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Ländervergleich Polen: Gehalt, Arbeit, Wirtschaft

Ländervergleich Polen: Gehalt, Arbeit, Wirtschaft

Seit 1989 besteht in Polen die Marktwirtschaft, bei der vor allem Exporte eine große Rolle spielen. 42 Prozent der gesamten Exporte im Jahre 2007 fielen auf Transportausrüstung und Maschinen. Bis zur Eurokrise konnte die Wirtschaft Polens wachsen, was besonders in den großen Städten spürbar war. Zur Steigerung des Bruttoinlandsproduktes trug überwiegend der Dienstleistungsbereich bei. Aber auch Handel, Industrie und die Bauwirtschaft waren die Sektoren, die Polens Wirtschaft ankurbelten.

Kennzahlen: Arbeiten in Polen

  • Einwohnerzahl: 38 Mio.
  • Währung: Złoty
  • Durchschnittlicher monatlicher Verdienst: 980 €
  • Gehaltsbestandteile: (brutto und netto) Grundentgelt plus variable Gehaltsbestandteile. 2015 beträgt die Rentenversicherung 19,52 % (davon 9,8% AN-Anteil), Arbeitslosenversicherung 8 % (davon 1,5 % AN-Anteil), Krankenversicherung 2,45 % und Unfallversicherung je nach Beschäftigungsart 0,67 – 3,86 % des Bruttolohns. Die Sozialabgaben werden in Polen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu unterschiedlichen Anteilen aufgebracht.
  • Steuersatz/Steuersystem: In Polen gibt es nur zwei Steuerklassen. Bei einem Jahreseinkommen von ca. 20.000 € bis 85.500 € liegt der Steuersatz bei 18%, bei einem Jahreseinkommen ab 85.500 € werden 32% fällig.
  • Pflichtversicherungen/Krankenkasse: Der Beitrag beträgt aktuell nur 2,45 % des Arbeitnehmerlohnes, darüber hinaus müssen Patienten allerdings für Arzneimittel, Hilfsmittel, bestimmte Diagnosemethoden, Unterbringungskosten bei einer Kur und zahnärztliche Leistungen privat umfangreich zuzahlen. Nach Schätzungen der WHO müssen etwa 40 % aller Kosten im Rahmen einer gesundheitlichen Betreuung selbst von den Patienten übernommen werden.
  • Renteneintrittsalter: Seit 2013 verlängert sich das Renteneintrittsalter in Polen Jahr für Jahr um 3 Monate bis Männer im Jahr 2020 mit 67 Jahren (bislang 65) und Frauen 2040 mit ebenfalls 67 (bislang 60) in Rente gehen können. Die durchschnittliche Rente lag 2011 bei monatlich 422 Euro.
  • Babypause/Erziehungszeit: Mutterschutz beträgt 20 Wochen, davon wird ein Monat in Höhe des regulären Gehaltes bezahlt. Elternzeit/Erziehungsurlaub kann im Anschluss insgesamt bis zu 36 Monate genommen werden.
  • Zahlweise Gehalt: Monatlich per Überweisung. Teilweise, wenn vereinbart, auch in Naturalien
  • Wochenarbeitszeit: Vollzeit 40 Std. die Woche
  • Urlaubsanspruch im Jahr: 18-26 Tage, je nach Beschäftigungsdauer
  • Tägliche Pausen: Mindestens 15 bis zu 60 Minuten bezahlte Ruhepause

Polen im Ländervergleich

Tabelle Mindestlöhne Europa 2014

Tabelle Vergleichendes Preisniveau Europa


Wenn man beurteilen möchte, wie gut Arbeitskräfte in einem Land verdienen, muss man dem Verdienst das Preisniveau des Landes gegenüber stellen. So beträgt der gesetzliche Mindestlohn in Polen zwar nur ein Viertel des deutschen Mindestlohns (2,31 Euro im Gegensatz zu 8,50 Euro).

Während in Deutschland die Lebenshaltungskosten aber etwas über EU-Durchschnitt liegen, liegen sie in Polen ca. 44% unter dem europäischen Durchschnitt.

Die etwas mehr als halb so hohen Lebenshaltungskosten können den vierfach geringeren Lohn in Polen allerdings nicht ausgleichen. Im Ergebnis bedeutet das, dass die durchschnittliche Kaufkraft in Polen wesentlich geringer als in Deutschland ist.

