
    Elterngeld wird 240 Tage pro Kind und Elternteil gezahlt, bei Alleinerziehenden die vollen 480 Tage. Bei einem erziehenden Paar entspricht die Höhe des Elterngeldes 390 Tage lang dem Satz des Krankengeldes und 90 Tage dem Mindestsatz von 180 SEK (ca. 17 Euro) pro Tag.
  • Zahlweise Gehalt: in der Regel monatlich als Überweisung aufs Bankkonto
  • Wochenarbeitszeit: Erlaubt sind bis zu 40 Stunden pro Woche, durchschnittlich werden 37,1 Stunden gearbeitet. Einige Unternehmen experimentieren mit kürzeren Arbeitszeiten, der Sechs-Stunden-Tag bleibt allerdings die Ausnahme. Höchstens 200 Überstunden dürfen pro Jahr geleistet werden, es gibt in Schweden aber grundsätzlich keine große Überstundenkultur.
  • Urlaubsanspruch im Jahr: Mindestens 25 Tage im Jahr bei einer 5-Tage-Woche. Allerdings hat man im ersten Jahr der Anstellung eigentlich nur Recht auf unbezahlten Urlaub, der bezahlte Urlaub wird quasi fürs Folgejahr erarbeitet. Vier zusammenhängende Wochen Urlaub im Sommer sind üblich, da viele Unternehmen regelrecht Ferien machen.
  • Arbeitspausen: Arbeitnehmern steht spätestens nach fünf Stunden Arbeit eine Pause zu, die in der Regel mindestens 30 Minuten beträgt. Innerhalb von 24 Stunden müssen 11 Stunden in Folge arbeitsfrei sein.

Schweden im Ländervergleich

Wie alle Nordischen Länder hat Schweden einen bemerkenswerten Strukturwandel hinter sich. Einst war das Land überwiegend agrarisch geprägt, Land- und Forstwirtschaft dominierten bis ins ausgehende 19. Jahrhundert die Ökonomie. Der große Baumbestand legte den Grundstein für die Holzindustrie Schwedens; zudem wurden Bergbau, vor allem von Eisenerz, und Metallverarbeitung Motoren des Aufschwungs.

Inzwischen ist in Schweden noch vor der Holz- und Zellstoffindustrie und den verarbeitenden Betrieben (Fahrzeug, Elektrotechnik, Pharma sowie regenerative Energien) der Dienstleistungssektor führend. Die stark exportorientierte Wirtschaft Schwedens wird vor allem von international operierenden Unternehmen wie Electrolux, H&M, IKEA oder Volvo getrieben – also aus unterschiedlichsten Branchen. Der Wohlstand wächst weiter: In jüngerer Zeit erlebte die Wirtschaft einen in den weit entwickelten Staaten beispiellosen Boom, der allerdings zuletzt wieder etwas abflaute.

Immer wieder wird Schweden nachgesagt, besonders zukunftsorientiert zu sein. Im tendenziell arbeitnehmerfreundlichen skandinavischen Wohlfahrtsstaat (folkehemmet), der seine Wurzeln in den 1930er Jahren hat, steht der Mensch im Mittelpunkt. Sozialdemokratie und Gewerkschaften haben einen vergleichsweise starken Stand – umso bemerkenswerter scheint es, dass es keinen gesetzlichen Mindestlohn in Schweden gibt. Dennoch wird in der Regel ein Mindestlohn gezahlt, den die Gewerkschaften für ihre jeweilige Branche aushandeln. So soll z. B. ein Elektriker im ersten Berufsjahr festgelegt mindestens 17.878 SEK (etwa 1.670 Euro) im Monat verdienen. Außerdem bekommen so gut wie alle Angestellten in Schweden Urlaubsgeld – allerdings gibt es Weihnachtsgeld oder ein 13. Monatsgehalt nur für Besserverdienende.

Zwar scheinen die Gehälter in Schweden zum Teil sogar etwas geringer zu sein als in Deutschland – allerdings beim Brutto. Durch die allein vom Arbeitgeber getragenen Sozialversicherungsbeiträge bleibt trotz der hohen Steuern netto mehr für Arbeitnehmer als hierzulande übrig. Daher sind die Lohnnebenkosten für die Unternehmen entsprechend hoch – sie liegen bei 32,3 %. Lediglich in Frankreich müssen Arbeitgeber innerhalb der EU mehr entrichten.

