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Mehr Gehalt, mehr Ungleichheit – die Entgeltlücke wächst mit dem Einkommen

Mehr Gehalt, mehr Ungleichheit – die Entgeltlücke wächst mit dem Einkommen

Heute Nachmittag wird im Deutschen Bundestag über einen Gesetzesentwurf debattiert, der das Ziel hat, mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen zu schaffen. Dass so ein Entgelttransparenzgesetz notwendig ist, damit Frauen in Zukunft für gleichwertige Arbeit auch gleichwertig bezahlt werden, zeigt der Entgeltmonitor 2017 – eine aktuelle Studie unserer Kollegen von Compensation Partner.

Eine Ungerechtigkeit mit Geschichte, aber immer noch aktuell

Nach wie vor klafft eine Lücke zwischen den Gehältern von Frauen und Männern. Laut der Studie verdienen Arbeitnehmerinnen in Deutschland absolut betrachtet im Schnitt 25,2%* weniger als ihre männlichen Kollegen. Um dieses Problem in den öffentlichen Fokus zu rücken, wurde am 18. März der deutsche Equal Pay Day begangen – jener Tag, bis zu dem Frauen quasi umsonst arbeiten, während Männer bereits seit Jahresbeginn voll für ihre Arbeit bezahlt werden. Und auch, wenn dieser Tag 2017 so früh im Jahr wie nie zuvor lag, die Gehaltsschere zwischen den Geschlechtern in der Bundesrepublik also allmählich geringer wird, bedarf es offenbar der gesetzlichen Regulierung, um diese Lücke schneller und nachhaltig zu schließen. Schließlich liegt Deutschland im EU-Vergleich nach wie vor an viertletzter Stelle, was die Entgeltgerechtigkeit betrifft.

Ursachenforschung

Dass Frauen und Männer für vergleichbare Arbeit unterschiedlich viel verdienen, hat mehrere Ursachen. So sind Frauen beispielsweise häufiger in grundsätzlich eher schlechter bezahlten Sozialberufen tätig als in hoch dotierten Positionen in Wirtschaft und Industrie. Zudem arbeiten Frauen – insbesondere Mütter – öfter in Teilzeit als Männer, was sich negativ auf das Gehaltsniveau auswirkt. Diese Faktoren bleiben bei der absoluten, der so genannten unbereinigten Entgeltlücke von 25,2% unberücksichtigt. Zudem werden hier unterschiedliche Stellenprofile, also beispielsweise Abteilungsleiter und einfache Fachkräfte, miteinander verglichen. Dazu werden alle vorhandenen Gehaltsdaten – lediglich nach Geschlechtern getrennt – in einen Topf geworfen und der jeweilige Median (der mittlere aller Werte) zueinander in Bezug gesetzt. Doch selbst die bereinigte Entgeltlücke, die obige Faktoren berücksichtigt und damit den tatsächlichen Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern bei gleicher Art und gleichem Umfang der Arbeit abbildet, beträgt laut dem bereits erwähnten Compensation Partner Entgeltmonitor 2017 noch 5,2%.

Mehr Gehalt, mehr Ungleichheit

Ein genauer Blick auf einige Details der Studie erweist sich dabei als besonders spannend. So haben sich die Kollegen von Compensation Partner explizit zwei unterschiedliche Verdienstklassen angeschaut, um den Einfluss der Höhe des Einkommens auf die Größe der Entgeltlücke zu analysieren. Dabei kam heraus, dass der bereinigte Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen bei einem Jahreseinkommen zwischen 30.000 und 35.000 € (Gruppe 1) lediglich bei 2,1% liegt, bei einem jährlichen Verdienst von 55.000 bis 66.000 € (Gruppe 2) hingegen bei 8,2%. Das heißt also: Je höher das Gehalt, desto größer die Entgeltlücke zwischen den Geschlechtern.

Top- und Flop-Branchen in Sachen Gender Fairness

Auch bei der Betrachtung der einzelnen Branchen zeigen sich Unterschiede in Sachen Entgeltlücke:

Top 5 Branchen - größte Entgeltlücke (Verdienstklasse 30 - 35.00 Euro brutto pro Monat)

Innerhalb von Gruppe 1 ist der Einkommensunterschied zwischen Männer und Frauen in der Metall-Branche mit 9,7% sowie in Medizintechnik und Maschinenbau mit jeweils 6,4% besonders hoch.

Branchen mit den größten Entgeltlücken Verdienstklasse 1


Top 5 Branchen - kleinste Entgeltlücke (Verdienstklasse 30 - 35.00 Euro brutto pro Monat)

Als besonders fair in Sachen gleicher Bezahlung erweisen sich das Handwerk mit 0,1% sowie Medien und Energie mit je 0,2% Entgeltunterschied.

Branchen mit den kleinsten Entgeltlücken Verdienstklasse 1


Top 5 Branchen - größte Entgeltlücke (Verdienstklasse 55 - 66.00 Euro brutto pro Monat)

In Gruppe 2, also bei jenen Angestellten, die ein höheres Gehalt kassieren, weisen mit 12,9% die Werbe- und PR-Branche sowie mit 12,4% das Gesundheitswesen eine besonders große Gender Pay Gap aus.

Branchen mit den größten Entgeltlücken Verdienstklasse 2


Top 5 Branchen - kleinste Entgeltlücke (Verdienstklasse 55 - 66.00 Euro brutto pro Monat)

Die kleinste Lücke findet man in diesem Einkommensbereich mit je 2,5% im Bereich der Finanzdienstleistungen und in Ingenieurbüros.

Branchen mit den kleinsten Entgeltlücken Verdienstklasse 2


Wo Frauen besser verdienen als Männer

Wenige Branchen bezahlen sogar genau entgegengesetzt zum allgemeinen Trend. Hier verdienen Frauen besser als Männer. So liegen z. B. in der Tourismus- und Freizeitbranche die Gehälter der weiblichen Angestellten 6,2% (Gruppe 1) bzw. 4,2% (Gruppe 2) über denen der männlichen Mitarbeiter.

Doch das ist die absolute Ausnahme und übrigens auch nicht Ziel des eingangs erwähnten Gesetzes. Hier geht es um Transparenz und Fairness, um gleiche Bezahlung für beide Geschlechter. Auch wenn das Gesetz verabschiedet wird und bundesweit zum Einsatz kommen sollte, von offiziellen Bestimmungen, wie z. B. in Island, wo jetzt ein Gesetz beschlossen wurde, das gleiches Gehalt bei gleicher Position garantieren soll, sind wir in Deutschland noch weit entfernt.


* Die für 2016 vom Statistischen Bundesamt und in den meisten Medien kommunizierte Entgeltlücke von 21% unterscheidet sich von den Werten der Studie von Compensation Partner. Grund sind eine unterschiedliche Datenbasis sowie die Aktualität der Daten. Denn Compensation Partner berücksichtigt für den Entgeltmonitor 2017 ausschließlich Daten aus den letzten zwölf Monaten.


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Quellen:
Bundestag.de
Neon.de
Wikipedia.de

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