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Ländervergleich Frankreich: Arbeit, Gehalt und Leben

Ländervergleich Frankreich: Arbeit, Gehalt und Leben

Frankreich ist die sechsgrößte Volkswirtschaft der Erde und wohl das bedeutendste Nachbarland Deutschlands. Mit großer Anteilnahme wurde hierzulande die Präsidentschaftswahl verfolgt und die Menschen atmen auf, dass sich die Franzosen nicht für eine Abschottung von Europa entschieden haben. Schließlich ist Frankreich Gründungsmitglied der Europäischen Union beziehungsweise ihrer Vorgängerorganisation, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Nach zwei Weltkriegen im 20. Jahrhundert ist das positive deutsch-französische Verhältnis einer der Motoren der europäischen Einigung.

Entsprechend sind die Nachbarn Frankreichs, darunter Deutschland an erster Stelle, die wichtigsten Handelspartner Frankreichs. Als tonangebend in der französischen Wirtschaft gelten der Dienstleistungssektor, die verarbeitende Industrie, der Handel und die Bauwirtschaft. Mehr als 90.000 Deutsche leben in dem Land zwischen Ärmelkanal und Côte d‘Azur. Welche Besonderheiten zeichnen das Berufsleben bei unseren westlichen Nachbarn aus?

Kennzahlen: Arbeiten in Frankreich

  • Einwohnerzahl: 66,9 Mio.
  • Währung: Euro
  • Durchschnittlicher Verdienst: ca. 37.000 € brutto im Jahr (= monatlich 3.083 € umgerechnet auf 12 Monate). Da die Steuerlast für Arbeitnehmer deutlich geringer ist als in Deutschland, fallen die Bruttogehälter ebenfalls niedriger aus. Außerdem wird in der Regel der Bruttolohn nach Sozialabgaben ausgezahlt (siehe „Steuersatz/Steuersystem“).
  • Gehaltsbestandteile: (brutto und netto) Grundgehalt plus variable Gehaltsbestandteile. In Frankreich übernehmen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Sozialversicherungsbeiträge anteilig zu 40-45 % (Arbeitgeber) bzw. zu 20-25 % (Arbeitnehmer) des Bruttogehalts. Der Arbeitgeber führt diese direkt ab. Der Beitrag setzt sich für den Arbeitnehmer hauptsächlich aus folgenden Teilen zusammen: 0,75-2,25 % Krankenversicherung, 6,75 % Altersversicherung, 0,1 % Hinterbliebenenversicherung, 2,4 % Arbeitslosenversicherung, 3-8 % Zusatzrenten, bei höheren Angestellten bis zu 20,3 %. Außerdem werden 0,8-0,9 % in einen Fonds für Mehraufwendungen bei Frühverrentung eingezahlt.
  • Steuersatz/Steuersystem: In Frankreich führen nicht die Arbeitgeber die Einkommensteuer ab, es wird direkt das Bruttogehalt nach Sozialabgaben ausgezahlt. Arbeitnehmer zahlen die Einkommensteuer, die deutlich niedriger ist als in Deutschland, nach dem ersten Arbeitsjahr im Rahmen einer obligatorischen Steuererklärung nach. Anschließend werden vierteljährliche Vorauszahlungen geleistet, ähnlich wie bei Selbstständigen in Deutschland. Die jährliche Einkommensteuer entspricht etwa einem bis drei Monatsgehältern. Darüber hinaus wird jeden Monat die sogenannte Sozialsteuer in Höhe von 7,5 % auf Basis von 97 Prozent des Gehalts fällig. Eine weitere Besonderheit des französischen Steuersystems ist die Wohnsteuer, deren Höhe sich nach dem Wohnort richtet.
  • Krankenkasse & Co: Das französische Krankenversicherungssystem teilt sich in vier verschiedene Zweige auf. Mehr als 80 % der Bevölkerung – Arbeitnehmer aus Industrie, Handel und dem Dienstleistungssektor – werden beim „Régime général“ versichert. Dazu gibt es eine Krankenkasse für Tätige in der Landwirtschaft, eine für Angehörige der freien Berufe sowie berufsständische Kassen für Seeleute oder Eisenbahner. Finanziert werden die Krankenkassen durch Sozialabgaben sowie durch die Sozialsteuer. Darüber hinaus haben 87 % der französischen Arbeitnehmer eine Zusatzversicherung abgeschlossen.
  • Rente: Das gesetzlich vorgesehene Renteneintrittsalter in Frankreich liegt aktuell bei 62 Jahren. Der tatsächliche Zeitpunkt hängt allerdings von der Beitragsdauer ab und verschiebt sich häufig nach hinten. So gehen Menschen in Frankreich in der Regel in Rente, sobald sie zwischen 62 und 67 Jahre alt sind. Wer früh ins Erwerbsleben eingetreten ist und lange in die Altersversicherung eingezahlt hat, kann schon mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen.
  • Babypause/Erziehungszeit: 80 % der Frauen zwischen 25 und 49 in Frankreich sind erwerbstätig, dennoch ist die Geburtenrate bei unseren westlichen Nachbarn hoch. Einer der Gründe: Mütter haben Anspruch auf einen gesetzlichen Mutterschutz von mindestens 16 Wochen, bei Mehrlingsgeburten bis maximal 46 Wochen. Abhängig von gewerkschaftlichen Vereinbarungen kann dies noch vorteilhafter für die Frauen ausfallen. Jeweils vor und nach der Geburt wird der Mutterschutz in Anspruch genommen, mindestens acht Wochen vorher und nachher ist Arbeiten für Mütter nicht erlaubt.
    Männer haben ebenfalls Anspruch auf berufliche Auszeiten rund um die Geburt eines Kindes. Gesetzlich gibt es Sonderurlaub von drei Tagen zur Geburt, zusätzlich können elf bis 18 Tage Urlaub genommen werden.
    Elternzeit – in Frankreich Erziehungszeit genannt – wird für Arbeitnehmer wie folgt gewährt: Sofern eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mindestens ein Jahr im Unternehmen gewesen ist, können sie ein bis drei Jahre Erziehungszeit in Anspruch nehmen. Zwar wird der Arbeitsvertrag dafür aufgelöst, der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin haben allerdings Anspruch auf Wiedereinstellung. Finanzielle Unterstützung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, auch arbeiten manche junge Eltern in Teilzeit weiter. Männer nehmen bislang die Erziehungszeit kaum in Anspruch.
  • Zahlweise Gehalt: In der Regel monatlich, die Zahlung per Scheck ist weit verbreitet. Erst bei Nettogehältern von mehr als 1.500 Euro sind Banküberweisungen notwendig.
  • Wochenarbeitszeit: Die Normalarbeitszeit beträgt 35 Stunden. Diese dient auch als Referenz zur Berechnung von Überstunden, welche in der Regel gesondert ausgezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden. 48 Stunden pro Woche dürfen nicht überschritten werden.
  • Urlaubsanspruch im Jahr: Pro gearbeitetem Monat sammeln Arbeitnehmer Urlaubstage an, die ihnen gutgeschrieben werden. Die Anzahl hängt davon ab, wie das jeweilige Unternehmen die Arbeitstage berechnet und ob von einer Fünf- oder Sechstagewoche ausgegangen wird. Bei Fünftagewochen sind 25 Urlaubstage die Regel, bei Sechstagewochen 30.
  • Arbeitspausen: Nach sechs Stunden Arbeit müssen Arbeitgeber eine Pause von mindestens 20 Minuten gewähren. In vielen Tarifverträgen sind die Regelungen günstiger für die Arbeitnehmer. Gesetzlich festgelegt ist zudem, dass zwischen zwei Arbeitsschichten mindestens 11 Stunden arbeitsfreie Zeit liegen muss. Einmal die Woche müssen Arbeitnehmer 35 Stunden pausieren.

