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Ländervergleich USA: Gehalt, Arbeit, Wirtschaft

Ländervergleich USA: Gehalt, Arbeit, Wirtschaft

Für viele Menschen, die darüber nachdenken, ihre Zelte in Deutschland abzubrechen und anderswo auf der Welt neu zu starten, ist die USA nach wie vor das Traumziel Nummer 1. Und auch wenn es nur für einen begrenzten Zeitraum beruflich ins Ausland gehen soll, sind die Vereinigten Staaten von Amerika attraktiv. Besonders für den eigenen Lebenslauf.

Doch Arbeiten in den USA ist kein Selbstläufer, das darf bei Weitem nicht jeder. Zunächst ist es wichtig, das richtige Visum zu erhalten. Denn ohne das läuft gar nichts. Zeitlich unbegrenzt sind Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis nur mit der so genannten und weitbekannten Greencard. Für die muss man sich bewerben und Sie bekommen sie nur, wenn Sie einer von jährlich 140.000 gesuchten Fachkräften sind, in der Greencard Lotterie gewonnen haben oder Ihre Verwandten bereits in den USA leben. Für befristete Arbeitsaufenthalte in den USA existieren verschiedene Visa. Ein Kontakt zur amerikanischen Botschaft ist hier unerlässlich. Wichtig: Ein Arbeitsvisum erhalten Sie nur, wenn Sie bereits einen Arbeitgeber in den USA gefunden haben und dieser für Sie in den Staaten eine Petition auf eine Arbeitsgenehmigung einreicht.

Haben Sie dann Ihre Arbeitsgenehmigung erhalten, werden Sie Teil der größten Volkswirtschaft der Welt. Und gleichzeitig von einer freien Marktwirtschaft, die durch unternehmerische Initiative und freien Handel gekennzeichnet ist. Staatliche Regulierung findet im Wirtschafts- und Arbeitsbereich in deutlich geringerem Maße als zum Beispiel in Deutschland statt.
Die Weltwirtschaftskrise hatte viele Jahre großen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage der USA. Inzwischen ist die Talsohle aber durchschritten und das Bruttoinlandsprodukt befindet sich kontinuierlich auf Wachstumskurs – getrieben hauptsächlich vom aus seiner Starre erwachten privaten Konsum.

Kennzahlen: Arbeiten in den USA

  • Einwohnerzahl: 322,3 Mio.
  • Währung: US-Dollar (USD)
  • Durchschnittlicher Verdienst: 52.784 € im Jahr (= monatlich 4.399 € umgerechnet auf 12 Monate)
  • Gehaltsbestandteile: (brutto und netto) Grundgehalt plus variable Gehaltsbestandteile. Auch in den USA behält der Arbeitgeber gleich Beiträge für die Sozialversicherung vom Bruttolohn ein. Jeweils 6,2% zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer an die amerikanische Rentenversicherung (Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversicherung). Weiterhin gehen 1,45% des Lohns an Medicare (Krankenversicherung für Rentner). Die Arbeitslosenversicherung wird durch Arbeitgeberbeiträge finanziert.
  • Steuersatz/Steuersystem: Einkommensteuern können neben der allgemeinen Steuer des Bundes zusätzlich auch durch einzelne Staaten und sogar Gemeinden erhoben werden. Der bundesweite Grundsteuersatz beträgt – abhängig von der Höhe des Einkommens – zwischen 10 und 39,6% (7 Steuerklassen). Die Steuersätze der einzelnen Staaten und Gemeinden sind grundsätzlich niedriger als die des Bundes, aber durch die Anzahl der unterschiedlichen Staaten und Gemeinden sehr unterschiedlich.
  • Krankenkasse & Co: In den USA existiert keine allgemeine gesetzliche Krankenversicherungspflicht. Daher wird in der Regel privat vorgesorgt. Ein erschreckend großer Anteil der Amerikaner ist allerdings auch ohne Versicherungsschutz. Einige – besonders große und renommierte – Arbeitgeber bieten ihren Angestellten eine Krankenversicherung zu attraktiven Konditionen, die dann auch anteilig vom Arbeitgeber mitfinanziert wird.
  • Rente: Das offizielle Renteneintrittsalter in den USA liegt aktuell bei 67 Jahren. Für alle ab 62 Jahren gibt es die Möglichkeit früher in Rente zu gehen und ein vorgezogenes Altersruhegeld in Anspruch zu nehmen. Dieses ist dann pro Jahr 5-6% geringer als die reguläre Rente. Dementsprechend kann auch bis zu einem Alter von 70 Jahren gearbeitet werden, um anschließend in etwa den gleichen jährlichen Aufschlag zu erhalten.
  • Babypause/Erziehungszeit: In den Vereinigten Staaten existiert kein gesetzliches Recht auf bezahlten Mutterschutz und bezahlte Elternzeit. Auszeiten für werdende und frische Mütter sind nicht standardmäßig vorgesehen. Erst ab einer Firmengröße von mindestens 50 Mitarbeitern muss ein 3-monatiger Mutterschutz nach der Geburt gewährt werden – allerdings unbezahlt. Ausnahmen gibt es bisher nur in einzelnen Staaten, wie Kalifornien oder New Jersey. Auch fortschrittliche Arbeitgeber haben oft individuelle Lösungen rund ums Thema Nachwuchs.
  • Zahlweise Gehalt: In der Regel wird das Gehalt alle 2 Wochen per Scheck oder Überweisung auf das private Konto ausgezahlt.
  • Wochenarbeitszeit: Die reguläre Arbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche. Überstunden müssen in der Regel mit einem mindestens anderthalbfachen Zuschlag in Bezug auf den regulären Stundenlohn vergütet werden.
  • Urlaubsanspruch im Jahr: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine der wenigen Nationen, in der ein Urlaubsanspruch nicht gesetzlich festgeschrieben ist. Dementsprechend individuell sind die Urlaubsregelungen in den unterschiedlichen Unternehmen. Allgemein lässt sich festhalten, dass die Anzahl der Urlaubstage nahezu immer unter der in Deutschland liegt.
  • Arbeitspausen: Für Arbeitspausen gibt es in den USA keine staatenübergreifende einheitliche gesetzliche Regelung. Jeder Staat hat seine eigenen Richtlinien. In den meisten Fällen sind Pausen allerdings nicht Bestandteil der Arbeitszeit.