Viele Benefits für Arbeitnehmer wie Wellness-Angebote oder die betriebliche Kaffeepause (fika) sind in Schweden üblich. Als besonders vorbildlich gilt die Geschlechtergerechtigkeit in dem skandinavischen Land: Kaum anderswo ist der Anteil arbeitender Frauen so hoch, der Gender Pay Gap ist geringer als in vielen anderen Ländern (mit unbereinigt 12,6 % dennoch deutlich vorhanden) und es gibt einen hohen Anteil weiblicher Führungskräfte – all dies spricht eine deutliche Sprache. Gründe dafür: die familienfreundliche Erwerbswelt mit guter Kinderbetreuung, flexiblen Arbeitszeiten und wenig Überstunden sowie ein gesellschaftliches Klima, das vielleicht das entscheidende Bisschen fortschrittlicher ist.

Apropos fortschrittlich: Geradezu futuristisch mag anmuten, wie in Schweden mit Transparenz umgegangen wird. Was hierzulande im Rahmen des Schutzes der persönlichen Daten als heilig gilt, hat im Norden keine Bedeutung. Viele Informationen werden privat ausgetauscht, digital gespeichert und von Behörden oder Unternehmen abgerufen, wenn es gerade praktisch ist. Da passt es ins Bild, dass die meisten Schweden immer und überall mit Kreditkarte bezahlen und sogar eine Abschaffung des Bargeldes in dem Land nicht unrealistisch scheint. Zu guter Letzt sind sogar Steuerdaten (und damit die Gehälter) für alle Bewohner des Landes abrufbar: Ein Anruf beim Finanzamt Skatteverket genügt. Nur König und Königin sind tabu.

Arbeitsmarkttrends in Schweden

Auch wenn die Wirtschaftskrise der Nullerjahre an Skandinavien nicht spurlos vorüberging, kam Schweden relativ glimpflich davon. 2019 liegt die Arbeitslosenquote bei 6,2 %, Tendenz sinkend. Sie ist allerdings deutlich höher als bei den Nachbarn in Norwegen, wo offiziell lediglich 3,9 % arbeitslos sind. Die Jugendarbeitslosigkeit ist in Schweden außerdem mit 17,5 % knapp dreimal so hoch wie die Quote bei der Gesamtbevölkerung. Migrantinnen und Migranten sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Schweden ohne Migrationshintergrund.

Insgesamt steht das Land allerdings bei den meisten Kennzahlen besser da als der EU-Durchschnitt. Das macht Schweden zu einem beliebten Einwandererland. Tatsächlich sind die Hürden für Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union gering, denn diese benötigen kein Visum oder eine gesonderte Aufenthaltsgenehmigung. Beim Umzug nach Schweden muss für Angehörige pro forma eine Aufenthaltsgenehmigung beantragt werden. Wichtig ist, sich schnellstmöglich um eine Personennummer zu kümmern, die in sehr vielen Bereichen des täglichen Lebens notwendig ist.

Wer sich bei einem schwedischen Unternehmen bewerben möchte, macht dies auf ähnliche Art und Weise wie in Deutschland – allerdings in schwedischer oder englischer Sprache. Außerdem ist es verbreitet, Referenzen zu nennen, also ehemalige Vorgesetzte, die gegebenenfalls kontaktiert werden können. Auch Betreuende aus der Studienzeit sind mögliche Ansprechpartner.

Der Austausch zwischen den Ländern ist bereits sehr fruchtbar. Insgesamt sind die deutsche und die schwedische Wirtschaft eng verzahnt, Deutschland gilt als Schwedens wichtigster Handelspartner. Und so gibt es viele Unternehmen, die in beiden Ländern tätig sind. Daher ist es kein Wunder, dass es eine Menge personellen Austausch über die Ostsee gibt: Rund 29.000 Deutsche leben in Schweden, etwa 18.000 schwedische Staatsbürger in Deutschland.

Welche Berufe sind in Schweden gefragt?

Der hohe Lebensstandard in Schweden hat Auswirkungen auf die Beschaffenheit des Arbeitsmarktes: Die Lebenserwartung steigt und damit weisen der Gesundheitssektor und die Pflege besonderen Arbeitskräftemangel auf. Grundsätzlich gibt es aber in allen Branchen einen Fachkräftemangel.