Frankreich im Ländervergleich

Frankreich ist eine breit aufgestellte Volkswirtschaft, die traditionell über vergleichsweise vorteilhafte Gesetze für Arbeitnehmer verfügt. So gilt bereits seit 1950 ein Mindestlohn, der im Jahr 2017 9,76 € die Stunde beträgt. Probezeiten für Arbeitsverhältnisse betragen lediglich zwei Monate bzw. für leitende Angestellte vier Monate. Die vielen Tarifverträge, die die gesetzlichen Vorschriften noch erweitern, gelten als besonders arbeitnehmerfreundlich.

Das täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass das Lohnniveau in Frankreich seit Jahren stagniert. Auffällig sind außerdem die großen Unterschiede zwischen der Hauptstadtregion und dem Rest des Landes: Rund um Paris werden deutlich höhere Gehälter als in der Provinz gezahlt. Dafür sind die Lebenshaltungskosten in der Metropole auch bedeutend höher, Paris gilt als eine der teuersten Städte der Welt. Von der Hauptstadt abgesehen sind die Mietpreise vergleichbar mit denen in Deutschland. Lebensmittel kosten etwas mehr als hierzulande, im Großen und Ganzen bewegen sich die Lebenshaltungskosten aber auf einem ähnlichen Niveau.

