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Mit Musik Geld verdienen in Zeiten von Spotify & Co.

Mit Musik Geld verdienen in Zeiten von Spotify & Co.

Für die Musikbranche sind die fetten Jahre vorbei. Mit selbst gemachten Songs und Sounds Geld zu verdienen ist schwierig geworden. Denn wo früher Schallplatten- oder CD-Verkäufe Einnahmen für die Musikerinnen und Musiker generierten, finden physische Tonträger heute nur noch wenige Abnehmer. Streaming-Dienste wie Spotify, Deezer, Apple Music oder auch YouTube müssen herhalten – doch diese schütten nur sehr geringe Beträge an die Künstler aus. Dennoch können etliche Musiker mit ihren Werken Geld verdienen. Aber wie funktioniert das? Über welche Kanäle und ab wann kann man von der Musik allein leben?

Berufsmusiker zwischen Klassik und Pop

Zunächst ist es wichtig, zwischen den Ausprägungen des Berufs Musiker zu unterscheiden. So gibt es festangestellte Orchestermusiker und Chorsänger, die einen Vollzeitjob haben und gerade bei öffentlichen Institutionen nach Tarifvertrag bezahlt werden. Etwa 3.600 Euro brutto gibt es hier im Durchschnitt, abhängig von Instrument, Größe des Orchesters und den Berufsjahren. Bei einem Top-Orchester wie den Berliner Philharmonikern werden auch schon mal 7.000 Euro Grundgehalt gezahlt. Dazu kommen freiberufliche Musiker, sogenannte Springer, die ihre Gage je nach Auftrag beziehen. Tagessätze von 160 bis 240 Euro sowie Probensätze von etwa 80 Euro sind hier üblich. Auch bei der Kirche kann man als klassischer Musiker Beschäftigung finden – wenn man die entsprechenden Voraussetzungen der kirchlichen Arbeitgeber erfüllt.

Wer mit klassischer Musik sein Geld verdient, hat in der Regel sein Instrument seit Kindesbeinen erlernt, eine Musikhochschule oder ein Konservatorium besucht und eine harte Aufnahmeprüfung hinter sich. Dafür ist die Bezahlung meist so, dass man gut davon leben kann. Wer allerdings bis 35 seine Wunschstelle noch nicht gefunden hat, wird Schwierigkeiten bekommen, so das ungeschriebene Gesetz der Branche.

In der populären Musik hingegen sind die Wege nicht klar geregelt. Zwischen dem festangestellten Mitglied einer Bigband, buchbaren Studio- oder Live-Musikern und freischaffenden Solokünstlern gibt es eigentlich alles. Entsprechend schwierig ist es auch, allgemeine Aussagen zu den Gehältern bzw. Gagen von Popmusikern zu treffen.

Nicht nur in eigener Sache sind Musiker tätig. Vor allem, wenn die Karriere noch nicht ganz in Schwung gekommen ist – oder es aufgrund der unkommerziellen Nische der Musikrichtung für ein Auskommen nicht reicht –, finden Klangkünstler unter anderem in folgenden Positionen (zusätzliche) Arbeit:

  • Filmmusiker/-in
  • Musicalmusiker/-in
  • Theatermusiker/-in
  • Komponist/-in
  • Musikerlehrer/-in
  • Songwriter/-in

Und wie wird man Popstar?

So frei wie die Kunst ist auch der Weg dorthin. Zwar bieten einige Hochschulen und Akademien Ausbildungen im Bereich der Popmusik mit Fokus auf die Bedürfnisse des Marktes an, aber die wenigsten Musikschaffenden gehen einen solchen vorgeschriebenen Weg. Sogar ganz ohne Ausbildung geht: Autodidakten, also Menschen, die sich ihr Instrument bzw. Gesang selbst beigebracht haben, finden sich ebenso in der Branche wie Menschen, die eine klassische musikalische Ausbildung genossen haben.

