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Gehaltsunterschied: Warum Frauen weniger verdienen als Männer

Gehaltsunterschied: Warum Frauen weniger verdienen als Männer

Gleicher Abschluss, gleicher Job, gleiche Leistung – und trotzdem verdienen Frauen oftmals weniger als Männer. Bereits die Entscheidung für einen bestimmten Beruf und die damit verbundene Branchenzugehörigkeit mit den entsprechenden Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Verdienstabstand zwischen den Geschlechtern, auch „Gender Pay Gap“ oder „Entgeltlücke“ genannt.

Dieser Gap liegt laut aktuellen Zahlen von Compensation-Online derzeit noch immer bei 27,4 Prozent. Schaut man genauer hin, kommt man auf die bereinigte Differenz. Bei der vergleicht man die Jobs auf Augenhöhe, also dieselbe Branche, Position, Ausbildung. Hier kommen die Experten von Compensation-Online immerhin noch auf 9,7 Prozent Unterschied.

Es bleibt: Der Unterschied

Trotz unterschiedlicher Zahlen bleibt die Frage: Warum ist das das so? Es gibt viele Faktoren, die als Erklärung dafür genannt werden, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Zumal Frauen Schulen und Hochschulen oftmals besser qualifiziert als ihre männlichen Kollegen verlassen. Fakt ist, dass Frauen und Männer sich am Arbeitsmarkt nicht gleich verhalten. In den besonders gefragten technischen Berufen, in den außertariflichen Bereichen und in leitenden Positionen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert.

Falsche Jobwahl

Frauen gehen anders als Männer auch in schlechter bezahlte Berufe, etwa im sozialen Bereich. Auch andere eher „weibliche“ Berufe wie Verkäuferin stehen in der Verdienst-Skala ganz unten. Die schulische Ausbildung ist ganz klar begrenzt, vor allem im Büro- und Dienstleistungsbereich. Deshalb bestehen hier kaum Aufstiegs- und Fortbildungsmöglichkeiten.

Falsche Studienwahl

Junge Frauen studieren tendenziell Fächer, die sie weniger für Karrieren in der freien Wirtschaft qualifizieren, nämlich Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften sowie Lehramtsstudiengänge. Vor allem die Natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächer sind trotz aller geschlechterpolitischen Bemühungen nach wie vor eine Männerdomäne.

Geringere Wertschätzung

Typische Männerjobs werden auch deshalb besser bezahlt als typische Frauenberufe, weil bei ihnen besondere Belastungen anders gewichtet werden: Bei Forschung zur Arbeitszufriedenheit aber, dass gerade Frauen eine höhere Zufriedenheit mit ihrer Arbeit aufweisen. Eine Erklärung hierfür können Erwartungen an den Job sein, die eben nicht nur Gehalt und Karriere oberste Priorität einräumen. 70 Prozent der Arbeitnehmerinnen sind zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz. Nur jede Vierte will ihre Karriere vorantreiben, bei den Männern dagegen fast jeder Zweite.

Wenige Stellenwechsel

Männer wechseln häufiger ihre Stelle, um am Monatsende mehr Geld auf dem Konto zu haben, so eine Studie des Bundesfamilienministeriums zur Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern. Dies liegt aber keineswegs an mangelnder Flexibilität oder Mutlosigkeit der Frauen - vielmehr sind diese froh, eine Stelle gefunden zu haben, bei der sie Beruf und Familie miteinander vereinbaren können. Die wollen sie nicht so schnell aufgeben, weil sie mit der Organisation ihres „Familienbetriebes“ nicht wieder von vorne beginnen wollen.

Frauen verhandeln schlechter

Studien haben gezeigt, dass Frauen ungern verhandeln und wenn Sie es tun, schneiden sie in der Regel schlechter ab als Männer. Sie lernen schon als Mädchen, dass sie Männern ihren Status besser nicht streitig machen und sie oftmals als „unweiblich“ gebrandmarkt werden, wenn sie wettbewerbsorientiert handeln. Zumindest aber weisen einige Studien darauf hin, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen zu defensiv auftreten.

Fazit: Warum verdienen Frauen weniger als Männer? Das Thema hat viele Facetten. Vielleicht ist der wirklich Skandal gar nicht die Lohnlücke, sondern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und da sind viele Frauen immer noch gekniffen. Männer wären es übrigens auch.

Heike Friedrichsen, PersonalMarkt

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