Besonders gefragte Berufsgruppen in Schweden sind:

Um beruflich in Schweden Fuß zu fassen, genügen zunächst gute Englischkenntnisse, denn die meisten Skandinavier beherrschen die englische Sprache besser als Deutsche. Bald sollte man allerdings anfangen, Schwedisch zu lernen, um besser sozialen Anschluss zu finden. Häufig gibt es für Migranten kostenfreie Sprachkurse und Arbeitgeber unterstützen bei zahlreichen Maßnahmen zur Integration.

Schulsystem und Ausbildung in Schweden

Die Schulen in Schweden sind grundsätzlich als Gemeinschaftsschulen konzipiert und teilen sich wie folgt auf:

  • Vorschule (Förskoleklass) für Sechsjährige
  • Grundschule (Grundskola) für Schüler von 7 bis 16. Noten werden erst ab der 6. Klasse vergeben.
  • Gymnasiale Oberstufe für Schüler von 16 bis 19. Hier findet auch ein großer Teil der Berufsausbildung statt.

Neben den staatlichen Schulen gibt es auch eine Menge privater Schulformen, z. T. mit kirchlichen Trägern, deren System teilweise abweicht.

Dazu gibt es wie in den anderen Nordischen Ländern Folkhögskolor (Volkshochschulen), bei denen Menschen jedes Alters in zahlreichen Fächern weitere Kompetenzen erwerben können.

In Schweden gibt es 14 staatliche Universitäten und 24 Hochschulen sowie vier „unabhängige Institutionen“. Einige weitere Hochschulen sind privat, haben aber dieselben Rechte wie staatliche Einrichtungen. Bürgerinnen und Bürger der EU-Mitgliedsstaaten müssen an staatlichen Hochschulen keine Studiengebühren entrichten, allerdings kann man gegen Gebühr Mitglied der Studentengewerkschaft werden und damit unterschiedliche Vergünstigungen erhalten. Viele Kurse finden auf Englisch statt.

Arbeiten in Schweden: Fazit

Ähnlich wie bei den skandinavischen Nachbarn Norwegen und Dänemark scheint in Schweden einiges in der Arbeitswelt grundlegend anders zu laufen als in Deutschland. Gerade, wer Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance legt, kann dort einen attraktiven Standort zum Leben und Arbeiten finden. Einige hierzulande bekannte Unternehmen wie IKEA, H&M oder Volvo stammen aus dem Königreich. Mit allseits verbreiteten englischen Sprachkenntnissen und der nicht allzu schwierig zu erlernenden Sprache sind die Hürden für Arbeitnehmer aus dem Ausland nicht besonders hoch; zudem genießen Deutsche einen relativ guten Ruf. Ausländerinnen und Ausländer aus anderen Staaten können da schon mehr Pech haben; Rassismus, gerade gegenüber Zuwanderern aus muslimisch geprägten Ländern, ist durchaus verbreitet.

Berühmt ist Schweden für seine fortschrittliche Gleichstellungspolitik. Zwar wäre es vermessen, das Land als Paradies zu begreifen, denn auch hier sind in Sachen Chancengleichheit noch längst nicht alle Prozesse abgeschlossen – auch wenn der Gender Pay Gap niedriger ist als anderswo, gibt es ihn dennoch. Die hierzulande mit harten Bandagen geführte Diskussion um Frauenquoten in Aufsichtsräten gibt es in der Form in Schweden allerdings nicht; mit größerer Selbstverständlichkeit werden jahrhundertealte Missstände auch durch harte Gesetze angegangen. Und Feminismus ist im Norden kein abwertender Kampfbegriff, sondern wird auch von vielen Männern als Ziel ausgegeben.

Um in Schweden sesshaft zu werden, sollte man außerdem kein Problem damit haben, ständig „durchleuchtet“ zu werden. Die Transparenzmentalität ist mindestens gewöhnungsbedürftig. Außerdem werden hohe Steuern fällig – was allerdings durch die nicht existenten Arbeitnehmeranteile bei den Sozialabgaben zumindest teilweise kompensiert wird. Und schließlich sollte sich jeder bewusst sein, wie groß das Land ist und wie weit die Lebensrealitäten zwischen der Metropole Stockholm und den abgelegenen ländlichen Gegenden voneinander abweichen. Insgesamt ist Schweden nur ein Zehntel so dicht besiedelt wie Deutschland – da kann es auf dem Land schon mal einsam werden.

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Quellen:

1177 Vårdguiden
Auslandslust
Auswärtiges Amt
Deutscher Akademischer Austauschdienst
Deutsch-Schwedische Handelskammer
Europäische Kommission
Eurostat
Försäkringskassan
Germany Trade & Invest
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