Arbeitsmarkttrends in Frankreich

Die Krisenjahre gingen auch an der französischen Wirtschaft nicht spurlos vorüber. Optimistisch geht die Regierung für 2017 aber von einem Wirtschaftswachstum von 1,5 % aus. Außerdem ist die Arbeitslosigkeit zuletzt leicht gesunken und lag im Dezember 2016 bei rund 9,7 % (3,5 Millionen Menschen). Dem vergleichsweise hohen Mindestlohn werden negative Auswirkungen auf den französischen Arbeitsmarkt zugeschrieben. Viele befristete Arbeitsverträge seien laut einer Studie der wirtschaftsliberalen Bertelsmann Stiftung die Folge.

Welche Berufe sind in Frankreich gefragt?

Starke Motoren der französischen Wirtschaft sind die Großunternehmen, vor allem aus den Branchen:

  • Dienstleistungen / Tourismus
  • Luftfahrt
  • Automobilindustrie
  • Energiewirtschaft
  • Landwirtschaft und Ernährung
  • Luxusartikel
  • Pharmazie
  • Chemische Industrie
  • Elektronik

Besonderen Personalbedarf weisen folgende Branchen und Berufsfelder in Frankreich auf:

Für detaillierte Informationen und aktuelle Stellenangebote empfiehlt sich der Blick in die französischen Stellenbörsen.

Schulsystem und Ausbildung in Frankreich

Das französische Bildungssystem ist mit Ausnahme einer geringfügigen Gebühr für die Einschreibung an einer Universität kostenfrei. Im Rahmen der Dezentralisierung unterstehen die höheren Bildungseinrichtungen inzwischen den Regionen oder Départements, während die Grundschule noch zentral geregelt ist.

Für die allermeisten Kinder (99 %) beginnt die Schullaufbahn in der nicht-verpflichtenden Vorschule, der École maternelle, die für die Zwei- bis Sechsjährigen angeboten wird. Es schließt sich die École élémentaire an, die Grundschule. Fünf Jahre beträgt hier die Schulzeit, die sich wie folgt aufteilt:

  • Die ersten drei Jahre vermitteln die Grundfertigkeiten (Cours préparatoire und Cours élémentaire 1 und 2).
  • Die Jahre 4 und 5 dienen zur Vertiefung des Wissens (Cours moyen 1 und 2).

Das Collège, das den Départements untersteht und das sich automatisch an die École élémentaire anschließt, ist vergleichbar mit der Sekundarstufe I in Deutschland. Nach vier Jahren erhalten Schüler hier das Brevet, in etwa der mittleren Reife entsprechend. Wer vor Ende der Schulzeit 16 Jahre alt wird, kann die Schule verlassen. In der Tendenz wird das Collège aber immer öfter bis zum Brevet besucht. 80 % der Schüler besuchen eine staatliche Schule, 20 % gehen auf Privatschulen.

Ähnlich der deutschen Sekundarstufe II stellt das Lycée (Gymnasium), das den Regionen unterstellt ist, den höchsten Bildungsabschluss der französischen Schullaufbahn dar. Dieses teilt sich auf in drei Zweige, von denen einer noch weiter unterteilt ist:

  • allgemeiner Zweig
  • - mit literarischem Abitur,
  • - mit wirtschaftlichem Abitur oder
  • - mit naturwissenschaftlichem Abitur
  • technischer Zweig
  • berufsbildender Zweig (Lycée professionel)

Das Abitur heißt Baccalauréat und darf nicht mit dem Bachelor-Abschluss an Hochschulen und Universitäten verwechselt werden. Ein Studium absolviert man in Frankreich entweder an einer Universität oder an einer Grande école – letztere genießt als Elitehochschule einen höheren Ruf, der Besuch setzt allerdings Vorbereitungskurse voraus.

Arbeiten in Frankreich: Fazit

Frankreich ist das Land, in dem die europäischen Revolutionen ihren Anfang nahmen. Französische Arbeiter und Angestellte gelten als streiklustig, die Gewerkschaftsbewegung ist stark und entsprechend gestaltet sind die Arbeitnehmerrechte. Der französische Mindestlohn zählt zu den höchsten der Welt, die Wochenarbeitszeit ist vergleichsweise gering, ganztägige Kinderbetreuung schafft Freiheiten und die Menschen sind gut gegen Arbeitslosigkeit versichert.

Arbeiten wie Gott in Frankreich? Auf der Kehrseite der Medaille stehen eine Arbeitslosenquote von fast 10 % und ein stagnierendes Lohnniveau. Wer ohne gute Ausbildung ist, hat auf dem französischen Arbeitsmarkt schlechte Chancen. Wichtig sind außerdem gute Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenz: Nur mit gutem Französisch steht Arbeitnehmern die Vielfalt des Arbeitsmarktes offen.

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Quellen:

Insee - Institut national de la statistique et des études économiques
Eurostat
Connexion-Emploi
Französische Botschaft in Deutschland
Epp & Kühl - Deutsch-Französische Rechtsanwaltskanzlei
Auswärtiges Amt
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