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Arbeit und Gehalt in Dänemark – der Ländervergleich

Arbeit und Gehalt in Dänemark – der Ländervergleich

Eine stabile Marktwirtschaft und eines der umfangreichsten Sozialsysteme machen Dänemark zu einem der attraktivsten Arbeitsmärkte Europas. Das Arbeitsmarktmodell der so genannten „Flexicurity“ – eine Wortschöpfung aus Flexibilität und Security (Sicherheit) – verbindet einen vergleichsweise geringen Kündigungsschutz mit einer hohen sozialen Absicherung und einer aktiven Arbeitsmarkpolitik.

Die dänische Wirtschaft ist stark exportorientiert, wobei Deutschland, Schweden und Großbritannien die größten Abnehmer sind. Maschinen und Geräte sowie landwirtschaftliche Produkte sind dabei die Export-Schlager. Neben diesen beiden Bereichen sind besonders der Dienstleistungssektor und der Tourismus Motor der dänischen Wirtschaft.
Auch in Dänemark hat die Weltwirtschaftskrise ihre Auswirkungen gezeigt. Doch inzwischen befindet sich das Bruttoinlandsprodukt nach einigen Jahren des Abschwungs wieder auf Wachstumskurs.

Kennzahlen: Arbeiten in Dänemark

  • Einwohnerzahl: 5,7 Mio.
  • Währung: Dänische Krone
  • Durchschnittlicher monatlicher Verdienst: 4.830 € brutto
  • Gehaltsbestandteile: (brutto und netto) Grundgehalt plus variable Gehaltsbestandteile. Aktuell beträgt der monatliche Fix-Beitrag zur so genannten Arbeitsmarkt-Zusatzrente für Vollzeitangestellte 284 DKR (entspricht ca. 38 €), wobei etwa ein Drittel (ca. 12,70 €) vom Arbeitnehmer und etwa zwei Drittel (ca. 25,50 €) vom Arbeitgeber gezahlt werden. Bei Teilzeit verringert sich der Betrag anteilig. Zusätzlich gibt es in vielen Branchen eine Arbeitsmarktrente/Betriebsrente laut Tarif-Vertrag (häufig 4% des Gehalts). Eine Arbeitslosenversicherung ist nicht Bestandteil der Lohnnebenkosten. Sie ist freiwillig und muss privat abgeschlossen werden, was dringend empfohlen wird. Die Arbeitsunfallversicherung wird durch den Arbeitgeber abgeschlossen und verursacht keine Kosten für den Arbeitnehmer.
  • Steuern: Das dänische Steuersystem ist progressiv. Das bedeutet: Wer mehr verdient, zahlt auch mehr Steuern. Der individuelle Steuersatz wird aus der Summe aus Kommunalsteuer (abhängig von der Gemeinde, in der man wohnt), Staatssteuer (Basissteuer + Spitzensteuer bei einem Einkommen von 459.200 DKK im Jahr) und ggf. Kirchensteuer gebildet. Teil der Einkommenssteuer sind auch der Arbeitsmarktbeitrag (oder AM-Beitrag) in Höhe von 8% des Einkommens und der Gesundheitsbeitrag (2015 4% der Einkünfte, die über dem persönlichen Freibetrag liegen). Insgesamt ist Dänemark, neben Schweden, das Land mit der höchsten Einkommensbesteuerung in Europa. So kann der Spitzensteuersatz ohne weiteres bei rund 60% liegen.
  • Krankenkasse & Co: Wer sich in Dänemark bei der Einwohnerbehörde anmeldet, bekommt automatisch einen Krankenversicherungsnachweis und hat Anspruch auf die allgemeine Krankenfürsorge. Der Gang zum Amt sollte möglichst schnell erledigt werden, da ohne den Nachweis kein Krankenversicherungsschutz besteht. Durch die Krankenfürsorge sind Arzt- und Krankenhausbesuche abgedeckt. Zahnarzt- und Medikamentenkosten sowie präventive Maßnahmen werden anteilig übernommen. Private Zusatz-Versicherungen für nicht versicherte Leistungen sind möglich. Besonders erwähnenswert: Auch Pflegebedürftige sind über das staatliche Gesundheitssystem abgesichert.
  • Rente: Aktuell liegt das Renteneintrittsalter bei 65 Jahren, es wird aber ab 2022 auf 67 Jahre ansteigen. Ab 2030 soll das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Zusätzlich zur oben genannten Arbeitsmarkt-Zusatzrente und der tariflich geregelten Betriebsrente gibt es die so genannte Volksrente, die jeder in Dänemark lebende Mensch erhält – unabhängig davon, ob und wieviel er gearbeitet hat. Diese liegt aktuell bei rund 1.500 €. Die Höhe der Gesamt-Rente lässt sich schwer beziffern, da sie neben allen genannten Renten nicht zuletzt auch von der privaten Vorsorge abhängig ist.
  • Babypause/Erziehungszeit: Der Mutterschutz umfasst 18 Wochen (4 vor und 14 nach der Geburt). Väter haben übrigens einen Anspruch auf 2 Wochen Vaterschaftsurlaub am Stück innerhalb der ersten 14 Wochen nach Geburt des Kindes. Anschließend stehen den beiden Eltern gemeinsam 32 weitere Wochen zur Verfügung. Insgesamt gibt es so einen Anspruch auf 52 Wochen Elternzeit mit Lohnfortzahlung – pro Kind. Oftmals wird dabei der volle Lohn weitergezahlt, dies hängt aber auch vom speziellen Tarifvertrag ab.
  • Zahlweise Gehalt: Monatliche Überweisung auf das private Konto.
  • Wochenarbeitszeit: 37 Stunden sind die Regel, individuelle Absprachen aber nicht ausgeschlossen.
  • Urlaubsanspruch im Jahr: Der gesetzliche Mindestanspruch beträgt 25 Tage (5 Wochen), viele Tarifverträge garantieren aber mehr. Zudem gibt es 9 gesetzliche arbeitsfreie Feiertage.
  • Arbeitspausen: Hier gibt es keine einheitliche Regelung. In vielen Tarif-Vereinbarungen gehört die Pause zur Arbeitszeit, in anderen Bereichen wiederum müssen Pausenzeiten nachgearbeitet werden. Gesetzlich geregelt ist lediglich, dass zwischen zwei Arbeitsschichten mindestens 11 Stunden arbeitsfreie Zeit liegen muss.

