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Was verdient man beim Eurovision Song Contest?

Was verdient man beim Eurovision Song Contest?

Geliebt und gehasst: Am Eurovision Song Contest scheiden sich die Geister. Der schrille Musikwettbewerb ist ein Event, bei dem natürlich auch Geld fließt. Beim ESC zu arbeiten – ob als singender Star, als Komponist oder als Mitarbeiter im Event-Management – bedeutet meistens allerdings „nur“ eine Investition in die Zukunft.

Für Lena Meyer-Landrut, die letzte deutsche Gewinnerin, zahlte sich der ESC-Sieg 2010 im Nachhinein zweifellos aus. Die damals 19-Jährige stürmte nach dem Triumph in Oslo mit ihrem Hit „Satellite“ die Charts und erarbeitete sich ein ansehnliches Renommee im Musikgeschäft. Binnen drei Jahren konnte Lena drei Alben veröffentlichen, 1,5 Millionen Tonträger verkaufen und damit geschätzt mehr als zwei Millionen € verdienen. Ein viertes Album, das Platz 2 der Charts eroberte, sowie weitere lukrative Tätigkeiten in der Öffentlichkeit folgten. Kaum vorstellbar, dass ein solcher Durchbruch ohne den Sieg beim Eurovision Song Contest möglich gewesen wäre.

ESC-Sieger verdienen gut – auch ohne Plattenvertrag

Tom Neuwirth, der als „Conchita Wurst“ 2014 den Titel für Österreich holte, zählt ebenfalls zu den Gewinnern im ESC-Business. Sein Song „Rise Like a Phoenix“ – zu diesem Zeitpunkt war er noch ohne Plattenvertrag – lief nach dem Eurovision Song Contest wochenlang auf Heavy Rotation in den österreichischen Radios. Schätzungen gingen von Monatseinnahmen im vierstelligen Bereich aus, die Tom Neuwirth allein über das Abspielen von „Rise Like a Phoenix“ bei einer einzelnen Radiostation erzielte. Das Debütalbum „Conchita“ wurde nur kurze Zeit nach der Veröffentlichung mit Platin für 15.000 verkaufte Tonträger in Österreich ausgezeichnet. Rund um den ESC 2015 in Wien erhielt Tom Neuwirth als Conchita Wurst für vier Auftritte eine Gage von mehr als 100.000 € vom Österreichischen Rundfunk, was einem Stundensatz von rund 6.250 € entspricht. Und auch wenn Tom Neuwirth mittlerweile nicht mehr als Conchita Wurst auftreten will: Für seine Berühmtheit und damit auch Einkommen und Verdienstmöglichkeiten war der ESC-Gewinn ohne Zweifel förderlich – ein echtes Karrieresprungbrett.

Die letztjährige Teilnehmerin für Deutschland, Jamie-Lee Kriewitz, landete beim Eurovision Song Contest in Stockholm abgeschlagen auf dem letzten Platz. Entsprechend fiel ihr Erfolg schmaler aus als bei den Künstlerinnen und Künstlern, die den Wettbewerb für sich entscheiden konnten. Da Jamie-Lee allerdings 2015 als Siegerin der fünften Staffel der TV-Show „The Voice of Germany“ hervorgegangen war, konnte sie mit der Single „Ghost“ sowie mit dem Debütalbum „Berlin“ Charterfolge verbuchen und den einen oder anderen Euro verdienen.

Erhalten die Stars eine Gage?

Es steht also zu erwarten, dass die deutsche Kandidatin Levina nicht massiv Profit aus dem Eurovision Song Contest 2017 schlagen wird. Denn dazu hätte sie einen der vorderen Plätze in Kiew belegen müssen. Der Sieger oder die Siegerin des Wettbewerbs wird zudem gar nicht direkt belohnt: Zum einen geht der eigentliche Preis an den Komponisten des Gewinner-Songs und nicht an dessen Interpreten. Zum anderen zahlt der Norddeutsche Rundfunk als eine der Sendeanstalten, die den ESC ausrichten, gar keine Gage an die Stars. Lediglich die Reisekosten sowie die Kosten für Unterkunft und Verpflegung am Ort des Events werden vom NDR übernommen. Es ist zu vermuten, dass dies in anderen Ländern ähnlich gehandhabt wird.

Auch für die Kreativen im Hintergrund zahlt sich der Eurovision Song Contest nur im Erfolgsfall aus. Ralph Siegel, einer der wichtigsten Komponisten, Songwriter und Produzenten der deutschen Szene, bezeichnet den Wettbewerb als sein „teuerstes Hobby“, bei dem er 100.000 bis 150.000 € bei jeder Produktion draufzahle, anstatt Geld zu verdienen. Die internationale Aufmerksamkeit sei seine Motivation für die zahlreichen Beiträge, so Siegel im ZDF-Magazin „WISO“. Finanzieller Erfolg stellte sich ausschließlich 1982 beim Sieg seines Songs „Ein bisschen Frieden“, vorgetragen von Nicole, ein. Fünf Millionen Singles wurden weltweit verkauft, geschätzte acht Millionen Mark (rund vier Millionen €) Umsatz machte Ralph Siegel als Komponist beim ESC-Sieg 1982. Grundsätzlich verdienen die Songwriter als Urheber mehr an den Sieger-Songs als die Interpreten. Doch dafür sind eben entsprechende Verkäufe beziehungsweise Radio-Spielzeiten Voraussetzung.

Freiwilligenarbeit rund um den Eurovision Song Contest

Neben Stars und Musikschaffenden lebt der Eurovision Song Contest 2017 in Kiew wie schon viele Vorgängerveranstaltungen von einer ganzen Reihe Mitarbeitern hinter den Kulissen. Darunter sind nicht wenige ehrenamtliche Helfer, die kein Geld an der Veranstaltung verdienen. Die Organisatoren des ESC stellen nicht einmal die Unterkunft für die 900 Freiwilligen; außer Essen und Metro-Fahrkarte erhalten die ehrenamtlichen Helfer keinerlei Zuwendungen. Der Lohn ist, direkt am Ort des Geschehens zu sein und unmittelbar mitzuerleben, wie vielleicht ein neuer Star geboren wird. Und sicherlich macht sich die ehrenamtliche Arbeit beim Eurovision Song Contest nicht schlecht im Lebenslauf.

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Quellen:

krone.at
Bild.de
FOCUS Online
ZDF
Eurovision.de