Die USA im Ländervergleich

Bundesweit gilt in den USA ein gesetzlicher Mindestlohn von 7,25 USD pro Stunde. Viele Staaten haben diesen jedoch verpflichtend auf bis über 9 USD angehoben. Und auch einzelne Kommunen, wie z. B. San Francisco, haben Sonderregelungen mit noch höheren Mindestlöhnen verabschiedet.

Möchte man nun wissen, wieviel man von seinem verdienten Geld in den USA tatsächlich hat und dies dann mit Deutschland vergleichen, sollte man zunächst einen Blick auf die Lebenshaltungskosten werfen. Das Preisniveau in den Vereinigten Staaten liegt im Schnitt ca. 12% unter dem Deutschen. Das heißt: Für Dinge, wie Miete, Lebensmittel, Konsumgüter jeder Art, Dienstleistungen etc. zahlt man in den USA im Schnitt 12% weniger als in Deutschland. Bedenkt man nun, dass das Durchschnittsgehalt der Amerikaner um 12,3% höher ist als das der Deutschen, scheint es hier auf den ersten Blick ein Ungleichgewicht zu geben. Denn bei jeweils etwa 12% mehr Gehalt und weniger Kosten, müssten die Amerikaner deutlich wohlhabender sein als die Deutschen.

Doch so leicht ist die Rechnung nicht. Zum einen müssen die Amerikaner einen deutlich höheren Teil Ihres Einkommens in Bildung und in ihre medizinische Versorgung investieren, um gut ausgebildet bzw. adäquat abgesichert zu sein. Zum anderen sind die Schwankungen zwischen den Extremen deutlich größer als in Deutschland. So sind zum Beispiel die Kosten für Miete in großen Metropolen wie New York um ein vielfaches höher als in Deutschland. Zugegeben, die Gehälter auch, aber eben nicht für alle in dem Umfang, in dem auch die Kosten höher sind. Und da in persönlichen Krisensituationen, wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit, die staatliche Absicherung deutlich schlechter als in Deutschland ist, sind persönliche Rücklagen weit existenzieller als hierzulande.

Arbeitsmarkttrends

Während das Bruttoinlandsprodukt nach der Finanzkrise wieder kontinuierlich steigt, sendet der Arbeitsmarkt gemischte Signale. Die Arbeitslosenquote liegt offiziell mit 4,9% (Stand Juni 2016) nur knapp über der in Deutschland, die Erwerbsquote bleibt aber mit 62,8% auf niedrigem Niveau. Zudem sind knapp 6 Millionen US-Amerikaner unfreiwillig in Teilzeit beschäftigt. Kritiker stellen jedoch die Korrektheit der offiziellen Arbeitslosenzahlen in Frage. Laut ihren Angaben würden in der Statistik nur die Erwerbslosen geführt, die sich innerhalb der letzten vier Wochen um Arbeit bemüht hätten. Berücksichtige man auch Langzeitarbeitslose, läge die Quote bei über 15%.
Zuletzt ein Blick auf die Arbeitslosenquote der einzelnen Staaten – auf Basis der offiziellen Datenerhebung. Hier schneiden Alaska (6,9%), New Mexico (6,7%) und Louisiana (6,4%) besonders schlecht ab. In New Hampshire (2,9%), South Dakota (2,9%) und North Dakota (3,0%) sieht es statistisch am besten aus. Hier scheint nahezu Vollbeschäftigung zu herrschen.

