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Wenn der Job die Seele angreift

Wenn der Job die Seele angreift

Psychisch gesund heißt, die Seele ist in Balance

Wenn ein Mensch sich geistig und seelisch wohl fühlt, mit sich im Reinen ist, gilt er als psychisch gesund. Er befindet sich in einem sogenannten Idealzustand und bewältigt Belastungen und negativen Stress in seinem Leben angemessen. Psychisch gesunde Menschen sind in der Lage, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Sie sind bei der Arbeit leistungsfähig und tragen konstruktiv zum Leben der ganzen Familie und Freunde bei.

Platz 2 für psychische Krankheiten

Psychische Gesundheit ist nicht gleichzusetzen mit der Abwesenheit psychischer Erkrankungen. Ein „ganz oder gar nicht“-Prinzip existiert nicht. Viele Menschen bewegen sich langfristig auf einem Mittelweg zwischen psychisch gesund und psychisch leidend. Nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegen psychische Belastungen in Europa den zweiten Rang an Krankheitslasten. Die Zahl der an neuropsychiatrischen Störungen leidenden Betroffenen wird voraussichtlich mit dem allgemeinen Durchschnittsalter der Menschen weiter ansteigen. In vielen europäischen Ländern sind psychische Erkrankungen ein weit verbreiteter Grund des Fernbleibens vom Arbeitsplatz.

Typische psychische Erkrankungen

Neuropsychiatrische Störungen sind häufig Angstzustände und Depressionen. Europaweit ist etwa jede vierte Person einmal im Leben von einer psychischen Einschränkung betroffen. Das ist eine besondere Herausforderung für den Bereich Öffentliche Gesundheit. Störungen durch Alkohol gehören zu gängigen Krankheitsbildern. Ebenso Alzheimer und andere Formen der Demenz. Zahlreiche Patienten leiden unter Schizophrenie oder Panikstörungen. Selbstbeschädigungen und – tragisch – Suizid, sind die schlimmsten Formen charakteristischer psychischer Krankheiten. Menschen, deren Seele leidet, haben schließlich immer größere Probleme im Alltag. Schon kleine, gewöhnliche Tätigkeiten im Haushalt wachsen zu einer unüberwindbaren Hürde heran. Betroffene und ihre Angehörigen sollten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Wenn der Job die Seele krank macht

Eine Störung der Psyche beeinflusst Denken, Wahrnehmung, Stimmung und Verhaltensweisen. Sie ist keinesfalls ein Zeichen von Versagen oder Schwäche. Eine solche Störung kann jeden befallen. Vielfach sind Auslöser für psychische Beeinträchtigungen im Berufsumfeld zu finden. In der heutigen Leistungsgesellschaft besteht enormer Druck. Aufgaben müssen schnell und umfassend erledigt werden. Die Quantität nimmt permanent zu, die Arbeitsqualität hingegen fällt ab. Es gibt vielerorts kaum Zeit für Pausen während der Arbeitszeit. Moderne Kommunikationsmittel und –wege garantieren, dass jeder Angestellte permanent erreichbar ist. Abends und am Wochenende genauso wie an freien Tagen. Wer einmal in den Strudel einer Überlastung geraten ist, findet meist nicht schnell wieder hinaus. Nein sagen fällt schwer oder gestaltet sich unmöglich. Arbeitnehmer, die sich nicht fügen oder kooperieren, werden zügig ersetzt. Die hohe Arbeitslosenquote trägt das ihre dazu bei.

Besonders gefährdet sind Schichtdienstler. Wenn der Dienstplan vorgeschriebene Ruhephasen nicht zulässt und der Schlafrhythmus außer Kontrolle gerät, sind seelische Probleme quasi vorprogrammiert. Belastender Dauerstress, wie Mobbing, macht nicht nur die Seele, sondern auf lange Sicht auch den Körper krank. Hier hilft nur noch der Riss an der Reißleine. Eine Auszeit vom Berufsleben und eine individuelle Therapie ermöglichen eine vollständige Genesung. Viele Arbeitnehmer kehren nach einer Weile gestärkt an den früheren Arbeitsplatz zurück. Wer während oder nach einer Behandlung feststellt, dass die Energie für den vormaligen Beruf sich nicht regenerieren lässt, zieht eine Umschulung in Betracht. Therapeuten und Arbeitsämter helfen, einen neuen beruflichen Weg zu finden.

Welche Berufe greifen die Seele besonders an?

Allgemein bekannt ist, dass körperlich anstrengende Berufe oft Muskel-Skelett-Erkrankungen bedingen. Fliesenleger haben vielmals Probleme mit den Knien, Bauarbeiter klagen über Rückenbeschwerden. Psychische Störungen kommen häufiger in dienstleistungsorientierten Berufen vor. Auffällig hohe Krankenstände aufgrund psychischer Erkrankungen gibt es in der Altenpflege und in Callcentern. Ebenso sind Manager aller Branchen und Krankenschwestern unter den Betroffenen. Vor Erziehern und Lehrern machen psychische Probleme ebenso wenig Halt wie vor professionellen Sportlern.

Nicht nur Überforderungen führen zu psychischen Belastungen

Gehetzt und von Termindruck überrollt sind übliche Gefühle bei zu viel Arbeit und zu hohen Erwartungshaltungen. Doch ebenso kann das Gegenteil krank machen: Wer im Beruf kaum etwas zu tun hat und stets Geschäftstätigkeit vortäuschen muss, ist unterm Strich nicht besser dran. Kein konstantes Arbeitsvolumen zu haben, kann auslaugen. Unterforderung führt unter Umständen gleichermaßen zu Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und Depressionen, wie die weitaus populärere Überforderung. Zu wenige und falsche berufliche Aufgaben fördern Unterstress. Wer am Arbeitsplatz qualitativ und quantitativ nicht gefordert wird, sollte sich alsbald einen neuen Wirkungskreis suchen.

Arbeit als Therapie

Manche Patienten mit psychischer Erkrankung erfahren die Rückkehr in den früheren Beruf oder die Aufnahme einer neuen, anderen Tätigkeit als heilsam. Eine Arbeit kann ein Grund dafür sein, morgens aufzustehen und aus dem Haus zu gehen. Erfolgserlebnisse im Job tragen dazu bei, Selbstvertrauen zurück zu gewinnen und dauerhaft zu stärken. Viele Betroffene, beispielsweise an Schizophrenie erkrankte, finden für sich persönlich einen Weg, mit der Krankheit zu leben. Symptome lassen sich am Arbeitsplatz oftmals gar nicht feststellen. Wer aufgrund einer Erkrankung Wert darauf legt, vom Vorgesetzten oder Arbeitgeber nicht nach den gleichen Maßstäben wie alle anderen Kollegen behandelt zu werden, muss den Arbeitgeber über die vorliegende Krankheit informieren. Psychisch Erkrankte, die das ausdrücklich nicht wünschen, erhalten mitunter nicht so viel Rücksicht und Verständnis, wie für die Anstrengung zur Erfüllung einer Aufgabe für sie angemessen wäre.

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