Schulsystem und Ausbildung

Das Bildungssystem in Polen wurde 1999 reformiert und seit 2007 wurden die Neuerungen umgesetzt:

  • Mit dem 6. Lebensjahr beginnt die Schulpflicht. Die Kinder gehen in die Vorschule und lernen die Basis für Lesen, Schreiben und Rechnen.
  • Anschließend folgt die sechsjährige Grundschule, die mit dem Examen endet.
  • Danach schließt sich die Sekundarstufe I an, die drei Jahre dauert. Der Abschluss ähnelt der mittleren Reife in Deutschland. Bei der Abschlussprüfung ist es jedoch nicht möglich durchzufallen. Die Noten sind aber wichtig, wenn man eine höhere Schule besuchen möchte: die Oberschule, die Spezial-Oberschule, die Berufsgrundschule oder die technische Fachschule.
  • Die Oberschule sowie die Spezial-Oberschule dauern drei Jahre. Beide werden mit dem Abitur abgeschlossen.
  • Im Gegensatz zur Oberschule werden in der Spezial-Oberschule Grundlagen für den Berufsweg vermittelt, wie Agrartechnik, Umwelttechnik, Technologie, Dienstleistungen, Informationsmanagement und Kultur.
  • Die technische Fachschule dauert vier Jahre und man schließt mit einer Berufsprüfung und dem Abitur ab.
  • Die Berufsgrundschule dauert zwei bis drei Jahre und schließt mit einer Berufsausbildung ab.

Die Berufsausbildung findet zum größten Teil in Schulen statt. Diese Ausbildung in Vollzeitschulen wird am meisten genutzt. Etwa zehn bis fünfzehn Prozent gehen den Weg der dualen Berufsausbildung: Die Lehre findet im Betrieb statt und parallel dazu wird der theoretische Teil in Berufsschulen vermittelt.

Während die Zahl der Auszubildenden abnimmt, gibt es immer mehr junge Menschen, die studieren. Die Berechtigung für drei- bis vierjährige Studiengänge besitzen die Universitäten/Hochschulen. Auch hier schließt man mit dem Bachelor ab und es besteht die Option eines Master-Studiengangs.

Arbeitsmarkttrends

Da Polen von der Eurokrise nicht verschont blieb, ging das Wachstum des Bruttoinlandprodukts zurück. Zum einen haben die Exportgeschäfte nachgelassen und zum anderen wird privat weniger konsumiert. Die wichtigsten Absatzländer Polens sind Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation dieser Länder, hat dies negative Auswirkungen auf die Wirtschaft Polens.

Die Anzahl der Beschäftigten stagnierte 2010 und somit hat Polen mit hoher Arbeitslosigkeit zu tun. Nicht nur die Erwerbsmigration hält die Beschäftigtenzahlen niedrig, auch die Alterung der Gesellschaft spielt dabei eine Rolle. Die Arbeitslosenquote lag 2012 bei 10,1 Prozent, wobei vor allem junge Leute betroffen sind: von den 15- bis 24-Jährigen waren im Frühjahr 2012 26,7 Prozent arbeitslos. Die Arbeitslosenzahl variiert je nach Region. Die meisten Arbeitslosen sind in den Regionen Westpommern, Kuwajen-Pommern und Ermland-Masuren zu verzeichnen.
Zudem hat Polen mit Fachkräftemangel zu kämpfen.

Welche Berufe sind in Polen gefragt?

Für Facharbeiter, Ingenieure/-innen, IT-Fachkräfte und Techniker/-innen bestehen in folgenden Bereichen gute Chancen:

In Polen werden Arbeitskräfte für diese Berufsbereiche gesucht:

Fazit:

Im direkten Ländervergleich Polen/Deutschland fallen – trotz europäischer Vereinheitlichungsbestrebungen – einige sozialökonomische Unterschiede auf. So ist etwa das polnische Gesundheitssystem mit dem britischen vergleichbar und bietet lediglich eine Grundversorgung. Medikamente oder andere medizinische Therapieformen müssen von den Patienten selbst getragen werden und das kann richtig teuer werden. Angesichts der niedrigen Löhne/Renten schlägt ein Antibiotikarezept für 100 € ein tiefes Loch in die Haushaltskasse. Hier liegen die Vorteile des deutschen Versicherungssystems auf der Hand.

Anders schaut es bei dem Steuersystem in Polen aus, einfacher geht´s nicht: Zwei Steuerklassen mit 18% und 32% sorgen für den schnellen Überblick.

Weiterführende Infos zum Thema:

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