Welche Berufe sind in den USA gefragt?

Möchten Arbeitgeber in den Vereinigten Staaten ausländische Bewerber einstellen, müssen sie, wie oben erwähnt, i.d.R. eine Petition auf eine Arbeitsgenehmigung einreichen, die von der amerikanischen Staatsbürgerschafts- und Einwanderungsbehörde (USCIS) genehmigt werden muss. Aufgrund der strikten Anforderungen sind unter ausländischen Bewerbern vor allem hoch-qualifizierte Fachkräfte gefragt. Dazu zählen Ingenieure und Wissenschaftler, medizinische Fachkräfte sowie qualifizierte Techniker und Facharbeiter.

Unabhängig von der Frage der Einwanderung sind in Zukunft in den folgenden Branchen und Berufen Facharbeiter in den USA gefragt:

Branchen in den USA, die Zuwächse verzeichnen

  • Maschinenbau
  • Kfz-Industrie
  • Chemische Industrie
  • Elektrobranche
  • Energiesektor
  • Informations- und Kommunikationstechnik
  • Medizintechnik
  • Umwelttechnik

Ranking: Gefragte Berufe in den USA

Beruf Beschäftigte Veränderung 2014–24 Ø Gehalt 2015 in $ * Ø Gehalt 2015 in € **
2014 2024 Anzahl %
Ambulante Pflegekräfte 913500 1,261.900 348.400 38,1 21.920 19.825
Pflegekräfte im Privathaushalt 1,768.400 2,226.500 458.100 25,9 20.980 18.974
Medizinische Assistenten 591.300 730.200 138.900 23,5 30.590 27.666
Systemberater 567.800 686.300 118.600 20,9 85.800 77.598
Medizinische Fachangestellte 527.600 635.800 108.200 20,5 33.040 29.882
Softwareentwickler, Anwendungsentwickler 718.400 853.700 135.300 18,8 98.260 88.867
Marktforscher,
Marketing Spezialisten
495.500 587.800 92.300 18,6 62.150 56.209
Gesundheits- u. Krankenpflegehelfer
(kl. Abschluss)
1,492.100 1,754.100 262.000 17,6 25.710 23.252
Gesundheits- u. Krankenpflegehelfer
(mittl. Abschluss)
719.900 837.200 117.300 16,3 43.170 39.043
Examinierte Kranken- schwestern u. -pfleger 2,751.000 3,190.300 439.300 16 67.490 61.038

* Quelle: Employment Projections program, U.S. Bureau of Labor Statistics; ** Bei aktueller Umrechnung 1€ = 1,1057$

Fazit

Besonders für Fachkräfte kann ein beruflicher Wechsel in die USA ein lohnender Karriere-Schritt sein. Hier lernen sie nicht nur eine neue Arbeitskultur kennen, sondern haben unter Umständen ganz andere berufliche Möglichkeiten. Gerade in Forschung und Entwicklung sowie im wissenschaftlichen Bereich stehen den Unternehmen und Institutionen oft deutlich umfangreichere Mittel zur Verfügung.

Wer in den USA arbeiten möchte, sollte sich aber auch darüber bewusst sein, dass er sich nicht in dem Maße auf das staatliche System verlassen kann, wie das in Deutschland möglich ist. Ein gesetzlicher Kündigungsschutz existiert nicht und die gesundheitliche Versorgung muss – sollten keine anderen Vereinbarungen mit dem jeweiligen Arbeitgeber bestehen – vollständig privat organisiert werden.
Gehalt und Lebenshaltungskosten unterscheiden sich in den meisten Fällen nicht extrem voneinander. Manche Dinge kosten hier weniger, andere in den USA. Der eine Job ist dort etwas besser bezahlt, der andere in Deutschland. Ob ein Wechsel in die USA sich auch gehaltstechnisch lohnt, hängt nicht zuletzt von der individuellen Qualifikation und dem persönlichen Verhandlungsgeschick ab.

Doch wie der berufliche Wechsel in die USA auch immer aussehen mag – eine persönliche Bereicherung und eine Aufwertung des Lebenslaufs wird er in den allermeisten Fällen ganz sicher sein.


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Quellen:
Tabelle: U.S. Bureau of Labor Statistics | Office of Occupational Statistics and Employment Projections, http://www.bls.gov/emp/ep_table_104.htm#1