Ob sich jemand aus eigenem Antrieb ganz nach oben arbeiten will oder als Mitglied einer gecasteten Formation nach den Markterforderlichkeiten geformt wird, ob ein Plattenvertrag eines großen Major-Labels oder der Eigenvertrieb der gewählte Kanal ist, all das macht natürlich einen großen Unterschied, was den Werdegang – und die Einnahmen – anbelangt. Von großer Wichtigkeit für die Musikerkarriere ist schlicht und ergreifend, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und von den „richtigen“ einflussreichen Menschen entdeckt und vermarktet zu werden. Das kann Kinderstars ebenso widerfahren wie Straßenmusikern im fortgeschrittenen Alter. Ein Patentrezept gibt es schlichtweg nicht. Das Business ist selbst für Experten relativ unberechenbar.

Über welche Kanäle (Pop-)Musiker Geld verdienen

Ähnlich schnell wie ihr Aufstieg in den 1980er Jahren kommt jetzt ihr Niedergang: Die CD stirbt aus. Von 2001 bis 2017 brachen die Verkäufe der silbernen Scheiben in Deutschland um mehr als 50 Prozent ein, von 133,7 Millionen auf 62,8 Millionen Stück. Noch hat dieser physische Tonträger in reinen Verkäufen zwar die Nase vorn – fragt sich nur, wie lange noch. Ein bemerkenswertes Comeback erlebt nämlich die lange totgesagte Vinyl-Schallplatte, hier steigen die Verkäufe von Jahr zu Jahr wieder und haben ein Niveau wie vor 25 Jahren erreicht. Sinkende Zahlen verzeichnet wiederum das Medium Download.

Statt sich Musik gegen Geld aus dem Netz herunterzuladen, nutzen nämlich immer mehr Menschen pauschale Angebote. Und so machen inzwischen die Streaming-Dienste den Löwenanteil der Musik-Absätze aus. Umsatz- und Nutzerzahlen steigen kontinuierlich. Die wichtigsten Anbieter und einige Zahlen zu zahlenden Benutzern lauten:

  • Spotify: 60 Millionen
  • Apple Music: 28 Millionen
  • Amazon Music Unlimited: 16 Millionen
  • Deezer: 6,9 Millionen
  • Napster: 4,5 Millionen
  • Tidal: 1,0 Millionen

Außerdem wichtig sind auf dem Markt:

  • Google Play Music
  • Juke
  • Soundcloud
  • YouTube Music

Die genauen Geschäftsmodelle der Dienste unterscheiden sich in Details voneinander. Oft gibt es eine Gratis-Version für Nutzer, mindestens aber eine Testphase. In einigen Fällen wird bei einem Basiskonto Werbung zwischen den Songs ausgespielt, während zahlende Abonnenten über eine werbefreie Version mit besserer Tonqualität und mehr Optionen verfügen. Allen Streaming-Diensten ist gemein, dass man pauschal pro Monat zahlt und nicht für den einzelnen Musiktitel. Unbegrenzt oft kann die gesamte Datenbank, die jeweils Millionen Songs umfasst, genutzt werden. Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Die Beträge, die beispielsweise Marktführer Spotify an die Künstler abführt, sind ausgesprochen gering. Bruchteile eines Cents (ca. 0,33) werden pro Streaming eines Songs an denjenigen ausgezahlt, der ihn erschaffen hat. Und damit ist Spotify nicht allein, auch die meisten Wettbewerber lassen weniger als einen Cent pro Abruf springen.

Die Rechnung ist also einfach: Wer als Solokünstler auf ein Monatseinkommen von 3.000 Euro (vor Steuern) kommen möchte, muss fast eine Million Mal im Monat gehört werden – und das nur von zahlenden Nutzern. Nun kommen noch die hohen Kosten dazu, die Musiker für Proberäume, Studios, Equipment, PR, Berufsverbände und dergleichen aufbringen müssen, zudem arbeiten die wenigsten allein. Kurzum: Von Musikstreaming allein kann man also erst als wirklich nennenswerte Größe leben. Allerdings führt an dem Vertriebskanal in der Regel kein Weg vorbei. Schließlich braucht Musik ihre Hörer.