Dänemark im Ländervergleich

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern existiert in Dänemark kein gesetzlich festgelegter Mindestlohn. Die Mindesthöhe des Einkommens wird in den meisten Bereichen durch Tarif-Verträge geregelt. Denn in Dänemark sind über 90% der Arbeitsverhältnisse tarifgebunden. Dass die tariflichen Mindestlöhne über dem deutschen Mindestlohn liegen, lässt sich anhand des dänischen Durchschnittseinkommens leicht erahnen.

Doch wie gut verdienen die Dänen wirklich? Um das beurteilen zu können, ist auch immer ein Blick auf die Lebenshaltungskosten notwendig. Liegt das Preisniveau für Verbrauchsgüter und Dienstleistungen in Deutschland ziemlich genau im EU-Durchschnitt, sind die Alltagskosten der Dänen um 36,8% höher. Vergleicht man wiederum das durchschnittliche Einkommen in Deutschland (3.572 €) mit dem in Dänemark (4.830 €), stellt man fest, dass das Gehalt der Skandinavier um 35,2% höher ist, als hierzulande, die deutlich höheren Lebenshaltungskosten also beinahe ausgleicht.
Das dänische System mit hohen Gehältern, hohen Steuern, hohen Lebenshaltungskosten, aber auch mit umfangreichen Gesundheits- und Sozialleistungen, funktioniert ganz offenbar. Denn Dänemark ist eines der wohlhabendsten Länder der EU und die Dänen sind laut neusten Umfragen die glücklichsten Menschen der Welt – auch wenn das sicherlich nicht nur von Einkommen und Kaufkraft abhängen wird.

Arbeitsmarkttrends

Nach Jahren der Hochkonjunktur blieb auch Dänemark von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sowie ihren Auswirkungen nicht verschont. Inzwischen wächst das Bruttoinlandprodukt jedoch wieder kontinuierlich und Dänemark scheint die Folgen der Krise endgültig zu überwinden.
Die Arbeitslosigkeit war in den Jahren vor der globalen Wirtschaftskrise die geringste in ganz Europa (2008 3,4%), stieg aber im Zuge der Krise bis auf 7,6% (2011) an. Doch wie auch die allgemeine wirtschaftliche Lage, erholt sich auch der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren Schritt für Schritt, so dass die Arbeitslosenquote im Jahr 2016 bei ca. 6% liegt. Die Jugendarbeitslosigkeit war im August 2016 mit 12,6 % mehr als doppelt so hoch. Geografisch betrachtet stechen die Regionen Fyn und Storstrom mit einer Quote von rund 7% Arbeitslosen negativ hervor.