Konzerte, Fanartikel, Kooperationen: Hier spielt die Musik

Nicht nur der Markt für die Musik zu Hause hat sich gravierend gewandelt hat und wandelt sich weiter, ein weiterer Sektor ist in Bewegung: die Konzertbranche. Ticketverkäufe machen einen immer wichtigeren Anteil der Einnahmen von Musikern aus, denn die Fans sind offenbar bereit, viel Geld für eine aufwendige Show auszugeben. Die Preise für Konzertkarten gehen daher seit Jahren in die Höhe. Ein Ticket für eine altehrwürdige Band wie die Rolling Stones kostet fast 500 Euro? Die Kunden bezahlen es. Als Grund für die teuren Eintrittskarten wird gern genannt, dass die Ausfälle durch sinkende Plattenverkäufe kompensiert werden müssen. Außerdem werden die Veranstaltungen aufwendiger und daher teurer, so die Erklärung aus der Branche. Bei den Künstlern wiederum bleibt gar nicht mal viel übrig. Manchmal ist es nur ein Zehntel des Ticketpreises.

Es hängt allerdings stark vom Genre bzw. der Zielgruppe ab, wie groß der Anteil von Live-Einnahmen am Verdienst der Künstler tatsächlich ist. Und natürlich spielt der Bekanntheitsgrad eine wichtige Rolle. Je größer der Anteil der Konzerteinnahmen am Gesamtumsatz ist, desto eher heißt es: Ein neues Album muss vor allem deshalb veröffentlicht werden, um frisches Material für eine ausgedehnte Tour zu haben. Oder man sucht sich einen anderen Anlass, um die Bühnen zu entern. Die künstlerische Freiheit bleibt bei einigen Musikern daher auf der Strecke.

Eine Konzerttour bietet Musikern und Bands außerdem eine willkommene Gelegenheit, um Fanartikel (Merchandise) zu verkaufen. Vor allem im Rock- und Metal-Bereich ist Merchandise eine wichtige Einnahmequelle. Bei einigen Musik-Entertainern sind ab einer gewissen Größenordnung auch Kooperationen und Werbeverträge eine wichtige Verdienstmöglichkeit, zum Beispiel mit Modeunternehmen. Der Einfallsreichtum scheint keine Grenzen zu kennen, denn über die üblichen T-Shirts geht es weit hinaus – beim im Namen der Band vermarkteten Bier ist noch lange nicht Schluss.

Die Macht von Wenigen

Wer (Nachwuchs-)Musiker zu finanziellen Themen befragt, hört oft ein Klagen über die modernen Zeiten. Als eines der Kernprobleme, warum sich heutzutage mit selbstgemachter Musik so schwierig Geld verdienen lässt, gilt die Erwartungshaltung der Konsumenten: Alles muss immer und mit wenig Aufwand verfügbar sein. Wer sich diesem Druck entziehen möchte und auf die Beteiligung an Streaming-Diensten verzichtet, dem geht eine Menge Aufmerksamkeit verloren. Spielt man das Spiel allerdings mit, unterwirft man sich der Marktmacht einiger großer Konzerne. Das gilt auch für Konzerte, denn Ticketverkäufe sind ebenfalls an sehr wenige Unternehmen geknüpft. Auch die Verwertungsgesellschaft GEMA, die eigentlich die Rechte und Einnahmen von Künstlern sichern soll, erntet nicht zuletzt wegen ihrer Monopolstellung Kritik.

Wie viel früher wirklich besser war und ob die alten Zeiten nicht wie so oft verklärt werden, steht auf einem anderen Blatt. Fest steht: Wer eine unsichere Karriere im Musikbusiness einschlagen möchte, muss hierfür viel, viel Leidenschaft mitbringen.

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Quellen:

Hamburg School of Music
Netzwelt
NDR
Orange by Handelsblatt
Rolling Stone
Statista
Tagesspiegel
Unicum