Welche Berufe sind in Dänemark gefragt?

Facharbeiter sind in Dänemark gern gesehen und werden vor allem in folgenden Branchen gesucht:

Ausgebildete Fachkräfte mit den folgenden Berufen haben besonders gute Chancen:

  • Ingenieure /innen
  • Chemiker /innen
  • Ärzte /innen, auch Tierärzte /innen
  • Logopäden /innen
  • Physiotherapeuten /innen
  • Altenpfleger /innen
  • Krankenpfleger und Krankenschwestern
  • Arzthelfer /innen
  • Handwerker /innen (besonders im Bereich Elektrotechnik)
  • Fabrik- und Lagerarbeiter /innen

Diese Auswahl von häufig gesuchten Berufen kann natürlich nur ein grober Überblick sein. Auch andere Berufsbilder sollten bei Interesse am dänischen Arbeitsmarkt, einfach die lokalen Jobportale durchsuchen und so ihren Marktwert prüfen.

Schulsystem und Ausbildung

Das dänische Betreuungs- und Bildungssystem ist weitestgehend staatlich finanziert. Die Schulpflicht – die bei unseren skandinavischen Nachbarn eigentlich eine Unterrichtspflicht ist, da Kinder auch zu Hause unterrichtet werden dürfen – beginnt im Alter von 7 Jahren und besteht für insgesamt 9 Jahre:

  • Ca. 80% aller unterrichtspflichtigen Schüler besuchen die staatliche Volksschule (Folkeskole). Die Folkeskole ist eine Gemeinschaftsschule – eine Unterteilung in verschiedene Schulrichtungen gibt es nicht – und wird für 9 bzw. 10 Jahre besucht. Rund 15% besuchen eine Privatschule.
  • Der Abschluss nach 9-jährigem Schulbesuch entspricht in etwa einem anspruchsvollen Hauptschulabschluss in Deutschland. Nach einem weiteren Jahr Folkeskole winkt ein erweiterter Abschluss, der dem deutschen Realschulabschluss ähnelt.

Nach den 9 bzw. 10 Schuljahren haben die Jugendlichen unterschiedliche Möglichkeiten:

  • Besuch einer 3-jährigen Oberstufe an einem Gymnasium, der mit dem Studentereksamen, dem dänischen Abitur, abgeschlossen wird.
  • Beginn einer Berufsausbildung im dualen System (betriebliche und schulische Ausbildung), die je nach Richtung zwischen 1,5 und 5,5 Jahre dauert.

Wer nach dem Abitur eine höhere Bildung in Angriff nehmen möchte, hat die Wahl zwischen vier Institutionen:

  • Akademie der beruflichen Hochschulbildung: Schwerpunkte sind Business, Technologie und IT.
  • University Colleges: Schwerpunkte sind Wirtschaft, Bildung, Technik und Pflege – alle mit Fokus auf der beruflichen Praxis.
  • Universitäten: Schwerpunkte sind auf der Forschung basierende Studienprogramme.
  • University Level Institutions: Schwerpunkte sind Musik und darstellende Künste.

Fazit

Alles in allem ist Dänemark ein durchaus attraktiver Arbeitsmarkt mit Chancen für eine ganze Reihe von Berufsbildern. Die hohen Gehälter werden durch die hohen Steuern und Lebenshaltungskosten zwar etwas relativiert, aber das staatliche Gesundheitssystem und die umfangreichen Sozialleistungen tun einiges dafür, dies mindestens wieder auszugleichen. Auch wenn einem als Arbeitnehmer aus dem Ausland nicht von Beginn an alle Leistungen zur Verfügung stehen: So ist beispielweise die Höhe der staatlichen Rente davon abhängig, wie lange man in Dänemark gemeldet war.

Positiv wirkt sich auch die verhältnismäßig kleine Sprach-Barriere aus. Für die meisten Jobs ist Dänisch nicht unbedingt notwendig, mit Englisch kommt man im Allgemeinen bestens zurecht. Und dennoch empfiehlt es sich natürlich zur vollkommenen Integration die Landessprache zu sprechen. Da ist es nur praktisch, dass Dänisch für deutschsprachige Menschen als relativ einfach zu erlernen gilt.
Die im europäischen Schnitt ziemlich kurzen Arbeitszeiten tun ihr Übriges. So bleibt viel Zeit für die Familie und um die geografischen Vorteile des Staates zwischen Nord- und Ostsee zu genießen.

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